12.10.2017

Dompropst Tobias Przytarski im Interview

„2023 müssen wir fertig sein“

In dieser Woche werden 750 Jahre Heiligsprechung der Kathedralpatronin Hedwig von Schlesien gefeiert. Aus diesem Anlass berichtet Dompropst Tobias Przytarski im Interview von seiner Arbeit rund um die Kathedrale.


Dompropst Tobias Przytarski in seinem Büro – zwischen der Büste von Kardinal Bengsch und einem Bild der St. Hedwigs-Kathedrale. | Foto: Cornelia Klaebe


Prälat Przytarski, seit einem Dreivierteljahr sind Sie Dompropst. Haben Sie sich gut in die Aufgabe eingefunden?

Es war eine ganz schöne Umstellung vom Generalvikar zum Dompropst. Zumindest mein Terminkalender ist etwas freier geworden. Und die Aufgaben sind natürlich recht unterschiedlich. Aber jetzt bin ich, denke ich, ganz gut angekommen – auch wenn ich immer wieder überrascht bin, was noch an Themen und Fragen auftaucht, mit denen ich gar nicht gerechnet habe.

Was macht Ihre Arbeit an der St. Hedwigs-Kathedrale aus?

Der Dompropst ist zum einen der Leiter des Metropolitankapitels, das den Erzbischof in wichtigen Fragen berät, über Vermögensfragen mitzuentscheiden hat und nicht zuletzt den Erzbischof wählt. Zum anderen ist das Kapitel, vertreten durch den Dompropst, Dienstgeber für die Mitarbeitenden an der Kathedrale und auch für die Kathedrale und die Lichtenberg-Häuser verantwortlich. Die dritte Aufgabe ist die Zuständigkeit für die Gottesdienste und das geistliche Leben an der Kathedrale. Das vierte ist die Vertretung der Kathedrale bei Veranstaltungen nach außen, gelegentlich auch Vertretungsaufgaben für den Erzbischof. Das fünfte große Thema, das für meinen Wechsel in das Amt des Dompropstes eine wichtige Rolle gespielt hat, sind die Bauvorhaben an der Kathedrale und den Lichtenberg-Häusern. Da wird sicherlich ein Schwerpunkt meiner Arbeit in den nächsten Jahren liegen.

Was sind die überraschenden Aufgaben?

Bis vor kurzem war noch die Domgemeinde für diesen Ort und die Mitarbeitenden verantwortlich. Und es ist gar nicht immer so leicht zu unterscheiden, was Zuständigkeit des Kapitels oder der Domgemeinde ist. Natürlich wurden die grundsätzlichen Verantwortlichkeiten geklärt. Aber es tauchen im Alltag eben doch immer wieder Fragen auf, die man vorher nicht im Blick hatte. Nur ein Beispiel: Liegt die Verantwortung für die Glaubenskurse, die vom Dompfarrer gemeinsam mit Ehrenamtlichen durchgeführt wurden, weiterhin beim Pfarradministrator der Domgemeinde oder beim Dompropst? In diesen und ähnlichen Fragen gibt es immer wieder Abstimmungsbedarf. Da aber mit Monsignore Ulrich Bonin inzwischen ein Domkapitular Pfarradministrator ist, lässt sich vieles auf kurzem Wege klären.

Was können Sie uns sagen zum aktuellen Stand bezüglich des Umbaus der Kathedrale?

Wir haben mit den Architekten in den letzten Jahren den Siegerentwurf weiterentwickelt. Jetzt sind wir in einer Phase, in der es um die behördlichen Genehmigungen geht. Bevor diese nicht vorliegen, kommen wir bei vielen Themen nicht weiter. Das beschäftigt uns derzeit intensiv. Dann gibt es natürlich auch noch Entscheidungen, die für Details getroffen werden müssen: Altarstufe oder nicht? Stühle oder Bänke? … Viele Fragen, die schon in den vergangenen Jahren heiß diskutiert wurden.

Ich werde immer wieder gefragt: Wann geht es denn jetzt los. Können Sie das beantworten?

Da halte ich mich lieber ein bisschen zurück, denn das hängt von vielen Faktoren ab: Wir benötigen behördliche Genehmigungen, wissen inzwischen auch, dass wir bestimmte Aufgaben europaweit ausschreiben müssen. Das alles kostet Zeit. Ich habe bisher auf die Frage nach dem Beginn geantwortet: Nicht vor 2018 – das gilt immer noch. Ich hoffe, in den nächsten Monaten klärt sich da manches.

Und was rechnen Sie, wie lange der Umbau dauern wird?

Im Jahr 2023 begehen wir das 250. Kirch­weihjubiläum von St. Hedwig. Das möchte ich mit Ihnen natürlich in der umgestalteten und sanierten Kathedrale feiern.
Das ist ja eine sehr klare Aussage. In welcher Reihenfolge gehen Sie vor: Erst die Lichtenberg-Häuser oder die Kathedrale?
Wünschenswert wäre, beides gleichzeitig zu machen, weil das ganze Projekt ja eine Einheit darstellt. Die geplanten Maßnahmen im Hof verbinden Kathedrale und Bernhard-Lichtenberg-Häuser, die kann man auch gar nicht ohne weiteres trennen. Und es wäre fatal, wenn wir in der Kathedrale schon vieles fertiggestellt hätten und dann erst mit den Bauabeiten an den Häusern beginnen würden. Danach müssten wir die Kathedrale vermutlich gleich wieder sanieren. Wir versuchen daher, die Bauarbeiten zeitlich parallel durchzuführen.

Wir feiern in dieser Woche das Fest der heiligen Hedwig, der Patronin der Kathedrale. Was kann das Erzbistum heute von seiner Patronin lernen?

Die heilige Hedwig besaß eine besondere Aufmerksamkeit für die Menschen am Rand. So bestand ihr Hofstaat nicht aus vornehmen Leuten, sondern aus Armen. Eine solche Aufmerksamkeit sollten wir auch im Erzbistum pflegen – so wie ja auch Papst Franziskus die Kirche haben möchte. Hedwig tat aber auch viel für die Pflege der Gottesdienste und die religiöse Bildung der Menschen. Sie hatte einen wachen Blick für die Notwendigkeiten ihrer Zeit. Und das sind genau die Aufgaben, die uns Gott auch heute in der Kirche stellt.

Wie weit orientiert sich das Leben um die Kathedrale an Hedwig?

Zur Zeit sind hier im Haus obdachlose Frauen untergebracht. Damit versuchen wir – getreu der Haltung unsere Patronin – einer Gruppe zu helfen, die unter den Obdachlosen oft noch in einer besonders schwierigen Situation ist. Wir bemühen uns auch, an St. Hedwig eine gute Liturgie zu pflegen – und die Umgestaltung bietet dafür geeignete Voraussetzungen. Das Kathedralforum macht seit zehn Jahren viele Angebote für religiöse Bildung und künftig soll auch eine theologische Wissenschaftseinrichtung an diesem Ort arbeiten. Ich denke, dass wir mit diesen Vorhaben im Geist der heiligen Hedwig handeln.

Interview: Cornelia Klaebe