04.03.2015

"Ein lebendiges Bauwerk"

Diskussion zum Umbau der St.-Hedwigs-Kathedrale

Berlin. Der Entwurf für die Sanierung und Umgestaltung der St.Hedwigs-Kathedrale löst verschiedenste Reaktionen aus. Hier können Sie dieses Thema kommentieren.

So sieht der Entwurf für die Umgestaltung der Kathedrale aus. Foto: kna

Bereits Dompropst Prälat Ronald Rother sprach in einem Interview über den Umbau der St.-Hedwigs-Kathedrale. (Das vollständige Interview finden Sie hier.) Auch die Neue Züricher Zeitung bildete sich ein Urteil. Außerdem können auf der Homepage des Erzbistums die Fortschritte beobachtet werden. Doch hier können Sie Ihre persönliche Meinung kundtun und sich an der laufenden Diskussion beteiligen.

Nutzen Sie dafür bitte die Kommentarfunktion.

Kommentare

Gleich in zwei aufeinander folgenden Ausgaben des "Tag des Herrn", Nr. 31 und Nr. 32, wird der Kalender "St. Hedwigs-Kathedrale, Kalender 2017" mit eindeutigen Empfehlungen von Erzbischof Heiner Koch beworben. Seine Worte sind so überzeugt und überzeugend, dass man sie einfach nochmal zitieren muss:
"Der Künstler Matthias Beckmann hat sich intensiv mit der Kathedrale beschäftigt, er hat sie genau betrachtet, hat sich ganz auf den Raum, die Gestaltung und die Menschen eingelassen, die dort Ruhe, Besinnung oder Trost suchen. Der Kalender lädt uns ein, die Kathedrale neu aufmerksam wahrzunehmen, selbst wieder genau hinzusehen und uns damit zu beschäftigen. Monat für Monat aus einer anderen Perspektive ... Matthias Beckmann zeigt uns mit seinem Zeichenstift seine Kathedrale, damit sie immer mehr unsere Kathedrale wird."
Ich verstehe diese Worte so, dass sie nicht nur ein Lob für den Zeichenstift des Künstlers und eine Werbung für ein Produkt des St. Benno Verlages sein wollen. Hier spricht der Berliner Erzbischof als prominenter Freund seiner und unserer Kathedrale in ihrer heutigen Gestaltung, er identifiziert sich mit ihr und empfiehlt uns, sie auch uns zu eigen zu machen. Es sind langersehnte Worte. Die offizielle Entscheidungskundgabe zur behutsamen Sanierung des Gotteshauses dürfen wir nun beruhigt abwarten.
B.Schymalla

Ich denke, ein Problem im Zusammenhang mit dem Umbau von St.Hedwig liegt vielleicht auch an der unschönen Diskussion, die offensichtlich mit großem Eifer darum herum gebaut wird -

nur wenige Mausklicks entfernt.

"Wo zwei oder oder drei in meinem Namen versammelt sind" - könnte da nicht auch dementsprechend diskutiert werden? Mit Respekt und Achtung vor der Position des anderen?

Es geht doch zentral um die Frage, wie wir am Tisch des Herrn zusammenkommen wollen. Diese Frage ist nicht leicht - und die Baugeschichte von St. Hedwig bietet dazu keine einfachen Antworten an.

Stark verkürzt argumentiert...wie wollen wir am Tisch des Herrn zusammenkommen..im jahrelang schwelenden Streit?

Schon seit fast drei Jahren steht das Zentrum der Berliner Diözese, die St. Hedwigs-Kathedrale, zur Disposition. Ein irritierender Umstand, der das Erzbistum belastet.

Im ehrwürdigen Gotteshaus drängt sich seit über zwei Jahren eine Werbeecke in das Blickfeld derer, die in der Kirche Einkehr halten möchten. Ein Holzmodell zeigt, was aus der Kathedrale werden soll. Dieser eindimensionale Entwurf ist banal. Das Kreuz, das für Christus steht, ist in eine Nische verbannt. Im Zentrum ein runder Sockel, der allerlei Nutzung ermöglicht. Die Basis für ein Götzenbild, das goldene Kalb? Wie bei steinzeitlichem Brandopfer umringen Zuschauerplätze in mehreren Reihen die Kultstätte.

Aber Christen möchten, dass der HERR im Mittelpunkt bleibt. Nur ER sollte uns leiten. Das Haus Gottes ist kein Objekt zur Profilierung der Kirche und ihrer Verantwortlichen.
Die Unterstützung oder Führung durch einen Hirten wäre hilfreich. Doch da ist nur Schweigen, keine Kommunikation mit Fragenden.
So tönt nur der Schlachtruf derer, die Veränderung durch „radikale Reduktion“ wünschen: „Wir wollen keine DDR-Katholiken-Gedenkkirche.“ Viele Laienvertreter scharten sich um den Wortführer, ohne dessen irreführenden Spruch zu hinterfragen.

In Deutschland wird die Kirche bisher von den Steuern der Mitglieder mitgetragen. Entsprechend den Verhältnissen und den Hinweisen des Papstes sollten kirchliche Investitionen von Substanzschonung und Sparsamkeit geleitet sein. Das Erzbistum Berlin könnte aus eigenen Mitteln die Kathedrale für ca. 4 Mio. Euro fachgerecht sanieren, technisch ertüchtigen und zukunftsorientiert weiterentwickeln.
Ein technisch unnötiger Umbau für mindestens 43 Mio. Euro ist dagegen nur durch fremde Geldgeber zu finanzieren. Wenn externe Interessenvertreter mit ihren Wünschen das Handeln der Kirche bestimmen, sind Steuergaben der Gläubigen nicht mehr sinnvoll. Aufrichtige Christen werden entsprechende Zeichen setzen. Jesus sagte: „Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen.“ Wir müssen uns entscheiden.

Fortdauernde Vernachlässigung der Bischofskirche, Spaltung der Gemeinden, Wachsendes Desinteresse der Christen und der Gesellschaft - Es sind schon viele Schäden durch die Diskreditierung der Kathedrale eingetreten.
Dennoch hoffen Gläubige noch immer, dass der Heilige Geist die geistige Vakanz beenden wird.
Ein Bekenntnis zur Bistumstradition und zu Erhalt und Weiterentwicklung der bestehenden Kathedrale tut not.

Der Umbau der alten Tante Hedwig ist dringend Notwendig.
Viele Reden von Denkmalschutz ,aber wie sieht der Innenraum aus?
Was ist da Denkmalschützend Wert? Ich selbst gehe öfters zu den Gottesdienste und ärgere mich über den Zustand wie die Kathedrale von Innen aussieht. Die neuen Entwürfe, da kann man Geteilter Meinung sein, doch eine Veränderung muss kommen, eine Totalsanierung muss aber in diesem Sinne nicht sein. Ein Hochaltar, neue Kirchenbänke und frische Farbe würde gänzlich reichen. Jetzt Ähnelt die Kathedrale eher einen Bahnhof mit katholischen Inhalt.
Der Berliner Dom hat es geschafft ohne großes Aufsehen sich wieder in seiner Vollen Pracht zu Zeigen und ein Anziehungspunkt zu werden.
Unsere Kathedrale ist eher das hässliche Entlein ,leider.
Architekten Clemens Holzmeister hatte eine gute Lösung für den Umbau von Sankt Hedwig zur Bischofskathedrale 1930/32.Wozu also neue Entwürfe??
Ich hoffe das es zu einer Guten und Preiswerten Lösung kommt
in diesem Sinne
eine gesegnete Zeit

Korn

„Für die Sanierung der St. Hedwigs-Kathedrale“

Bei der Kollekte am 16. Oktober 2016 sammelt das Erzbistum Berlin in allen Pfarrgemeinden Geld für die Sanierung der Kathedrale. Auch in den vergangenen Jahren ist dafür zu Spenden aufgefordert worden. Was wurde mit den Einnahmen saniert?

„Sanierung“ (lat. für Heilung) repariert und pflegt den Bestand, „Umbau“ entfernt und ersetzt ihn. Die Begriffe stehen für unterschiedliche, ja gegensätzliche Baumaßnahmen. Wir können nur hoffen, dass das Erzbistum mit der Kollekte ein Zeichen gegen die bisher vertretenen Umbaupläne der Kathedrale setzt. Wie sollte das Erzbistum im Falle eines Umbaus der Kathedrale den Spendern, die sich sonst zurecht getäuscht fühlten, die gutgläubig anvertrauten Geldbeträge zurückerstatten?

Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale und Bischofsresidenz auf dem Limburger Domberg
Das kirchliche Bauvorhaben in Limburg, das in der Presse kritisiert wurde, hatte einen intelligenten, zielstrebigen Bauherrn und hochqualifizierte, stilsichere Planer.
Beim geplanten Umbau der St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin ist vieles anders. Gefährdungen durch Baugrund und Grundwasser, Zeitverzögerungen, Kostenexplosion und öffentliche Blamage müssen bei der Berliner Großinvestition höhere Mächte verhindern.

Nachdem die Domgemeinde erfolgreich aus ihrer Eigentümerposition gedrängt wurde, kann nunmehr die Zerstörung gesamtdeutschen Kunstwerkes und Denkmals – hier Innenraum – durch den "Kölschenklüngel" mit Unterstützung aus NRW und Westberlin erfolgen!
Nochmals: es gibt weder theologische noch sachliche zwingende und überzeugende Gründe zur Zerstörung bzw. zum Umbau! Aber es gibt Gründe zur Sanierung, Reinigung,Trockenlegung und dem Erhalt etc.
J.-M. Susa

Erzbischof Dr. Heiner Koch wird am 1. November, dem Allerheiligentag, in einem Hirtenwort seine Entscheidung zur Zukunft dieser, aus gutem Grunde unter Denkmalschutz stehenden, Kathedrale endlich öffentlich verkünden!!
In zwei Beiträgen (1.4. / 2.8.) habe ich meine Gedanken als einfache westdeutsche Gläubige – aufgrund sehr persönlicher Erlebnisse mit bekennenden Katholiken zu DDR-Zeiten –  erläutert! Das Verhalten der Verantwortlichen und der Ablauf des Geschehens haben mich tief getroffen! Meine Solidarität gehört den Gläubigen, die sich für eine preiswerte Sanierung einsetzen, um damit ein deutliches Zeichen in diesen sehr schwierigen Zeiten zu setzen!

Der vom Erzbistum Berlin propagierte Umbau der St. Hedwigs-Kathedrale wird verunklärend oft als „Sanierung“ bezeichnet. Der kostspielige radikale Umbau wäre ein Zeichen für eine Selbstbezogenheit der Leitung des Erzbistums, die auf äußerliche Wirkung bedacht ist.

Der unnötige, nur formalen Zwecken dienende Umbau der intakten Kathedrale würde zum Symbol:
Der Inhalt der „Kirche“ wird entsorgt (Andacht, Demut, Nächstenliebe) – die Hülle wird aufpoliert, ein schickes, angesagtes Image gesucht.
Meinen Deutsche Bischofskonferenz und Erzbistum Berlin so stärkeren Einfluss in Politik und Gesellschaft erkaufen zu können? Will die Kirche in der Börse des Marktes und der Marken mit hohem Einsatz auftrumpfen?

Gäbe die Katholische Kirche Dutzende Millionen aus für den Tempel ihrer selbst, verriete sie damit die Ideale ihres Stifters, Jesus Christus. Es wäre Gotteslästerung.

Heute wurde entschieden, die St. Hedwigs-Kathedrale in der jetzigen Ausgestaltung "wegzuwerfen", weil sie nicht mehr gefällt (de facto gibt es kein anderes Argument). Es ist schon absurd: hier verwendet man Unsummen, um ein als störend empfundenes Loch im Boden zu schließen, während anderswo (Nursia!) nicht einmal mehr ein Dach überm Kopf vorhanden ist!
Statt dem verwöhnten Wunschdenken der Gremien zu folgen, hätte ich mir von Erzbischof Koch ein verantwortlicheres Machtwort gewünscht. Man kann natürlich hoffen, dass dieser Umbau in langer Zukunft eine positive Ausstrahlung erzeugt.
Kurz- und mittelfristig wird sich das ganze aber zu einem finanziellen und ideellen Klotz entwickeln, der dem Erzbistum heftig am Bein kleben wird.

Liebe Mitleser,

nicht ohne schmerzhaftes Befremden habe ich die "kämpferischen" Kommentare hier, auf der Homepage der Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale, im angehangenen Blog gelesen und verstehe den Schmerz im Gesicht des Erzbischofs als er in seiner Vorrede zum Hirtenwort auf die Erbitterung zu sprechen kam, mit der die Auseinandersetzung um den gepanten Umbau geführt wurde.

Den Erzbischof mit Walter Ulbricht gleichzusetzen ist diffamierend, der offizielle Aufhänger ist die Aussage über den anstehenden Mauerbau - aber suggeriert wird das Parallelbild eines Mannes, der Kirchen sprengen lies. Und Dr. Koch das zu unterstellen ist schlicht diffamierend. Wie in meinem früheren Kommentar zu lesen, hätte ich mir auch eine "kleinere Lösung" gewünscht - aber es gibt eine andere Entscheidung und sie wird gut sein.

Zumal alle auf die Kathedrale starren und das Bernhard-Lichtenberg-Haus völlig aus dem Focus gerät. Dort wird "im Windschatten der Kathedralsanierung" eine Umgestaltung geschaffen, die z.B. das Katheradralforum als seelsorgerischen Ort aufwertet und für diese wichtige Arbeit am Nächsten einen eigenen Raum schafft - und sich diese Kernkompetenz der mitmenschlichen Begegnung nicht wie bisher in den vorgegebenen Raum hinein anpassen muß - sondern die Aufgabe den Raum gestaltet. Wir erreichen die Menschen auch in Zukunft nicht dadurch, daß wir sie sogleich in unsere neugestaltete Katheradale zum Pontifikalhochamt mitnehmen, sondern durch das Gespräch, die gemeinsame Zeit und das liebevolle Vorbild, das wir in dieser postmodernen Kälte als Ärgernis den einen, wider die Vernunft für die anderen geben.

Was ich mir wünsche, ist ein Entkrampfung der Kommunikation, wieder in ein miteinander und nicht gegeneinander Sprechen zu kommen. Für viele scheint der Umbau ein Kreuz zu sein, weil sie liebgewonnes verlieren werden. Welche Diskussionen wird es in Erfurt wegen des Doms gegeben haben, als weiland ein modernen Barockhochaltar den Blick auf die großartigen Fenster versperrte?

Mit dem Umbau nach 2018 rückt der Altar noch stärker in die Mitte des Raumes und auch damit das Altarsakrament, das Christus selber ist und darum schart sich die Gemeinde - bedrängt in einer Zeit, in der Katholiken sich nicht mehr trauen am Arbeitsplatz ihren Glauben zu bekennen, weil sie deshalb ihren Vertrag wohlmöglich nicht verlängert bekommen.

Und da gibt sich mir ein anderes Bild als dieses, daß das Kreuz "in einer Nische" hinge, wie unten geschrieben. Wenn ich also über den Altar auf das Kreuz in die Sakramentenkapelle in der Sichtachse innerlich schaue, so denke ich an die Worte der heiligen Gertrud:

"Immer wenn wir auf das Kreuz schauen, kommt vom Kreuz etwas auf uns zurück."

...und schaue ich von der Sakramentenkapelle aus hinauf zum Kreuz über dem Altar, so fällt mir das Chrysostomoszitat ein: "Das Kreuz wie ein Krone tragen."

Gelobt sein Jesus Christus!

Ihr
Christian Pichmann

christian.pichmann@web.de

Sehr geehrter Herr Pichmann,

auf den Anfang Ihrer Meinungsäußerung
(KOPIE:"Liebe Mitleser,
nicht ohne schmerzhaftes Befremden habe ich die "kämpferischen" Kommentare hier, auf der Homepage der Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale, im angehangenen Blog gelesen und verstehe den Schmerz im Gesicht des Erzbischofs als er in seiner Vorrede zum Hirtenwort auf die Erbitterung zu sprechen kam, mit der die Auseinandersetzung um den gepanten Umbau geführt wurde möchte ich antworten:")

möchte ich antworten:

Ich kann Ihnen und den Mitlesern versichern, dass der BLOG nicht von den "Freunden der St. Hedwigs-Kathedrale " geschrieben wird!
Der Schreiber des BLOGs hat den "Freunden der St. Hedwigs-K..." erlaubt Informationen aus dem BLOG zu übernehmen!
Zu gern ordnet die Bistumsleitung den Blog mit seine "kämpferischen" Kommentaren den "Freunden der St. Hedwigs-Kathedrale" zu, um so die "Freunde..." zu diskreditieren und Ihre Argumente für den Erhalt der jetzigen Innengestaltung nicht zur Kenntnis zu nehmen.

J.Manderla - Gründungsmitglied der "Freunde der..."

Der Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, hat seine Entscheidung zum Umbau der denkmalgeschützten St. Hedwigs-Kathedrale am 1.11.2016 verkündet! Es ist leider nicht gelungen, die beiden "Lager" noch auf einen dritten sehr mühseligen gemeinsamen Weg der behutsamen Erneuerung zu bringen! Mein Gebet war in dieser Hinsicht vergeblich und Wunder geschehen äußerst selten!
Wir sollten uns jetzt nicht gegenseitig "Entgleisungen" in der Wortwahl vorwerfen! Das Friedensgebet des Hl. Franz von Assisi kann uns die Kraft geben, dies nicht zu tun!!! Eine in meinen Augen, gerade wegen sehr persönlicher Erlebnisse mit bekennenden Katholiken vor der Wende in Ost-Berlin, sehr traurige Entwicklung hat ihr Ende gefunden! Zum zweiten Mal muss ich daher schreiben: Das Verhalten der Verantwortlichen und der Ablauf des Geschehens über mehrere Jahre haben mich als einfache Gläubige vom Niederrhein tief getroffen! Das Hirtenwort lässt inhaltlich Einiges vermissen! Es wäre hier noch viel zu sagen, aber all dies lege ich vertrauensvoll ins Gebet!!! Die Gottesmutter Maria möge die weitere Entwicklung durch ihren Schutz begleiten! Die Hl. Hedwig von Schlesien und der selige Bernhard Lichtenberg mögen uns helfen! Es ist völlig normal, dass sich aufgrund dieser weitreichenden Entscheidung fachlich fundierter Widerstand ergeben wird!

Schade, mit dieser Entscheidung wurde eine große Chance vertan.
Hier hätte die Kirche zeigen können, dass sie zwar auf einem Fels gebaut ist, aber eben nicht aus Fels besteht. Hier hätte man zeigen können, dass für die Kirche im 21. Jahrhundert Inhalte wichtiger sind als Steine.
Ich hätte mir gewünscht, dass der Bischof diese Umbaupläne großmütig vom Tisch fegt, die Kathedrale in der jetzigen Form als gegeben hinnimmt, für wenig Geld saniert und sich dann den wirklich wichtigen Fragen und Problemen zuwendet, nämlich den Inhalten dessen, was verkündet wird. Es ist aus meiner Sicht nicht die "Caritas", die der Kirche zum Problem wird (ihr Engangement in diesem Bereich ist glaubwürdig und wird überall so wahrgenommen), auch nicht die Liturgie (die sich auf 2000 Jahre Tradition berufen kann), sondern es ist elementar die Theologie, die offensichtlich nicht mehr überzeugt. In allen Gesprächen, die ich führe, wird die große Ratlosigkeit erkennbar, wenn es darum geht, die theologischen Aussagen mit einer aufgeklärten Weltsicht zu vereinbaren. Das ist die Schnittstelle, an der sich viele von der Kirche abwenden, vermutete Maßlosigkeit im Umgang mit Finanzen sind dann nur noch willkommener Anlass, der Kirche endgültig den Rücken zu kehren.
Wie soll katholische Kirche im 21. Jahrhundert aussehen, in Versöhnung mit einer säkularen, naturwissenschaftlich geprägten Gesellschaft? Möchte sie eine offene Kirche für viele oder ein geschlossener Kreis für wenige (fanatisch?) Überzeugte sein? Das nur als Beispiel für spannende Fragen, den man sich gerade hier in Berlin stellen kann und muss. Dazu bedarf es aber einer Wirkung nach außen durch das Wort, durch Einlassung in Diskurse, etc. Eine Stärkug der Akademie, von mir aus auch mit zusätzlicher Lokalität im Lichtenberghaus, wären dafür viel nötiger. Es wäre wünschenswert, wenn Berlin sich zu einem Ort entwickelt, von dem aus Theologie in intellektueller Schärfe neue Impulse entwickelt, die nach außen strahlen. Stattdessen wird nun diese Baugeschichte innerkirchliche Debatten beherrschen und die Finanzierung zu unnötigem Ballast werden. Und wozu das ganze? Für eine Gestaltung der Kirche, die an Banalität kaum zu überbieten ist! Ein Raum, konzentrisch um die Mittelachse gestaltet, mit höchster Symmetrie und damit größtmöglicher Langeweile. Jede 08/15 Autobahnkapelle ist anspruchsvoller gestaltet. Und nochmal, wozu? Damit sich manche darin wohler fühlen können? Ist das ein ernstzunehmendes Argument?
"Kathedralen des 21. Jahrhnderts", das sind neuerdings die Flughäfen, die Bürogebäude von Apple und Google etc., das werden die Bauten sein, die in hundert Jahren als Dokumente der Zeitgeschichte bestaunt und besichtigt werden, nicht die Kirchenbauten. Daher ist es müßig aus der St. Hedwigs-Kathedrale eine solche machen zu wollen. Hier hat man sich von Herrn Zogmeier einen Floh ins Ohr setzen lassen.

Ich möchte nur ganz kurz schreiben, weil ich nur selten nach St. Hedwig komme und auch das Thema nie in seiner Tiefe beackert habe.
St. Hedwig ist für mich bis dato die Kirche mit dem Loch in der Mitte. Eine große Anziehungskraft geht von diesem Kirchinneren für mich leider auch nach wiederholten Besuchen und Lektüre des Kirchenführers nicht aus. (Ganz anders z.B. vom Kirchinnern von Herz-Jesu in Mitte oder St. Ludwig im Westen).
Die Mitte des Raumes, das ist eigentlich die Stelle für den Altar.
Ich gebe zu, ich bin mit einer solchen schönen - allerdings modernen - Rundkirche in Homburg/Saar - Sankt Fronleichnam - aufgewachsen.
Mit dem Umbau des Innenraums unserer Bischofskirche ginge für mich ein heimlich seit Jahrzehnten gehegter Herzenswunsch in Erfüllung. (Bei der Bestuhlung könnte man ja noch ein wenig zur Mitte hin zusammenrücken.)
Viele Grüße und schöne Adventszeit
Stephan Hoffmann

Mit viel Interesse verfolge ich als nicht Berliner-Diözesan die Umgestaltung der Hedwigs-Kathedrale. Ich bin schon irritiert und es wundert mich sehr, wie so ein Vorschlag durchgehen kann. Es mag zwar dadurch mehr Raum gewonnen sein, wenn das "Loch" zu ist, aber auf welche Kosten?
Der Altar in der Mitte – gut, hier sollen wohl die neusten liturgischen "Erkenntnisse" umgesetzt werden. Tisch des Brotes und des Wortes auf Augenhöhe mit den Gläubigen. Dadurch wird der Zelebrant eher verdeckt, also ist nicht so sichtbar für die Gläubigen, nur für die in der ersten Reihe. Also mehr Gemeinschaft, im Stuhlkreis sitzen, Mahlgemeinschaft. Ich verstehe nicht, das Menschen, die mit der Kathedrale vielleicht wenig zu tun haben, geschweige denn in den Gottesdienst kommen, mehr Gehör geschenkt wird, als den eigenen Gläubigen.
Das "Loch" war keine ideale Lösung, aber es gab doch noch andere Entwürfe, die weniger rational ausgefallen sind als dieser. Also es wurde der gewählt, der am "modernsten" war, zeitgemäß? "Man" schaut sich gegenseitig an. Es soll wohl das Gefühl der Gemeinschaft aufkommen. Mir tut es ein wenig leid für die Gläubigen in Berlin. Man kann nur hoffen, dass wenigsten ein Kreuz oder eine Marienstatue und andere Heilige sichtbar sind und diese nicht in die Krypta "verbannt" werden. Ein Kreuz ohne Korpus? (So wie in der neuen Propsteikirche in Leipzig, ein Kreuz das wie ein Plus ausschaut?) Tabernakel irgendwo? Stuhlkreis (mit gestalteter Mitte, Motto der 80er)! Wahrscheinlich alles weiß, nur keine Farben. Willkommen bei den Protestanten. Schade! Gerade den Diaspora-Katholiken hätte ich mehr gewünscht. Aber vielleicht wollen die Berliner das auch so. Dann wundert man sich, warum Gläubige abwandern, woanderes hin gehen. Bsp. St. Clemens. St. Elisabeth. u.a. Vielleicht erleben sie da eine andere Atmosphäre als den grauen, neutralen Alltag und wo man länger verweilt, als gleich wieder nach den Gottesdienst zu verschwinden, weil die Atmosphäre nichts her gibt! Schade, Schade, die 60er-80er Jahre scheinen noch nicht vorbei zu sein.
Bei so viel Geld hätte man sich doch auch überlegen können, warum die Kuppel (Außen) der Kathedrale nicht wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden könnte. Ich meine, es wäre doch schön, wenn die sogenannte "Laterne" wieder auf der Kuppel ergänzt werden könnte. Es gibt ja auch einen zeitgemäßen Vorschlag eines Architekten. Ich hoffe doch nicht, dass hier wieder Argumente vorliegen, die sagen, das wäre dann zu hoch und würde das Stadtbild verändern. Oder doch? Ich glaub es nicht! Ist doch eine Überlegung wert!
Ich wünsche viel Erfolg und viel Segen von Oben.
Ein Nicht-Berliner, Jürgen Böhm / Ffm

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