16.08.2013

Zahlreiche Ordensschwestern aus Indien leben und arbeiten in Deutschland

In einem fernen fremden Land

Hunderte Ordensfrauen aus Indien leben mittlerweile in Deutschland, arbeiten vorwiegend in Krankenhäusern und Altenheimen. In einer so ganz anderen Kultur heimisch zu werden – dabei hilft zum Beispiel ein Seminar in Essen.

Die indischen Ordensschwestern Blecilla (rechts)
und Ditty sprechen über ihre Erfahrungen in
Deutschland. Foto: kna-bild

Auf dem Boden ist die indische Flagge ausgebreitet, daneben brennt eine Kerze. Ringsum bilden Postkarten einen Kreis. Eine zeigt einen Leuchtturm, die daneben eine Wolkenformation. Die Teilnehmerinnen des Seminars haben dieses Mosaik gemeinsam gelegt: Jedes Kartenmotiv steht für ein „Gottesbild“, für ein Gefühl, das die Einzelne momentan mit Gott verbindet. „Eine Ahnung der Fülle des Glaubens“, so beschreibt es Schwester Birgitt Adelfang.

Die Aachenerin leitet zusammen mit der Essener Ordensreferentin Marie-Luise Langwald ein Seminar für indische Ordensschwestern. In Krankenhäusern und Heimen setzen sie die Arbeit deutscher Ordensfrauen fort, deren Gemeinschaften sich aus Mangel an Nachwuchs zurückziehen. Damit die Inderinnen sich in Deutschland noch besser einleben, bieten die Bistümer Essen und Aachen das Seminar an. 

Die ersten Ordensfrauen aus dem südasiatischen Land kamen bereits vor rund 40 Jahren nach Westeuropa. Schwester Reesa Uoorakkattil gehört zu diesen Pionierinnen. „Deutschland, das war damals eine ganz andere Welt“, erinnert sie sich. Das Klima, die Ernährung, die Sprache ... Auch die Spiritualität ist anders. Beten beim Tod eines indischen Christen alle Anwesenden wie selbstverständlich einen Rosenkranz, ist der hierzulande manchem Katholiken nicht mehr geläufig.

Der Zeitdruck macht den Ordensfrauen zu schaffen

Der ersten Generation halfen die deutschen Schwestern über den Kulturschock hinweg. „Die Jüngeren müssen mehr selbst lernen“, sagt Schwester Reesa – denn deutsche Kolleginnen gibt es kaum noch. „In den 70er-Jahren war die Sprache die größte Hürde. Die Schwestern, die heute nach Deutschland kommen, sind durch Sprachkurse gut vorbereitet und fachlich sehr gut ausgebildet“, sagt Marie-Luise Langwald.

Um heutige Knackpunkte zu erkennen, haben sich die Organisatorinnen im Vorfeld der Weiterbildung mit Ordensoberinnen getroffen. Einer dieser Knackpunkte betrifft die Ausbildung: Eine in Indien ausgebildete Krankenpflegerin erledigt dort Aufgaben, die in Deutschland eher denen einer Assistenzärztin entsprechen. 

„Warum hat der liebe Gott uns nicht noch mehr Hände gegeben?“, fragt Schwester Selly Mascarenhas – augenzwinkernd, doch der Zeitdruck ist für sie und ihre Kolleginnen ein echtes Problem. Umgekehrt sind viele Einrichtungen dankbar: „Die Pflege würde ohne die indischen Schwestern zusammenbrechen“, sagt Kursleiterin Birgitt Adelfang.

Von Paula Konersmann