12.10.2017

In Löcknitz hilft kirchliches Projekt beim Zusammenwachsen

Deutsch-polnisches Miteinander

Entlang der Grenze in der Oder-Region siedeln sich auf deutscher Seite verstärkt Polen an. In Löcknitz hilft ein kirchliches Projekt beim Zusammenwachsen. Jetzt wurde ein Fest gefeiert.


Deutsche und polnische Lieder und Tänze gehörten zum Kulturprogramm des Löcknitz-Festes. | Fotos: Angela Kröll


„Die Oderregion ist eine große Lerngemeinschaft“, sagt Berlins Erzbischof Heiner Koch. „Hier lernen Deutsche und Polen, Katholiken, evangelische Christen und Ungetaufte wie sie miteinander leben können.“ Besonders deutlich wird das in Löcknitz, einer deutschen Gemeinde nur 25 Kilometer von Stettin (Szczecin) entfernt. Seit Inkrafttreten des Schengener Abkommens 2007 vollzieht sich hier eine gewaltige Veränderung: Zahlreiche Polen ziehen nach Löcknitz. Hier gibt es – im Vergleich zu Stettin – relativ preiswerten Wohnraum. Von den rund 3200 Einwohnern sind 575  Polen. Das wirkt sich nicht nur auf die Kommune aus – es gibt einen deutsch-polnischen Kindergarten und ein deutsch-polnisches Gymnasium. Die Volkshochschule bietet Sprachkurse an ...

Miteinander über Grenzen hinweg fördern
Auch in der Pfarrei – Löcknitz gehört zu Pasewalk – macht sich die Veränderung bemerkbar. Hier ist inzwischen über die Hälfte der Mitglieder polnischer Herkunft, berichtet Klaudia Wildner-Schipek. Sie betreut seit Anfang des Jahres das vom Erzbistum Berlin initiierte und vom Bonifatiuswerk geförderte Projekt „Glauben ohne Grenzen“. Aufgabe ist es, „das Miteinander über Grenzen hinweg und die Vernetzung von Menschen mit einer ähnlichen Einstellung in wesentlichen Fragen des Lebens“ zu fördern, wie es in der Projektbeschreibung heißt. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dann auch in anderen Orten entlang der deutsch-polnischen Grenze nicht nur im Erzbistum Berlin, auch im Bistum Görlitz eine Hilfe sein.
Die neu enstandene Vielfalt und das wachsende Miteinander in der Region um Löcknitz waren jetzt Grund, ein Fest zu feiern. Unter dem Motto „Löcknitz Zukunft. Ein Fest. Eine Region. Viele Ideen“ hatte Klaudia Wildner-Schipek dazu eingeladen. Unterstützung gab es von vielen Partnern aus der Region, aber auch vom Erzbistum Berlin und vom Caritasverband, der im Pastoralen Raum Pasewalk-Hoppenwalde mit seinem Projekt „Caritas rund um den Kirchturm“ aktiv ist.
Eröffnet wurde das Fest mit einem deutsch-polnischen Gottesdienst in der evangelischen Kirche von Löcknitz. Hier finden seit einem Jahr wieder regelmäßige katholische Sonntagsgottesdienste statt, nachdem die Pfarrei Löcknitz in den 1970er Jahren wegen der zurückgehenden Katholikenzahlen  als Gottesdienst-Ort eigentlich aufgegeben hatte. Den Gottesdienst leitete Erzbischof Koch zusammen mit seinem Stettiner Amtsbruder, Erzbischof  Andrzej Dziega. Beide betonten, dass ein gutes deutsch-polnisches und ökumenisches Miteinander alternativlos sei.

Der Kabarettist Steffen Möller (links) im Gespräch mit Klaudia Wildner-Schipek vom Projekt „Glauben ohne Grenzen“ und dem Löcknitzer Bürgermeister Detlef Ebert.

Nach dem Gottesdienst gab es rund um den Löcknitzer Burgturm ein buntes Fest, das über 500 Teilnehmer anlockte. Es gab ein Konzert der „Brass Band Schnaftl Ufftschik“ aus Berlin. Die Kinder der Kindertagesstätte „Randow-Spatzen“ und ein Musik- und Tanzensemble aus Police sangen und tanzten. Der Schauspieler Steffen Möller führte mit einem kabarettistischen Kurzprogramm in die deutsch-polnische Mentalität ein und befragte im anschließenden Talk am Burgturm Vertreter von Kirche und öffentlichem Leben nach ihrer Sicht des Miteinanders in der deutsch-polnischen Grenzregion und ihren Hoffnungen für die Zukunft.

Von Matthias Holluba