16.03.2016

Serie zur Fastenzeit: Der Orden der Zisterzienser

„Der ruhige Gott beruhigt alles“

Eisleben. Im Kloster St. Marien in Helfta stehen die Spiritualität der Zisterzienser und die Mystik der heiligen drei Frauen im Zentrum. Ein Gespräch mit  Schwester Katharina Gutlederer.

Schwester Katharina Gutlederer aus dem Kloster Mariastern-Gwiggen am Bodensee lebt seit acht Jahren im Kloster St. Marien in Helfta (Eisleben). Es war die erlebte Fröhlichkeit der Schwestern, die sie ermutigte, den Weg als Zisterzienserin zu gehen. Foto: Holger Jakobi

„Welche der drei heiligen Frauen vom Kloster Helfta spricht sie besonders an?“ Schwester Katharina Gutlederer überlegt und nennt Mechthild von Hackeborn. „Mechthild hat das Lob Gottes über alles gestellt. Sie war eine zutiefst positiv eingestellte Frau, die Gott mit allen Sinnen gesucht hat. Sie erfuhr, dass ein wacher Mensch die Stimme Gottes schon heute in allem vernehmen kann und nicht erst im Himmel. Alle fünf Sinne waren für sie eine Brücke zu Gott.“ Mit Mechthild von Hackeborn, Mechthild von Magdeburg und Gertrud der Großen wurde Helfta im Mittelalter zu einem Zentrum der Frauenmystik. An diese Tradition knüpft die Neugründung 1999 an.

 Eine Freude der Schwestern, die ansteckte
 Schwester Katharina stammt aus Vorarlberg in Österreich und gehört zum Kloster St. Mariastern-Gwiggen am Bodensee. In Helfta lebt sie seit neun Jahren als Gast. Warum ist sie Zisterzienserin geworden? Schwester Katharina lächelt. „Als junge Frau wurde ich von einer Freundin eingeladen, nach Gwiggen zu kommen. Was ich da erlebte, war so weit weg von meinen Vorstellungen. Es waren so fröhliche Frauen, die ich dort antraf.“ Diese Freude steckte an und Maria Gutlederer entschloss sich, ihren Weg als Zisterzienserin zu gehen. Im Noviziat lernte sie dann die Helftaer Frauenmystik sowie die anderen großen Autoren des Ordens kennen. Allen voran den heiligen Bernhard von Clairvaux, den größten Ordensvater. „Bernhard ist eine Brücke, die uns mit den evangelischen Christen der Lutherstadt Eisleben und überhaupt mit allen evangelischen Christen verbindet. Er hat sehr biblisch geschrieben, die Bibel oft zitiert.“ Schwester Katharina erzählt, dass der Heilige einen gewissen Hang zur Maßlosigkeit, auch im geistlichen Leben, hatte. „Das ist menschlich. Bernhard musste – ganz im Sinne der Benediktsregel – lernen, Maß zu halten.“

Innere Distanz und klare Sicht auf die Dinge
Ein hilfreiches Bernhardszitat?  Die Zisterzienserin verweist auf einen Satz auf einem kleinen Stein, der sich auf dem Klosterfriedhof befindet: „Der ruhige Gott beruhigt alles.“ Es ist ein Zitat, das den beiden verstorbenen Priorinnen von Kloster Helfta, Assumpta Schenkel und Agnes Fabianek, besonders wichtig war. Der heilige Bernhard drückte darin vielleicht auch aus, dass er immer darunter gelitten hatte, das Kloster in verschiedenen Angelegenheiten verlassen zu müssen. „Nur in der Meditation und im Gebet fand er die innere Ruhe, die er brauchte, um selber im Frieden zu leben und anderswo Frieden zu stiften. Das ist eine Erfahrung,  die alle Brüder und Schwestern in benediktinischen Ordensgemeinschaften machen. Es geht um die innere Distanz, die klare Sicht auf die Dinge.“ Wesentliches Merkmal der Spiritualität der Zisterzienser ist das Chorgebet, das Lob Gottes in den Psalmen. Das Leben der Klöster richtet sich an der Regel des heiligen Benedikt aus, die vielen Christen Hilfe ist. Zudem ist die Spiritualität der Zisterzienser unverzichtbar marianisch.

Hintergrund
Die  Zisterzienser benennen sich nach dem ersten Kloster, das in „Cistercium“ in Frankreich im Jahre 1098 gegründet wurde. Auf französisch heißt dieser Ort heute „Citeaux“. Die Zisterzienserinnen und Zisterzienser sind benediktinische Ordensleute, die nach der Regel des heiligen Benedikt leben. Als großer Ordensvater gilt der heilige Bernhard von Clairvaux (1090 bis 1153), Gründer ist er jedoch nicht. Das Kloster St. Marien wurde 1229 gegründet und 1258 nach Helfta verlegt, wo es sich zu einem Zentrum der Mystik entwickelte. 1342 wurde das Kloster zerstört und nach Eisleben verlegt. Nach Einführung des Luthertums (1542) wurde es aufgelöst. 1994 wird das alte Areal Kirchenbesitz und das Kloster wird in der Folge 1999 neu gegründet. Zudem ist Helfta heute das geistliche Zentrum der Katholischen Frauengemeinschaft (KFD).

Übungen zur Spiritualität
Schwester Katharina Gutlederer ermutigt dazu, die Einfachheit immer wieder neu in den Blick zu nehmen. Was beispielsweise nicht heißt, auf moderne technische Errungenschaften zu verzichten. Vielmehr komme es darauf an, so die im Kloster Helfta lebende Zisterzienserin, sich seine Bedürfnisse nicht von außen diktieren zu lassen. „Sie können sich immer wieder fragen: Brauche ich das jetzt?“ Wichtiger als Konsum ist die Frage nach dem, warum wir in der Welt sind. Wer eine Beziehung zu Gott und seinen Mitmenschen entwickelt, für den werden die neuesten und äußeren Dinge  zweitrangig, ist sich Schwester Katharina sicher.
Die Zisterzienser gründeten sich im  zwölften Jahrhundert, um ein
einfaches, maßvolles Leben nach dem Evangelium zu führen. Ihre Klöster sollten eine „schola charitatis“, eine Schule der Liebe sein. So folgten sie Jesus nach.

Von Holger Jakobi