29.06.2015

Drei deutsche Erzbischöfe erhalten Pallium

Das Schaf im Nacken

Man stelle sich vor: Die deutschen Erzbischöfe Stefan Heße, Heiner Koch und Kardinal Rainer Maria Woelki würden vom Papst ein Schaf bekommen, das sie fortan über den Schultern tragen sollten. Heute passiert genau das in Rom - allerdings nur symbolisch: Gemeinsam mit 43 weiteren neuen Erzbischöfen erhalten sie von Franziskus das Pallium.  

 

Am Fest der Heiligen Agnes segnete Franziskus die Lämmer, aus deren Wolle die Pallien hergestellt wurden. Foto: kna-bild

Anlass für diese Zeremonie ist wie jedes Jahr das katholische Hochfest Peter und Paul. Die Gräber der beiden Apostel Petrus und Paulus befinden sich der Überlieferung nach in Rom. Wer wissen will, was es mit dem Schaf im Nacken auf sich hat, erhält die Antwort in Rom in der Priscilla-Katakombe, im Baptisterium der Lateranbasilika und vielen anderen Orten: Der gute Hirte ist eine der beliebtesten Darstellungen Jesu im frühen Christentum. Pate stand das Gleichnis Jesu vom verlorenen Schaf, das der Hirte sucht und schließlich wiederfindet.

Das Pallium ist daher weit mehr als ein modisches Accessoire. Dahinter steht eine theologische Botschaft: Bischöfe sollen zu ihren Schafen, den Gläubigen in den Bistümern, wie der gute Hirte im biblischen Gleichnis sein. Vom Papst wird es verliehen, um daran zu erinnern, dass die Bischöfe mit Rom verbunden sind und Anteil an seinem Hirtenamt haben. 
 

Drei Erzbischöfe aus Deutschland erhalten das Pallium

Erzbischof Heiner Koch
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Erzbischof Stefan Heße
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Kardinal Rainer Maria Woelki
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Noch nie bekamen drei deutsche Erzbischöfe auf einmal das Pallium. Für Kardinal Woelki ist es sogar schon das zweite Mal. Das erste erhielt er bereits 2012 von Benedikt XVI., nachdem er im Juli 2011 zum Erzbischof von Berlin ernannt worden war. Heiner Koch, seit Januar 2013 Bischof von Dresden-Meißen, wurde vom Papst vor zwei Wochen an die Spitze des Erzbistums Berlin berufen. Stefan Heße, vormals Generalvikar des Erzbistums Köln, ernannte Franziskus im Januar zum Erzbischof von Hamburg. 

Nicht jeder Erzbischof bekommt automatisch ein Pallium. Es ist den sogenannten Metropolitan-Erzbischöfen vorbehalten. Das sind jene, die einer Kirchenprovinz vorstehen. Das trifft für den größten Teil - in Deutschland derzeit für alle - residierenden Erzbischöfe zu. Dort gibt es sieben Kirchenprovinzen. Zu einer solchen Kirchenprovinz zählen mehrere Bistümer, für die der Metropolit eine Aufsichtspflicht hat. Getragen wird die Wollstola zu festlichen Gottesdiensten in seiner Kirchenprovinz. 
 

Pallium als Modestück unter Philosophen

Ursprünglich hat das Pallium nichts mit Religion zu tun.
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Ursprünglich hatte das Pallium nichts mit Religion, Kirche und Hirten zu tun. Zunächst wurde damit ein mantelartiger Überwurf bezeichnet, der im antiken Rom vor allem unter Philosophen Mode war. In der Spätantike war das Pallium dann ein Hoheitsabzeichen für Beamte des Römischen Reichs. Es wurde anfangs offenbar auch dem Papst vom Kaiser verliehen. Der Papst seinerseits verlieh es an hervorragende Bischöfe. Seit dem 9. Jahrhundert ist es das Hoheitszeichen aller Metropolitan-Erzbischöfe. 

Die zwei Lämmer, von denen die Wolle für die Pallien für die 46 neuen Erzbischöfe am Montag stammen, sind dem Papst persönlich bekannt. Sie werden ihm traditionell am Fest der heiligen Agnes, am 21. Januar, im Vatikan vorgeführt und erhalten seinen Segen. Für den Rest sorgen die Benediktinerinnen von Sankt Cäcilia im römischen Stadtteil Trastevere: Die Ordensfrauen weben aus der Wolle der beiden Lämmer jedes Jahr die Pallien. 

Erstmals findet die Verleihung des Palliums am Montag nach einem geänderten Zeremoniell statt. Franziskus legt den Erzbischöfen das Pallium nicht mehr selbst um; er überreicht es ihnen nur noch. Das Umlegen übernehmen später die päpstlichen Botschafter in den betreffenden Ländern im jeweiligen Bistum. Damit solle die Bindung der Metropolitan-Erzbischöfe an ihre Ortskirchen stärker hervorgehoben werden, wie der Vatikan mitteilte. Zudem sollten dadurch mehr Gläubige die Gelegenheit bekommen, an diesem "bedeutsamen Ritus" teilzunehmen. 
 

kna