Diskussionen um Gaucks Privatleben

Ein Bundespräsident in wilder Ehe?

Noch ist der designierte Bundespräsident Joachim Gauck nicht im Amt, schon gerät die neue „First Lady“ ins Visier. Denn mit dem allseits hoch gelobten 72-jährigen Theologen und Bürgerrechtler, der von seiner Ehefrau getrennt lebt, wird wohl seine langjährige Lebensgefährtin mit ins Schloss Bellevue ziehen: die Journalistin Daniela Schadt (52). Von Seiten des Protokolls steht dem nichts entgegen. Aber: Konservative stört die wilde Ehe.

So forderte der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis den Kandidaten auf, seine persönlichen Lebensverhältnisse „so schnell als möglich zu ordnen“ und zu heiraten. Dies liege in Gaucks eigenem Interesse, „damit insoweit keine Angriffsfläche geboten wird“, argumentierte Geis, der dem konservativen Forum Deutscher Katholiken angehört.

Joachim Gauck mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt
auf der Tribüne des Bundestags bei der Bundespräsidenten-
wahl 2010. Damals verlor Gauck. Jetzt dürfte er zusammen
mit seiner Partnerin ins Schloss Bellevue einziehen.

Von SPD und Grünen kam umgehend scharfe Kritik an Geis' Äußerungen. „Ich kann meinem Freund Norbert Geis nur zurufen: halt den Mund“, sagte Dieter Wiefelspütz (SPD) der „Mitteldeutschen Zeitung“. „Das ist eine abwegige Diskussion. Als ob wir keine anderen Sorgen hätten!" „Wie Herr Gauck sein Privatleben lebt, geht niemanden etwas an“, sagte der Grünen-Politiker Volker Beck der Zeitung: „Es bildet einen Teil der Realität ab, dass auch Unverheiratete zusammenleben.“ Das private Leben Gaucks sei nicht ungeordnet, sondern „nur eben anders geordnet“, so der bekennende Homosexuelle. Er erwarte da „Respekt“.

Und auch die FDP verteidigte das Recht des Bundespräsidenten in spe auf einen eigenen liberalen Lebensentwurf. Die Kritik von Geis sei „stillos“, sagte Außenminister Guido Westerwelle. Deutschland sei ein „modernes Land“. Gauck selbst hatte vor der Wahl des Staatsoberhaupts 2010 angedeutet, im Fall seines Siegs wolle er heiraten. „Schnelle Heirat ist ausgeschlossen, spätere nicht unbedingt“, sagte er damals laut Medienberichten. Allerdings ist er wohl noch nicht geschieden. Mit Ehefrau „Hansi“ hat Gauck vier erwachsene Kinder und mehrere Enkelkinder. Die Ehe war nach der Wende zerbrochen; sie hatte offenbar dem Druck des DDR-Regimes auf die Familie nicht standgehalten.

Nachdem ihr Freund in der Bundesversammlung Christian Wulff unterlegen war, meinte Daniela Schadt, die seit zwölf Jahren an Gaucks Seite ist, nun seien Heiratspläne wieder Privatsache. Inzwischen sind sie wieder von öffentlichem Interesse. Doch das Paar hüllt sich noch in Schweigen. Protokollarisch ist der Fall für das Bundespräsidialamt indes klar: „Das Grundgesetz sieht keine 'First Lady' vor“, sagt der stellvertretende Sprecher des Amtes, Martin Schulze. „Allerdings wird sehr wohl erwartet, dass die Partnerin gewisse ehrenamtliche Verpflichtungen wahrnimmt.“ Und das seien nicht wenige. So war Bettina Wulff etwa Schirmherrin des Kinderhilfswerks UNICEF Deutschland; ein Ehrenamt, das auch schon ihre Vorgängerin Eva Luise Köhler innehatte - eines von vielen.

Der Bundestag, der über den Staatshaushalt befindet, habe für die „Frau des Bundespräsidenten“ ein Büro mit Sekretärin und Referenten vorgesehen, heißt es zudem im Präsidialamt. Die „First Lady“ verfügt über ein Budget, Chauffeur und Leibwächter inbegriffen. Für Daniela Schadt wird dies nicht anders sein - verheiratet oder nicht.

Gelassenheit zeigte sich auch die evangelische Kirche: „Das ist Gaucks Privatangelegenheit. Da haben wir uns nicht einzumischen“, sagt die evangelische Berliner Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein. Joachim Gauck sei ein Mensch, dem man keinen unsoliden Lebenswandel nachsagen könne. „Beide werden eine Entscheidung treffen, die gut ist und für sie stimmt. Darauf sollten wir vertrauen.“

Renate Kortheuer-Schüring