Anstoss 51/2011

Den Helden spielen

Seit wenigen Wochen läuft ein spannender Science-Fiction Thriller in den Kinos: „In Time - Rechtzeitig“.

Der Film spielt in einer Zukunft, in der nicht mehr Geld, sondern Zeit die Währung darstellt. Zeit ist tatsächlich Geld: Ein Kaffee kostet vier Minuten, eine Busfahrkarte zwei Stunden, ein Auto der Marke Jaguar 58 Jahre. Das alles ist deswegen so geregelt, weil die Menschen durch einen genetischen Eingriff ab ihrem 25. Lebensjahr biologisch nicht mehr altern. Allerdings gibt es einen Haken an der Geschichte: Jeder trägt eine implantierte Digitaluhr an seinem Unterarm, die das eigene Lebenszeitkonto anzeigt. „Geschenkt“ bekommt jeder Mensch die ersten 25 Jahre seines Lebens. Danach beginnt die Uhr zu ticken und man muss sein Zeitkonto füllen. Ist die Zeit verbraucht, sterben die Menschen. Um zu überleben hat man drei Möglichkeiten: Man verdient sich zusätzliche Zeit durch Arbeit und geht möglichst sparsam damit um, man bekommt sie geschenkt, oder stiehlt sie anderen einfach. Wie auch immer: Der Blick der Menschen im Film kommt nicht mehr von der Uhr los, das Leben wird zur einzigen Hetze.
Das alles sind Umgangsweisen mit Zeit, die gut bekannt sind. Jeder kennt die Erfahrung Zeit geschenkt zu bekommen oder auch das Gegenteil: Es gibt Menschen, die sich als wahre Zeitdiebe gebärden, einen aussaugen. Der Versuch Zeit zu sparen dürfte auch wohl vertraut sein. Gerade in der fortgeschrittenen Adventszeit sind diese Verhaltensweisen alltägliche Begleiter: Weihnachtsgeschenke müssen gekauft werden, eine Weihnachtsfeier reiht sich an die andere, die Weihnachtspost liegt noch unerledigt da und auf den Weihnachtsmarkt möchte man schließlich auch nochmal. Zeit muss also gut geplant und organisiert werden. Möglichst viele Dinge sollten in möglichst kurzer Zeit erledigt werden. Wie störend wirken da unerwartete „Zwischenfälle“: Die volle Stadt, in der man nicht wie geplant ins Parkhaus kommt. Im Stress vergessene Erledigungen, wegen derer man die ganze Tour nochmal machen muss. Ein ungeplanter Anruf eines Freundes, der jetzt unbedingt eine halbe Stunde sprechen möchte, obwohl ich doch gerade los wollte.
Wie gut, dass der Film „In Time“ sich nicht nur darum dreht, möglichst viel Zeit zu sparen und ängstlich darum bemüht zu sein, das eigene Lebenszeitkonto immer wieder gut aufzuladen. Der Film handelt nämlich auch von zwei Menschen, die in einer heldenhaften Robin-Hood-Manier den Mut haben, die Zeitdiktatur zu durchbrechen. Sie durchbrechen die ewige Jagd nach Zeit, erhalten dadurch Zugriff auf einen beinahe unbegrenzten Zeitvorrat und schenken sie an „Zeitbedürftige“ weiter. Die wiederum geben als Beschenkte die geschenkte Zeit an andere weiter. Spielen Sie doch in der Adventszeit einfach mal den Helden.
Pater Bernhard Kohl OP, Dominikaner-Kloster St. Albert in Leipzig