10.08.2017

Sommerserie 2017

Das Kreuz: Dir sei es Kraft …

Teil 5 der Tag des Herrn-Sommerserie zu Ausflugszielen ist den Spuren des Deutschen Ordens in Thüringen und Sachsen gewidmet. In Weimar ist die Herderkirche ein solches Zeugnis ebenso wie Wechselburg an der Mulde.


Die evangelische Herderkirche in Weimar, die Ende des 15. Jahrhunderts vom Orden gebaut wurde. Fotos: Holger Jakobi

 

Der Deutsche Orden – die Brüder vom Deutschen Hause St. Mariens in Jerusalem – ging aus einer während des Dritten Kreuzzuges 1190 vor Akkon im Heiligen Land gegründeten Hospital-Bruderschaft hervor, einer Stiftung von Kaufleuten aus Bremen und Lübeck. Nach dem Vorbild von Templern und Johannitern erfolgte 1198 die Umwandlung in einen geistlichen Ritterorden, dessen Mitglieder den mönchischen Gelübden von Armut, Gehorsam und Keuschheit verpflichtet waren. Neben militärischen Aufgaben blieben Krankenpflege und Armenfürsorge wichtige Schwerpunkte seiner Tätigkeit. Priesterbrüder betreuten Pfarreien und wirkten in Mission und Seelsorge.

Zschillener Kreuz war für den Orden bedeutsam
In Mitteldeutschland bestand die Ballei Thüringen. Neben der Betreuung der reisenden Ordensangehörigen lag hier der Schwerpunkt im Sozialen und in der Seelsorge. Erste Niederlassung war Halle. Sie bestand von 1200 bis 1511. Gefördert wurde die dortige Kommende St. Kunigunde durch die Edlen von Querfurt und die Erzbischöfe von Magdeburg. Nach Weimar kam der Orden 1284 mit der Übernahme des Patronatsrechts. An der Ostwand des Chores erinnert eine Steintafel an den Beginn der Bauarbeiten für die noch heute stehende Kirche, datiert mit 1498. Über der lateinischen Inschrift finden sich drei Wappen. Schlüssel und Schwert weisen auf die Patrone Peter und Paul hin, das Kreuz auf den Orden und das W auf Weimar.

Eine der beiden Grabplatten in der Wechselburger Stiftkirche zeigt den Komtur Conrad von Bellersheim, der Zschillen vorstand.

Mehrere Spuren finden sich im Wechselburg, der einstigen Kommende Zschillen. 1278 übernahm der Deutsche Orden das Stift der Augustiner-Chorherren. Die Kirche wurde gotisch eingewölbt. Ein Schlussstein zeigt das Hochmeisterwappen, ein anderer das des Ordens. Zudem haben sich zwei Komtur-Grabplatten erhalten.  Bei der Übernahme mussten die Brüder Kompromisse eingehen. So durften beispielsweise Mehreinnahmen nicht an die Zentrale des Ordens – damals Venedig, ab 1309 Marienburg (Malbork) und ab 1454 Königsberg (Kaliningrad) – abgeführt werden. Vielleicht war es das Patronat zum heiligen Kreuz, das Zschillen für den Deutschen Orden so bedeutend machte.
Das Kreuz – seine Verehrung, seine Annahme, sein Tragen – ist die zentrale Grundaussage der Spiritualität des Ordens. Der heutige Hochmeister Bruno Platter betont: „In spiritueller Hinsicht wusste und weiß sich der Orden dem Kreuz Jesu Christi verpflichtet, das er als Zeichen in seiner besonders charakteristischen Form trägt und das ihn stehts auf Jesus Christus verweist.” (Der deutsche Orden in Geschichte, Ideologie und Wirkung – historische Symbole, erschienen 2010 in Allenstein / Olsztyn).

Schutz der Schwachen und Zivilcourage
In der Aufnahmeliturgie heißt es: „Nimm dieses Kreuz, Zeichen der Liebe Gottes und unseres Ordens. Wenn du dieses Kreuz trägst, bemühe dich, den Menschen ein gutes Vorbild in Wort und Werk zu sein, um damit zu erweisen, dass Gott mit dir und in dir ist. Dir aber sei es Kraft und Stärke im Leben, Trost und Zuversicht im Sterben, Ehre und Ruhm in Ewigkeit.“
Ordenspatrone sind die Gottesmutter Maria, die heilige Elisabeth von Thüringen und der heilige Georg. Später kam die Mystikerin Dorothea von Montau dazu, die in Danzig lebte und am Dom zu Marienwerder als Rekluse lebte. Elisabeth ist Vorbild im Sozialen, Georg steht für die ritterlichen Tugenden: „Schutz der Schwachen, Zivilcourage, Vorbild für tapferes Bekenntnis des Glaubens bis zur Hingabe des eigenen Lebens und für den Kampf gegen alle Mächte und Erscheinungsformen des Bösen.“
Hochmeister Bruno Platter geht in seinem Beitrag weiter auf das Ursprungscharisma des Deutschen Ordens ein. Das Zweite Vatikanische Konzil, so Platter, hatte alle Ordensgemeinschaften dazu aufgerufen, ihr Charisma besonders in den Blick zu nehmen, um die darin liegenden spirituellen Grundlagen neu leben zu können. Am Beginn des Deutschen Ordens steht, so führt der Hochmeister aus, keine starke Gründerpersönlichkeit, kein Heiliger. Die Kaufleute aus Bremen und Lübeck lebten eine Spiritualität von unten. Sie packten an. Er schreibt: „Mit der Not ihrer Zeit konfrontiert, gründen sie das erste Feldlazarett (für Pilger im heiligen Land) aus der Grundhaltung heraus, die auch für uns heutige noch beispielhaft ist: Wie der Samariter aus dem Evangelium tun sie einfach das Nächstliegende. Sie sind mutig und setzen alles ein, als sie aus den Segeln ihrer Schiffe Zelte bauen – denn sie ,verbauen‘ sich damit die Gelegenheit zu schnellem Rückzug vor dem Feind.“ Auf dieser Grundlage habe sich der Deutsche Orden entfalten können und ist in vielen Regionen und Bereichen bis in die Gegenwart tätig geworden.
www.deutscher-orden.de

Tipps: In Plauen 

Das Marienmosaik an der Ordenskirche auf der Marienburg (Malbork) in Polen wurde im Jahr 2011 wieder an alter Stelle angebracht.

An der evangelischen Johanniskirche in Plauen (Vogtland), einer Kirche des Ordens, grenzt der Komturhof an. Einem Verein ist es gelungen, die übrig gebliebene Bausubstanz, das Konventshaus, zu sichern und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das  Konventgebäude wird von Seiten des Landesamtes für Denkmalpflege in Sachsen als überregional bedeutsames Baudenkmal von herausgehobener Bedeutung eingestuft. Heute wird es für verschiedene Veranstaltungen genutzt. Am 19. August um 11 Uhr, musikalische Matinee mit Klavierschülern des Vogtlandkonservatoriums, 17 Uhr Klavierkonzert. 20. August „Das besondere Konzert“ mit dem Pianisten Ray Ghiorgis aus Äthiopien.  Beginn 19 Uhr. Tag des offenen Denkmals am 10. September ab 10 Uhr. www.komturhof.de

Von Holger Jakobi