In Mühlberg an der Elbe ist im einstigen Kloster Marienstern ein Ökumenisches Haus der Begegnung und Stille entstanden. Im Beisein des Bad Liebenwerdaer Superintendenten Karl-Heinz Nickschick weihte Bischof Gerhard Feige am 12. Januar das Zentrum ein.
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Der moderne Kreuzgang aus Beton, Glas und Metall verbindet die alte Zisterzienserinnenkirche, das einstige Äbtissinnen- und heutige Exerzitien- und Bildungshaus sowie das moderne Übernachtungshaus (hinten links). Seit 2010 in der Region ein Tornado wütete, hat die Backsteinklosterkirche keine Turmspitze. Fotos: Eckhard Pohl |
Von Eckhard Pohl
Mühlberg. Ein ökumenisches Haus der Begegnung und Stille in einem ehemaligen Kloster?! Und das, wo anderswo für Bildungshäuser das Geld fehlt, und noch dazu in Mühlberg, am Rand der Welt?! Da muss man doch fragen, wofür wir ein solches Haus brauchen?! – Was da am 12. Januar in einer Dialogpredigt zur Einweihung des Ökumenischen Hauses in Mühlberg ausgesprochen wurde, dürfte durchaus die Meinung des einen oder anderen Zeitgenossen wiedergeben.
Die Engagierten in Mühlberg um Claretiner-Pater Pfarrer Ansgar Schmidt und Pfarrerin Kerstin Höpner-Miech sind sich derartiger Einwände bewusst. Und trotzdem haben sie sich für das geistliche Zentrum eingesetzt und verbinden mit dem am 12. Januar eingeweihten neuen Ökumenischen Haus der Begegnung und Stille im Kloster Marienstern Hoffnung und Zuversicht. „Wir setzen auf die ehrenamtliche Mitarbeit möglichst vieler Menschen vor Ort“, sagt die Mühlberger Pfarrerin. „Wir sind sehr dankbar, dass sich so viele begeistern lassen, sich zur Verfügung stellen und so das Projekt überhaupt erst möglich gemacht haben.“ Und für Pater Ansgar Schmidt gilt: „Soziales Engagement ist in der Kirche genauso wichtig wie Menschen einen Ort anzubieten, an dem sie zu sich selbst, zur Ruhe und Einkehr und letztlich zu Gott finden.“ Denn es braucht „Orte und Menschen, die der Seele gut tun.“ Dass auch an diesen Argumenten viel Richtiges ist, zeigte die große Zahl der Teilnehmer an der Einweihungsfeier.
Kreuzgang und modernes Übernachtungshaus
2010 konnten auf dem einstigen Klosterareal ein Übernachtungshaus mit 20 Betten und ein neuer Kreuzgang errichtet und damit wichtige Arbeiten für das Zentrum abgeschlossen werden. Der aus Beton, Glas und Metall bestehende, schlichte Umgang befindet sich am Ort des einstigen Kreuzganges und bindet die Klosterkirche, das bereits vor einem Jahr fertig sanierte ehemalige Äbtissinnen- und jetzige Exerzitien- und Bildungshaus sowie das Übernachtungshaus um einen Innenhof zusammen. Im Äbtissinnenhaus befinden sich zwei Speiseräume, vier Seminar- und Gruppenräume, ein Meditationsraum und vier Übernachtungsplätze.
Insgesamt wurden für die Sanierung des Klosterareals sowie für die Neu- und Ergänzungsbauten rund 6,7 Millionen Euro investiert, hieß es bei einer Feststunde zur Einweihung im restaurierten kreuzgewölbten Saal des Äbtissinnenhauses. Mittel kamen von der Europäischen Union, Bund und Land, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, dem Landkreis, aber auch dem Bistum Magdeburg, dem Claretinerorden, dem Bonifatiuswerk der Deutschen Katholiken und dem Förderverein.
Einen herben Rückschlag gab es, als 2010 ein Tornado in Mühlberg wütete. Der Wirbelsturm hob den rund 18 Meter hohen Dachstuhl des Kirchturms an, so dass er neben das Gotteshaus stürzte. Auch die Westfassade der Kirche wurde beschädigt. Entmutigen ließ sich Pater Ansgar, der derzeit der einzige Vertreter der Claretiner in Mühlberg ist, aber nicht. Inzwischen sind viele der Schäden behoben, die Kirchturmspitze fehlt jedoch noch.
„Gemeinsam wollen wir hier als Christen ein Zeichen setzen“, unterstreicht Pater Ansgar das ökumenische Engagement vor Ort. Dies sei um so notwendiger, als es nur wenige Christen in der Region gebe. Daran erinnerte auch Bischof Gerhard Feige. „Solche Zentren sind für mich Leuchtpunkte der Orientierung, an denen das Feuer des Glaubens gehütet wird.“ Denn es gebe Menschen, die einen „vagen Hunger nach Erfahrungen, die über das Alltägliche hinausgehen, spüren und nach Orten suchen, an denen sie sich beheimaten können“. Und Superintendent Karl-Heinz Nickschick aus Bad Liebenwerda erinnerte daran, dass Ökumene „der Versuch einer gelebten Antwort auf den Auftrag der Christen zur Einheit ist“. Insofern zeigten die Mühlberger mit ihrem gemeinsamen Engagement, wie das gehen kann.
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Bischof Feige segnet den Kreuzgang. Von links: Pater Ansgar Schmidt, Bischof Gerhard Feige, Claretiner-Provinzial Stefan Wolf, Superintendent Karl-Heinz Nickschick, Pfarrerin Kerstin Höpner-Miech und weitere Festteilnehmer. |
Ökumene ist Antwort auf einen klaren Auftrag
In kleinem Rahmen ist das Programm des Ökumenischen Hauses bereits angelaufen. So bot das Team bereits Klosterführungen und Besinnungstage an. An Ideen mangelt es den Seelsorgern nicht, die weiter auch als Gemeindeseelsorger tätig sind. Familien können sich für „Klosterkirchen-Entdeckungen“ anmelden, Kinofreunde für „Filmexerzitien im Kloster“ und Kinder zu einem „Märchentag“. Was angenommen wird, werde sich in den nächsten Jahren zeigen, sagt Pater Ansgar, der von Anfang an den Aufbau in Mühlberg begleitet hat und auf Verstärkung aus seinem Orden hofft. Sobald möglich, möchte das ökumenische Team ein Tageszeitengebet am Ort einführen.
Anfang der 1990er Jahre gab es in der katholischen Kirche Überlegungen, in der Region Torgau / Bad Liebenwerda ein geistliches Zentrum zu schaffen. Zugleich suchte die Stadt Mühlberg als Eigentümerin des Klosterareals nach Möglichkeiten, die Zisterzienserinnenkirche und zugehörige Gebäude zu sanieren und zu nutzen. Der Magdeburger Bischof Leo Nowak konnte Mitstreiter beim Claretinerorden, einer im 19. Jahrhundert in Spanien gegründeten Gemeinschaft, gewinnen. 2000 kamen die Claretiner nach Mühlberg. Das Bistum Magdeburg schloss mit der Stadt einen Pachtvertrag über die gotische Backsteinkirche und weitere Gebäude des 1539 säkularisierten Klosters ab. Auch die evangelische Kirche zeigte sich interessiert. Inzwischen gehören Vertreter der Mühlberger Kirchengemeinde zum ökumenischen Betreiberverein.
Hintergrund:
Anfang der 1990er Jahre gab es in der katholischen Kirche Überlegungen, in der Region Torgau / Bad Liebenwerda ein geistliches Zentrum zu schaffen. Zugleich suchte die Stadt Mühlberg als Eigentümerin des Klosterareals nach Möglichkeiten, die Zisterzienserinnenkirche und zugehörige Gebäude zu sanieren und zu nutzen. Der Magdeburger Bischof Leo Nowak konnte Mitstreiter beim Claretinerorden, einer im 19. Jahrhundert in Spanien gegründeten Gemeinschaft, gewinnen. 2000 kamen die Claretiner nach Mühlberg. Das Bistum Magdeburg schloss mit der Stadt einen Pachtvertrag über die gotische Backsteinkirche und weitere Gebäude des 1539 säkularisierten Klosters ab. Auch die evangelische Kirche zeigte sich interessiert. Inzwischen gehören Vertreter der Mühlberger Kirchengemeinde zum ökumenischen Betreiberverein.
Mehr Infos: Pater Ansgar Schmidt CMF, E-Mail: ansgar.schmidtCMF@t-online.de

