02.11.2017

Pfarreileitungsteams im Bistum Magdeburg

Eine große Herausforderung

Erste Pfarreileitungsteams übernehmen im Bistum Verantwortung für pfarrerlose Pfarreien. Der Katholikenrat befasste sich bei seiner Vollversammlung mit den damit verbundenen Chancen und Schwierigkeiten.


Moderator Pater Alois Andelfinger, Hildegard Flieder-Noack und Thomas Hilbrich aus der pfarrerlosen Pfarrei Bad Liebenwerda berichten im Gespräch mit Ordinariatsrätin Friederike Maier von den Erfahrungen mit ihrem Pfarreileitungsteam. | Foto: Eckhard Pohl


Wie können und müssen wir uns als Christen darauf vorbereiten, dass unsere Pfarrei über kurz oder lang keinen Pfarrer mehr hat? Das war eine der Fragen, die bei der Herbst-Vollversammlung des Katholikenrates am 21. Oktober in Magdeburg im Raum stand. Zugleich war im höchsten Laiengremium des Bistum die Bereitschaft und der Wille vieler spürbar, die Situation in der Diözese anzunehmen und zu gestalten. Das Vorbereitungsteam um den Katholikenrats-Vorsitzenden Dagobert Glanz hatte den Tag etwas provozierend „Das Dach brennt und wir diskutieren“ überschrieben und die pastorale Situation im Bistum und besonders die in den pfarrerlosen Pfarreien Bad Liebenwerda und Hettstedt in den Mittelpunkt gestellt.
Am 11. Januar 2015 hatte Bischof Gerhard Feige erstmals im Bistum für die pfarrerlose Pfarrei Bad Liebenwerda ein fünfköpfiges Pfarreileitungsteam eingesetzt und damit Canon 517 Paragraph 2 des Kirchenrechts angewandt, der dies in bestimmten Situationen erlaubt. Inzwischen steht nun am 5. November (10.30 Uhr in Klostermansfeld) die Einsetzung eines weiteren Pfarreileitungsteams für die Pfarrei Hett- stedt an.
„Wir versuchen die jeweiligen Probleme zu lösen“, berichtete Thomas Hilbrich, Mitglied des Pfarreileitungsteams Bad Liebenwerda und Vorsitzender des Pfarrgemeinderates der Pfarrei, nüchtern von seinem ehrenamtlichen Dienst. „Unser größtes Problem ist derzeit die Kinder- und Jugendarbeit, da unsere Gemeindereferentin seit einem Jahr krank ist. Ein Weg ist jedoch in Sicht.“

Sich auf die Zeit ohne Pfarrer vorbereiten
Claretiner-Pater Alois Andelfinger, Leiter des Ökumenischen Hauses der Begegnung und Stille in Mühlberg und Moderator des Pfarreileitungsteams Bad Liebenwerda, erzählte von den Schwierigkeiten, herauszufinden, worin seine, die Aufgabe des Moderators – und eben nicht die eines Pfarrers – konkret besteht. „Mein Kerngeschäft ist es, mit der Gemeinde spirituell unterwegs zu sein, zu schauen, wo und wie die Gemeinde den Glauben feiern kann. Um dies zu tun, muss dann aber kein Priester dabei sein.“ Katholikenratsmitglied Hildegard Flieder-Noack aus der Pfarrei Bad Liebenwerda forderte die Verantwortlichen in anderen Pfarreien auf, sich langfristig auf eine Situation ohne Pfarrer vorzubereiten und Mitchristen dafür zu gewinnen, Verantwortung zu übernehmen. Besonders wichtig sei, frühzeitig Kontakte zwischen den Gemeinden der Pfarrei, aber auch zu Nachbarpfarreien selbst über Bistumsgrenzen hinweg zu knüpfen und nach Möglichkeiten der Kooperation zu suchen, wie auch Thomas Hilbrich betonte.
Aus der Pfarrei Hettstedt, für die Bischof Feige ein weiteres Pfarreileitungsteam einsetzen wird, war Meinolf Thorak (Gemeinde Helbra) gekommen und berichtete vom bisher zurückgelegten Weg dorthin. Dabei seien Fragen entstanden wie: Wer ist der Pfarrsekretärin gegenüber weisungsberechtigt? Wem konkret unterstehen die Mitarbeiterinnen der pfarreieigenen Kindertagesstätte und der Sozial
station? Wie genau sieht die Zusammenarbeit zwischen Pfarreileitungsteam und den Gremien Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat aus? Welche Rolle kommt den Gemeindereferenten zu, gehören sie zum Pfarreileitungsteam? Wer vertritt die Pfarrei nach außen? Auch die Frage: Hat das Pfarreileitungsteam bei der Bistumsleitung ein Recht, angehört zu werden, wenn es etwa um die Besetzung von hauptamtlichen Stellen in der Pfarrei geht?
Ordinariatsrat Markus Konkolewski  (Bereich Steuerung/Organisationsentwicklung) stellte dazu grundsätzliche Überlegungen der Bistumsverantwortlichen vor. Von einem „Magdeburger Modell“ wollte er nicht sprechen; die Voraussetzungen in den Pfarreien seien zu unterschiedlich und verlangten angepasste Lösungen. Grundsätzlich soll ein Pfarreileitungsteam jedoch aus mindestens drei Mitgliedern bestehen: je einer Person mit Blick auf Seelsorge und auf Verwaltung/Organisation sowie einem Priester als Moderator. Konkolewski: „Wir empfehlen aber, dass das Leitungsteam aus fünf Personen besteht, je zwei aus dem Bereich Pastoral, zwei aus dem Bereich Verwaltung/Organisation und dem Moderator.“ Die Betreffenden müssten nicht gewählte Mitglieder des Pfarrgemeinderates und des Kirchenvorstandes sein, es sei aber „sinnvoll“. Die Leitungsteams sollen zeitlich begrenzt – in der Regel an die Gremienwahl gekoppelt – beauftragt werden. Für die praktische Arbeit des Teams sei eine enge Zusammenarbeit mit Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand und „die Kunst“ notwendig, „Dinge aufzugeben, um nicht allein schon aus zeitlichen Gründen zu scheitern“. In der Regel werde es günstig sein, wenn der Kirchenvorstands-Vorsitzende das Leitungsteam leitet, so Konkolewski. Begleitende Angebote für die in den Pfarreien Engagierten stellte Stefan Malik, Referent im Fachbereich Pastoral, vor.

Pastorale Situation wird anderswo nicht begriffen
Bischof Gerhard Feige dankte allen, die „Veranwortung übernehmen, selbst wenn ihre Pfarrei noch recht gut ausgestattet ist“. Er berichtete von der aktuell schwierigen Situation in der Kathedralpfarrei Magdeburg-Mitte und der pfarrerlosen Pfarrei Magdeburg-Süd sowie in der Pfarrei Salzwedel, wo die Pfarrer krankheitsbedingt ausgefallen sind, und verwies auch auf die pfarrerlose Pfarrei Wolfen-Zörbig, die seit einiger Zeit de facto eng mit Bitterfeld verbunden ist. Es bestehe im Bistum angesichts des Schwindens an personellen und finanziellen Ressourcen „eine ungeheuere Herausforderung“, die außerhalb des Bistums wenig begriffen und verstanden wird, so der Bischof vor dem Katholikenrat. Zugleich sei er der festen Überzeugung, „dass wir als Kirche hierzulande“ im Sinne einer „schöpferischen Minderheit eine Sendung und Aufgabe haben“.

Von Eckhard Pohl