01.04.2014

Kommentar

Ende der Hängepartie

Von Ulrich Waschki

Endlich ist die für alle Seiten belastende Hängepartie um Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst beendet. Es hat lange gedauert, bis der Papst eine Entscheidung getroffen hat. Aber der Weg war richtig: dem Bischof zunächst eine Ruhepause außerhalb der Diözese zu verordnen und den Prüfbericht abzuwarten. Papst Franziskus hat damit erst den Druck aus der Affäre genommen und zugleich klargemacht, dass er sich die Entscheidung über einen Bischof nicht von außen vorgeben lässt. Mit seiner Geduld, zunächst den Prüfbericht abzuwarten, hat er am Ende jeglicher Legendenbildung einen Riegel vorgeschoben. Bischof Tebartz-van Elst eignet sich nach diesem Verfahren nicht mehr zum Märtyrer.


Denn der Prüfbericht über den Bau auf dem Limburger Domberg zeigt: Als Bischof einer Diözese ist Tebartz-van Elst an der falschen Stelle. Mag sein, dass er keine „Fachverantwortung“ als Bischof hat. Aber selbst ein Laie in Baufragen muss wissen, dass Wünsche bei Bauprojekten Geld kosten. Nein, der Prüfbericht ist der beste Beweis dafür, dass die Rücktrittsannahme unumgänglich war. Gut, dass Tebartz-van Elst nach seiner Audienz beim Papst am vergangenen Freitag öffentlich Fehler eingeräumt und um Vergebung gebeten hat. Ein wichtiger Schritt für eine Versöhnung.


Deutlich wird nach dem Prüfbericht auch: Es gab keine Medienkampagne gegen den Limburger Bischof. Es gab heftige mediale Entgleisungen, handwerkliche Fehler, Geschmacklosigkeiten. Aber unterm Strich haben die Medien ihre Arbeit gemacht. Vieles, was lange als unbewiesenes Gerücht abgetan wurde, hat sich durch den Bericht im Nachhinein als wahr herausgestellt. Tebartz-van Elst hat den Stoff für die Schlagzeilen gegen ihn selbst geliefert. Die Medien haben geholfen, Missstände aufzudecken.


Wichtig ist jetzt, was die Kirche aus der Affäre lernt. Die kirchlichen Strukturen in Limburg haben versagt. Es gab niemanden, der auf Einhaltung kirchlicher Regeln bestanden hat. Es fehlt eine Kontrollinstanz – auch für Bischöfe. Nicht aus Misstrauen, sondern zum Schutz der handelnden Personen. Ein kritisches Gegenüber hilft, die eigenen Entscheidungen richtig zu treffen. Vor allem, wenn man sich im dichten Netz aus kirchlichen und weltlichen Organen und Gesetzen bewegt. Eine Art kirchlicher Bundesrechnungshof oder eine überdiözesane Innenrevision wären notwendig. Ohne das Leitungsamt der Bischöfe zu beschädigen, sondern um sie vor der eigenen menschlichen Schwäche zu schützen.