05.10.2017

Anstoss 40/2017

Ein (über)voller Rucksack

Die Frage nach dem „richtigen Gepäck“ lässt mich nicht los. Jedes neue Sachen-Packen erinnert mich an Rucksäcke im übertragenen Sinn, die wir sonst noch so mit uns herumtragen, wie den Rucksack des Lebens, der sich täglich weiter füllt.


Eine Fülle, die sich im Guten wie im Schlechten, in Freude wie im Leid nicht erschöpfend auflisten lässt. Vieles tragen wir als Lebensschatz gern und selbstverständlich bei uns. Anderes wird uns zur Last, die wir nicht abschütteln können. Eine Krankheit, eine Lücke, die der Tod gerissen hat. Manche Last schleppen wir mit, weil wir nicht loslassen können, nachtragend sind oder Schuld nicht wieder gut zu machen ist.
Da bietet Jesus an, die Rucksäcke zu tauschen: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und unter Lasten stöhnt! Ich will euch Ruhe verschaffen.“ Bei ihm können wir unseren Rucksack absetzen. Er ist sogar bereit, unser Lebensgepäck mitzutragen, nimmt uns die Schuld ab und lädt uns ein, seine leichte(re) Last auf uns zu nehmen.
Aber auch als Kirche tragen wir einen vollen Rucksack. Darin die frohe Botschaft, Jesu leichtes Joch. Dazu die Erkenntnisse der Theologie, die Tradition(en), Bräuche, Prägungen, aus Jahrhunderten überliefert und ebenso von den Generationen mit denen wir unsere Lebenszeit teilen. Eine unglaubliche Fülle, aber auch schweres Gepäck. Besonders junge Menschen hinterfragen vieles davon und empfinden Althergebrachtes als Last. Kleiner werdende Gemeinden kommen nicht umhin zu fragen, was sie zurücklassen müssen, weil sich die Last nicht mehr auf genügend Schultern verteilt. Im Großen ringt die Kirche darum, was abzulegen ist, damit die von Lasten befreiende Kraft des Glaubens für viele weiter zum Tragen kommt: beim Zugang zum Weiheamt, damit die Feier der Sakramente Lebensmitte der Gemeinden bleibt; bei der Zulassung Geschieden-Wiederverheirateter zur Stärkung durch die Sakramente; um die Einheit der Christen, als ein Zeichen für die Welt. Im Weisheitsgepäck der Kirche, steckt auch Rat hierfür: unablässig um Gottes Geist zu bitten und alles zu prüfen, immer wieder, um den Zeitgeist von damals wie von heute zu unterscheiden und das Gute zu behalten.

Angela Degenhardt, Sangerhausen