01.04.2014

Das Schweigen der Glocken

Was hat es mit dem Verstummen der Glocken am Gründonnerstag nach dem Gloria und ihrem Wiederläuten in der Osternacht auf sich? B. L., München

Glocken (und Orgel) sollen am Karfreitag und Karsamstag schweigen. Das ist leicht nachzuvollziehen: Leiden und Tod Jesu verbieten jubelnde Glocken. Früher erklangen die Glocken bei verschiedenen Gottesdiensten am Gründonnerstag zum letzten Mal, etwa bei der „Missa Chrismatis“, der Weihe der heiligen Öle. Später rückte das Verstummen auf den letzten Gottesdienst am Gründonnerstag, meist die Abendmahlsmesse. Um es zu betonen sollten die Glocken nicht nur zum Gottesdienst rufen, sondern währenddessen noch einmal lautstark erklingen: zum lobpreisenden Gloria.


So ist es bis heute, obwohl Liturgiewissenschaftler die Praxis kritisieren. Ist es denn angemessen, fragen einige, ausgerechnet bei dieser Messe Einsetzungsworte und Kommunion so verhalten zu feiern? Sie plädieren eher dafür, nach dem Schlussgebet, wenn der Altar abgeräumt, der Tabernakel geleert und das Allerheiligste übertragen wird, Glocken und Orgel verstummen zu lassen. Denn diese Stelle, so das Argument, sei der eigentliche liturgische Bruch, der Beginn der „Karfreitagsstimmung“.

Dass die Glocken zum Gloria in der Feier der Osternacht neu erklingen, hat auch einen historischen Grund: Wir empfinden heute die Osternachtmesse als eine einheitliche Feier. Eigentlich sind es aber zwei: die alte „Vigilfeier“, die ursprünglich die ganze Nacht hindurch dauerte; und die Auferstehungsmesse zum Sonnenaufgang. Das Gloria ist genau die Stelle, wo beide Teile aufeinanderstoßen. Deshalb ist das Läuten zum Gloria ursprünglich der Ruf zur Ostermesse nach der Vigil.


Weil das heute aber nicht mehr erkennbar ist, machen einige Liturgiewissenschaftler den Vorschlag, das Wiedereinsetzen von Glocken (und Orgel) auf das Halleluja vor dem Evangelium zu legen, denn hier, beim Jubelruf vor der Verkündigung der Auferstehung, läge der eigentliche Höhepunkt der Feier. Und das werde durch das prächtige Gloria gefühlsmäßig fast verdrängt.

Von Susanne Haverkamp