11.05.2017

Ausstellung spätmittelalterlicher Plastiken in Eisenach

Die stille Kraft der Heiligen

Beim Betrachten spätmittelalterlicher Plastiken lässt sich eine Brücke in die Glaubenswelt unserer Vorfahren schlagen. Eine Ausstellung in Eisenach stellt die Thüringer Traditionen vor.


Im Kirchenkreis Weimar: Die heilige Ursula und ihre Gefährtinnen. Foto: Ulrich Kneisel

Eine Annäherung an die Geisteswelt des Spätmittelalters zu Zeiten der Reformation ermöglichen die Bilder des Eisenacher Fotografen Ulrich Kneisel. Er machte sich auf den Weg in Museen und Kirchen in ganz Thüringen. Seine Mission: Die Vielfalt und die Schönheit spätmittelalterlicher Plastik im Bild festzuhalten. Derzeit sind Kneisels Bilder unter dem Titel „Aura – Thüringens stille Kraft“ in Eisenach zu sehen. Im Pressetext zur Ausstellung heißt es: „Die großformatigen Arbeiten beschäftigen sich mit der Beseeltheit, die spätmittelalterlichen Bildwerken zu eigen ist. Hat doch diese Kunst in Thüringen ihre ganz eigenständige Ausprägung erfahren. Jedoch erlischt diese Kunstfertigkeit mit all der ihr innewohnenden stillen Kraft mit der Reformation.“

Alltagskultur findet sich in den Werken wieder
Dennoch verbleiben gerade in Thüringen eine große Zahl von Altären und Einzelfiguren in den nun evangelischen Kirchen. „Bekannt ist, dass Martin Luther zwar die Anbetung der Heiligen ablehnte, nicht aber grundlegend ihre bildliche Darstellung, um biblische Geschichte und Glaubensinhalte auch dem des Lesens nicht kundigen Gläubigen zu vermitteln.“ Heute helfen die Bildwerke, die damalige Glaubenspraxis zu verstehen. Sie schlagen Brücken in die vorreformatorische Zeit. Bedeutsam ist die Verbindung zur Alltagskultur, übernahmen doch die Bildschnitzer viele Details – so Mode und Haartracht – aus dem Leben der damals lebenden Menschen.
Ursprünglich waren die Figuren ganz praktische sakrale Objekte. Sie gaben der Liturgie den Rahmen und regten zu Besinnung und Gebet an. Im 19. Jahrhundert wurde ihr hoher künstlerischer Wert entdeckt. Als Kunstgut fanden die mittelalterliche Plastiken ihren Weg  in  die Museen. Das Thüringer Museum zu Eisenach beispielweise verfügt über den umfangreichsten Schatz dieser Art im Freistaat. Die Eisenacher Sammlung gründet immerhin auf einer Idee des Weimarer Ministers Johann Wolfgang von Goethe. Damit ist für die Wartburgstadt der Anspruch verbunden, sich des Themas der Kunst und der Kultur des Mittelalters immer wieder anzunehmen. Die Fotoausstellung „Aura“ reiht sich in diese Bemühungen ein. Im Pressematerial heiß es. „Das Reformationsjubiläum bietet eine hervorragende Chance, das historische Erbe in moderner Form neu zu betrachten und für dessen Pflege zu werben.“

Fotograf Ulrich Kneisel stand die Kulturwissenschaftlerin Juliane Stückrad zur Seite. Beide nahmen den reichen Bestand an Plastiken im Thüringer Museum Eisenach zum Ausgangspunkt ihres Projektes. Kneisels Fotografien richten den Blick auf die regional einzigartige Ausprägung dieser Kunst, die sich in ganz Thüringen findet. Das wurde bislang  in keiner großen Ausstellung unternommen. Die künstlerische Freiheit ermöglichte es zudem, dass Ulrich Kneisel seinen Blick auf Details richten konnte, denen er besonderen Raum einräumt. So wird eine heute fremde Welt des Glaubens in den Bildfindungen der Schnitzer erfahrbar. Über die ästhetische Betrachtung hinaus,  richtet die Schau einen Blick auf  das Geistes- und Alltagsleben des Spätmittelalters. Begleitende Texte zeigen die kunsthistorische, volkskundliche und theologische Dimension auf.

Thüringer Museum Eisenach am Markt, bis 9. Juni Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr