21.09.2017

3. Ökumenischer Kirchentag Vorpommern

Ein Fest der vielen Christen

„Jetzt ist die Zeit der Gnade“ war das Motto des 3. Ökumenischen Kirchentags Vorpommern, der am vergangenen Sonnabend in Greifswald stattfand. Diese Gnade zeigte sich bunt, vielfältig und sonnig.


Der Eröffnungsgottesdienst auf dem Greifswalder Markt (oben). Ein buntes Geschehen mit vielen Gesichtern: Impressionen vom Ökumenischen Kirchentag Vorpommern in Greifswald (Seite). | Fotos: Anja Goritzka, Cornelia Klaebe

 

Rund 2000 Besucher sollten beim 3. Ökumenischen Kirchentag Vorpommern (ÖKT) die Gnade Gottes erfahren. Dazu hatten viele Gemeinden unterschiedlicher Konfessionen aus ganz Vorpommern – Evangelische, Katholische, Alt-Lutherische, Evangelische-Freikirchliche aber auch Apostolische – unterschiedliche Angebote vorbereitet: Von einem Anfangsgottesdienst auf dem Marktplatz über einen Markt der Möglichkeiten gleich um die Ecke vorm Pommerschen Landesmuseum bis hin zu Vorträgen und Diskussionen über Gnade weltweit oder die Reformation und deren Auswirkungen.
Auch ein mittlerweile sehr beliebter Kinderkirchentag durfte wie 2011 und 2014 nicht fehlen. Rund um die katholische Kirche St. Joseph konnten die Kleinsten dem Gleichnis der Arbeiter im Weinberg an 16 Stationen nachspüren, indem sie selber Apfelsaft pressten, einen Weinstock stempelten oder Weinkörbe bastelten. Als Höhepunkt trat der Liedermacher Daniel Kallauch mit seinem Vogel Willibald auf und brachte die kleinen Besucher zum Lachen.
Für viel Applaus sorgte auch das Stück der Laienspielgruppe „De pommerschen Engelspierken“ über die spätere Ehefrau Martin Luthers Katharina von Bora und ihren Weg ins Kloster. Denn die Reformation konnte dieses Jahr schlecht ausgeblendet werden. Dennoch betonte der evangelische Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern Hans-Jürgen Abromeit, dass der ÖKT vor allem ein Christusfest sei: „Das ist ein besonderes Geschenk und erfahrbare Gnade!“

Werte, Demokratie und Gnadenmomente
Auf die Politik konzentrierte sich dagegen die Jugend: Neben Spiel, Entspannung und Kaffeetrinken stand in ihrem Zelt, das der ­BDKJ Vorpommern gemeinsam mit der Evangelischen Jugend Pommern betreute, die Demokratie im Vordergrund. Bei einer „Wahl“ der Unter-18-Jährigen siegte die CDU klar mit 46,4 Prozent vor den Grünen, die 32,1 Prozent der Stimmen erhielten. Als dritte Fraktion wäre im Bundestag der Jugend noch die SPD mit 7,1 Prozent vertreten. Die Evangelische Akademie der Nordkirche bot zudem ein Grundrechte-Kartenspiel an, das viel Anklang fand: Es schult zwar wie Memory das Gedächtnis, regt aber auch zu einer Werte-Diskussion an und ist deutlich spannender für Größere.
Zufrieden mit dem ÖKT zeigten sich vor dem Abschlussgottesdienst Organisatoren und Gäste: „Wunderbar“ sei das Karaoke-Konzert mit der Band „Patchwork“ gewesen, benannte Moderatorin Bea einen Gnadenmoment, und Pfarrer Andreas Sommer freute sich über eine ältere Dame, die spontan an einer Kirche aus Bierdeckeln mitgebaut habe.
Für den Propst für Vorpommern, Frank Hoffmann von der katholischen Kirche St. Joseph, war von vornherein klar, dass die Weiterführung eines solchen Tages enorm wichtig ist für Vorpommern. „Wo findet man in den letzten Jahren so viele unterschiedliche Christen auf einen Haufen und nicht nur die großen Konfessionen wie die Katholiken oder Protestanten sondern auch kleinere Kirchen“, meinte er. Dennoch war die Organisation des Festes, welches auf eine Idee seines Vorgängers Michael Pietrus zurückgeht, für 2017 enorm schwierig. „Im Konvent wurde früh besprochen, dass die ein­zelnen Gemeinden nicht so viel Zeit investieren können, weil sie mit den jeweiligen Pastoralen Räumen hier oben sehr eingebunden sind“, erzählt er.
Deshalb lag der Schwerpunkt für die Organisation bei der Greifswalder ­Gemeinde. Deren Gemeindemitglieder waren vor allem im Hintergrund tätig: Bei der logistischen Organisation, dem Zusammenstellen des Kuchenbasars, dem Aufbau der Stühle und Bänke für die Gottesdienste oder auch dem Aufbau des Marktes der Möglichkeiten. Durch ihre Hilfe und rund 40 evangelische Pfadfinder aus Schleswig-Holstein konnte ein reibungsloser ÖKT stattfinden. Die Pfadfinder Kevin und Luisa, die ihre Aufgabe anschaulich mit „Logistik und Müll“ beschrieben, waren sich einig: „Wir sind nächstes Mal bestimmt wieder dabei.“

„Die Chancen nutzen, die jetzt da sind“
„Was die Reformation mit uns allen gemacht hat“, darüber sprachen beim 3. Ökumenischen Kirchentag Pastorin Friederike Kirchbach von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Erzbischof Heiner Koch und Pastor Friedrich Schneider vom Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden.
Die Fragen, die zum Teil aus den vollbesetzten Reihen des Publikums kamen, beinhalteten dabei manchmal vorsichtige Provokation: „Wäre es zur Reformation gekommen, wenn der Papst damals Franziskus geheißen hätte?“, lautete eine davon. Erzbischof Koch betonte in seiner Antwort, dass manches anders hätte laufen können, wenn der junge Luther in Rom auf Papst Hadrian VI. getroffen wäre: „Der hat die gleichen Fragen gestellt.“ Doch man habe sie nicht zusammenkommen lassen. „Man kann Geschichte nicht planen, sie kommt nicht wieder. Aber wir müssen die Chancen nutzen, die jetzt da sind“, fordete er auf, den Blick auf die Gegenwart zu richten.
Das taten die Gesprächspartner, indem sie auf die Ökumene der Gegenwart blickten: „Das Wort vom Kreuz verbindet“, betonte Baptist Schneider – obwohl seine Konfession mit der Verehrung von Reliquien und Heiligenverehrung in anderen Kontexten wenig anfangen könnten. Schneider kritisierte, dass die kleineren Kirchen in der Ökumene manchmal außen vor blieben: „Als Freikirchen nehmen wir wahr, dass das Reformationsjubiläum in weiten Teilen rein bilateral ökumenisch ist.“ Es sei gut, dass die beiden großen Kirchen „gegenseitig ihre Wunden heilen, aber wir sind außen vor.“

Von links: Die Gesprächsteilnehmer Pastor Friedrich Schneider, Pastorin Friederike von Kirchbach, Erzbischof Heiner Koch. Es moderierte Pastorin Anne Freudenberg. | Foto: Cornelia Klaebe

Friederike von Kirchbach unterstrich die Wichtigkeit, gerade in der Diaspora gute ökumenische Kontakte zu pflegen: „Wir brauchen Freunde, mit denen wir uns abstimmen können.“ Auch bei Schwierigkeiten sei es wichtig, miteinander zu sprechen: „Manchmal treten wir uns auf den Schlips, ohne das zu merken.“ Sie plädierte dafür, sich in Zeiten rückgängiger Zahlen nicht zu überfordern: „Wenn wir etwas machen, sollten wir immer auch überlegen, was wir stattdessen lassen.“
Koch forderte abschließend auf, Konflikte nicht überzubewerten: „Eine gute Ökumene ist eine dankbare Ökumene“, fand er. Auch sollten sich mehr Christen in Politik und Gesellschaft engagieren.

Das Musical „Katharina Lutherin“ zeigten „de pommerschen Engelspierken“ im Dom St. Nikolai.

Von Anja Goritzka und Cornelia Klaebe