31.08.2017

Anstoss 35/2017

Das Salz in der Suppe

Eine mit Kerzen erleuchtete Kapelle ist für einen Christen nichts Ungewöhnliches. Ebenso normal ist es, dort auch einen Ort zum Ablegen von Fürbitten zu finden sowie Lichter, die für diese Anliegen leuchten.


Außergewöhnlich wird es dann, wenn sich solches in einem Museum befindet. Und es ist erst recht etwas Besonderes, wenn es sich in diesem Museum nicht als alt oder überlebt darstellt, sondern die altehrwürdigen Räume für heute mit Leben füllt.
Dieser besondere und zudem schöne Ort befindet sich Memleben, im untersten Zipfel Sachsen-Anhalts. Dort steht eine Klosterruine mit Museum in der durchaus der Eindruck entstehen darf: Glauben ist etwas sehr Lebendiges. Vielleicht gelingt dies gerade deswegen so gut, weil die Museumsmacher keine Christen sind. So können sie frisch und frei an Themen wie Tod, Sterben, Glauben und Ewiges Leben in Himmel und Hölle herangehen. In einem Teil der Ausstellung findet sich gar eine Seelenwaage. An dieser ist amüsant und besinnlich zugleich zu erkennen, wohin es die Seele zieht, gen Himmel oder runter in die heiße Unterwelt. Memleben ist ein liebevoll kreativ gestaltetes Kloster und wird schnell zu einem Ort an dem die Fragen des Glaubens zu tiefst aktuell werden. Weil diejenigen, die diese Ausstellungswelt gestalten, das offene Fragen nicht verlernt haben. Und mit diesen Fragen scheuen sie auch nicht den Kontakt zu den Benediktinern, die ja schließlich Klosterprofis sind. Mit ihnen stehen sie mittlerweile in regem Kontakt. Mit der Frage: „Kloster ohne Glauben – Suppe ohne Salz“ laden sie den Benediktinerabt aus Münsterschwarzach und den Magdeburger Bischof am 7. September zum Podiumsgespräch ein und sind dabei gespannt, was rauskommt.
In Memleben wundert’s keinen mehr, dass es mit einer Vesper in der Krypta startet. Ganz nebenbei entsteht hier ein ganz eigenes Klima für modernes geistliches Leben und Fragen. Die im Museum geschriebenen Fürbitten werden übrigens alle paar Wochen nach Münsterschwarzach geschickt, die Benediktiner dort nehmen dann all diese Bitten mit in ihr Gebet. Im Kloster Memleben leben zwar keine Mönche mehr, aber die Suppe dort ist schon ziemlich gut gewürzt!

Guido Erbrich, Biederitz