Mitteldeutschland hat nicht nur eine reiche Klostergeschichte. Bis heute leben in der Region Menschen in klösterlichen Gemeinschaften. Die Klostererfahrungstage bieten einen Einblick.
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| Bruder Antonius führt die Teilnehmer durch Kloster und Kirche. Foto: Matthias Holluba |
Von Matthias Holluba
Huysburg. „Die Urania fährt ins Kloster.“ Als Sabine Spangenberg aus Salzwedel den Flyer mit der Einladung zu den Klostererfahrungstagen auf der Huysburg las, fand sie das eine tolle Idee und hat sich angemeldet. Ihre Erwartungen haben sich mehr als erfüllt: „Ich habe hier einen Ort erlebt, der Stille und Ruhe ausstrahlt“, sagt sie. Für einen Menschen wie sie, dessen Tagesablauf eine eher ungeordnete Struktur habe, habe das geregelte Leben im Kloster etwas Bestechendes. Zugleich seien die Benediktiner, die auf der Huysburg leben, Menschen, die mit beiden Beinen im Leben stehen. „An was die Mönche in den Fürbitten alles gedacht haben, hat mich fasziniert“, sagt die Frau, die als Kind evangelisch getauft wurde.
Ludger Nagel von der Katholischen Erwachsenenbildung Sachsen-Anhalt ist auch zufrieden. Er hat schon mehrmals derartige Veranstaltungen auf der Huysburg organisiert. Mit der Urania Salzwedel aber hatte er diesmal einen neuen Kooperationspartner. „Entstanden sind die Klostererfahrungstage im Zusammenhang mit Angeboten für Städte- und Gästeführer, sich im religiösen Bereich weiterzubilden“, erklärt Nagel. Auf einem dieser Kurse war Vera Baumbach dabei, die als pädagogische Mitarbeiterin bei der Urania Salzwedel arbeitet. Mit seiner Frage nach Zusammenarbeit stieß Ludger Nagel bei ihr auf offene Ohren. Die 15 Teilnehmer waren schnell gefunden und schon jetzt gibt es Fragen nach den nächsten Klostererfahrungstagen. Vera Baumbach, die sich selbst als „nicht konfessionell, aber religiös“ bezeichnet, findet dieses Angebot eine gute Sache: „Das Erlebnis von Stille und Einkehr stärkt mich für meinen Alltag und tut mir gut.“
Der Schwerpunkt der Klostererfahrungstage liegt auf „Erfahrung“, erklärt Ludger Nagel. Zu einem Bildungsprogramm gehören natürlich Besichtigungen und Vorträge. Diesmal konnten sich die Teilnehmer nicht nur Kirche und Kloster auf der Huysburg ansehen, sondern auch die Stiftskirche Hamersleben. Und sie erfuhren von Bruder Athanasius Polag etwas über Leben und Wirken der Benediktiner. Über den Bildungsansatz sollen die Teilnehmer mit dem Eigentlichen in Berührung kommen. Deshalb ist viel Zeit, das Leben der Mönche mitzuleben – im Stundengebet oder während der Mahlzeiten im Schweigen und mit Tischlesen. Daneben gibt es Zeit zur persönlichen Besinnung. „Ich lade die Teilnehmer ein, über das Erlebte nachzudenken und es in einem Brief an sich selbst, einem Gedicht oder einem Bild zu verarbeiten“, erklärt Ludger Nagel. Und natürlich stehen die Benediktiner – diesmal allen voran Prior Antonius Pfeil – den Teilnehmern zum Gespräch zur Verfügung, das sich schnell um mehr als Zahlen, Daten und Fakten dreht ...
Unter den Teilnehmern waren einige, die sonst wenig oder nichts mit Kirche zu tun haben. „Die Klostererfahrungstage eignen sich gut für Menschen, die bislang kaum einen Zugang zum christlichen Glauben haben“, ist Ludger Nagel überzeugt. „Sie können helfen, Vorurteile abzubauen, weil die Teilnehmer Menschen erleben, die ihr Christsein glaubwürdig leben.“ Das aber tut auch einem praktizierenden Katholiken wie Michael Giesa gut. Ihn hat die Neugier zu den Klostererfahrungstagen getrieben. „Natürlich war mit klar, das Kloster keine verstaubte Geschichte ist.“ Aber was er auf der Huysburg erlebt hat, davon ist er begeistert: „Die Benediktiner hier haben einen großen Sachverstand und sprechen eine Sprache, die jeder versteht und die zu Herzen geht. Das erlebt man nicht überall in unserer Kirche. Und das ist herzerfrischend.“
Internet: www.keb-sachsen-anhalt.de