16.03.2017

Gelübde bei den Missionarinnen Identes

Der Durst nach Heiligkeit

Sie sind bereit, alles zu lassen für ein Leben mit Gott: Susanne König und Josephin Guhl von den Missionare Identes legen ihre Gelübde ab. Zum katholischen Glauben und in die Gemeinschaft hatten beide einen weiten Weg.

Weihen ihr Leben Gott: Schwester Susanne König (links) und Josephin Guhl. | Foto: Cornelia Klaebe


Sie kommen aus ostdeutschen Kleinstädten, waren ursprünglich nicht katholisch und vertrauen besonders auf Maria: Es gibt viele Gemeinsamkeiten bei Schwester Susanne König und Josephin Guhl von den Missionarinnen Identes. So wirkt es auch stimmig, dass sie am gleichen Tag ihre Gelübde ablegen: Schwester Susanne die ewigen, Josephin Guhl die ersten.
Schwester Susanne König wuchs in der sächsischen Kleinstadt Geithain in einer lutherischen Familie auf. „Der Weg zur katholischen Kirche reicht zurück bis in meine Jugendzeit“, erzählt die 1976 Geborene. Nach ihrer Konfirmation sei sie oft in die katholische Gemeinde gegangen, habe sich dort engagiert: „Maria hat mich fasziniert. Sie vermittelte mir ein Gefühl von Geborgenheit und Heimat, das hat mich angezogen.“

„Es ging darum, welcher Weg mich zu Gott führt“
Aber zunächst blieb es bei der bloßen Faszination. Erst 2002, als Susanne König auf dem Weg in ihre Studienstadt Frankfurt (Oder) war, sollte sich durch ein Gespräch am Bahnhof Friedrichstraße alles in Bewegung setzen. Susanne König erinnert sich an die ersten Besuche in Fürstenwalde: „Am Anfang war es Interesse, ja auch wieder diese Faszination. Als der Präsident der Gemeinschaft einmal zu Besuch kam, war ich beeindruckt von der Art, wie vertraut er mit Gott umgeht.“
Nach weiteren Gesprächen folgte bei Susanne König die Erkenntnis: Gott ruft mich. „Die Frage ‚Wofür soll ich mein Leben geben?‘ ließ mich nicht mehr los“, erzählt sie. 2004 folgte die Konversion zum katholischen Glauben. „Es ging mir dabei nicht um besser oder schlechter, sondern welcher Weg mich näher zu Gott führt“, erzählt die Ordensfrau, die mittlerweile im Erzbischöflichen Ordinariat arbeitet und gerade ihre Doktorarbeit in Geschichte verteidigt hat. Anfang 2005 trat sie in die Gemeinschaft ein und legte im Oktober 2007 die ersten Gelübde ab.

Jemand sagte: „Ich werde dich nie allein lassen“
Diesen Schritt hat Josephin Guhl nun vor sich. Auch die 1994 Geborene und in Fürstenwalde Aufgewachsene hat ihren persönlichen Weg zum katholischen Glauben erst finden müssen. In ihrer Kinder- und Jugendzeit prägte sich in einem Moment eine besondere Erfahrung ein: „Ich habe in mir gespürt, wie jemand sagte: Ich werde dich niemals allein lassen.“ Über das Gefühl, das das in ihr auslöste, habe sie mit niemandem gesprochen. Von Gott habe sie nichts gewusst. Erst Jahre später habe sie von einer Klassenkameradin, die den Religionsunterricht besuchte, von Gott gehört – und sofort gewusst, dass er es war, der damals zu ihr gesprochen hatte. „Jedes Jahr an meinem Geburtstag habe ich mir vorgenommen, mich dieses Jahr taufen zu lassen.“
Sie musste jedoch noch lange warten. Erst als sie mit 19 Jahren zur Erholung von einer Krankheit an der Ostsee war, kam das Bewusstsein: Ich möchte katholisch werden. Während des Katechumenats nahm sie an Einkehrtagen der Missionare Identes teil – und fing Feuer. „Ich spürte den gemeinsamen Durst nach Heiligkeit und die Liebe zu Christus“, erklärt sie. „Das war es, was ich mein Leben lang gesucht habe.“ Nicht einmal zwei Monate nach ihrer Taufe im Mai 2014 trat Josephin Guhl in die Gemeinschaft ein. Sie studiert mittlerweile Religionspädagogik an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen.
Beide Frauen sind dankbar, dass ihre Eltern hinter ihnen stehen – auch wenn sie den katholischen Glauben nicht teilen. Sie sind sich einig: „Das ist für uns ein großes Geschenk.“

Die Gelübdeablegung erfolgt in einer Messe mit Erzbischof Heiner Koch am 25. März um 10 Uhr in der St. Hedwigs-Kathedrale.

Zur Sache: Wer sind die Missionare Identes?
Die Gemeinschaft der Missionare Identes wurde 1959 vom Spanier Fernando Rielo Pardal gegründet, der später weitere Gründungen wie die Idente Jugend vornahm. Die Gemeinschaft erhielt 2009 die päpstliche Anerkennung als neue Form des geweihten Lebens. Sie besteht aus einem männlichen und einem weiblichen Zweig, die nach den evangelischen Räten Armut, Keuschheit und Gehorsam leben. Dazu kommt die Idente Familie. Das Charisma der Gemeinschaft gründet auf der Berufung zur Heiligkeit nach Mt 5,48: „Seid heilig, wie euer himmlischer Vater heilig ist.“ Auch Mission ist für die Gemeinschaft bedeutsam, das Gespräch mit denen, die den Glauben verloren haben, die Verteidigung des Lehrstuhls Petri und der Dialog zur Wissenschaftswelt.
Weitere Infos: www.idente.org

Von Cornelia Klaebe