Die katholische Kirche im deutschsprachigen Raum arbeitet an einem neuen Gebet- und Gesangbuch

Das Ende des alten Gotteslobs

Seit 35 Jahren tut es seinen Dienst – das Gotteslob. Nun soll es durch ein neues Gebet- und Gesangbuch, das auch Gotteslob heißen soll, abgelöst werden. Was bisher an Informationen vorliegt, erfuhren die Teilnehmer der Winterakademie im Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz.

Von Matthias Holluba

Frühestens Ende 2013 wird das neuen Gotteslob eingeführt. Foto: kna

Schmochtitz. Es gehört zu den gut gehüteten Geheimnissen der katholischen Kirche im deutschen Sprachraum: das neue Gebet- und Gesangbuch. Es soll das bisherige Gotteslob ablösen. Seit zehn Jahren wird daran gearbeitet, doch öffentlich ist wenig bekannt. Die Teilnehmer der Winterakademie im Bischof-Benno-Haus Schmochtitz erhielten nun Informationen aus erster Hand. Franz Karl Praßl, der an der Kunstuniversität Graz als Kirchenmusiker und Theologe arbeitet, gehört zu den Beratern der Kommission, die für die Erarbeitung des Gemeinsamen Gebet- und Gesangbuchs (GGB) zuständig ist. Geheimnisse verriet Praßl allerdings nicht: „Sie finden das alles im Internet, wenn auch gut versteckt.“ Praßl bezog sich vor allem auf die Homepage des Deutschen Liturgischen Institutes (www.liturgie.de). Informationen zum neuen Gotteslob gibt es dort unter „GGB“ in der Rubrik „Projekte“.

Das Grundkonzept des GGB hat einen neuen Schwerpunkt: Aufgrund der veränderten Situation in den Gemeinden wird das, was mit priesterlosen Gottesdiensten zu tun hat, ausgebaut. „1975 war das noch nicht einmal eine Frage“, sagt Praßl. Konkret heißt das: Die Tagzeitliturgien nehmen mehr Platz ein und die Wort-Gottes-Feiern finden Aufnahme. Daneben enthält das Buch zahlreiche Anregungen für das private Gebet und das im Familienkreis.

Das GGB wird wie das bisherige Gotteslob etwa 300 Lieder enthalten. Ausgewählt wurden sie aus 5000 Liedern. Eine umfangreiche Umfrage unter katholischen Christen war behilflich. Alte Bekannte werden dabei sein, ökumenische Lieder, Neues – und Altbekanntes, das aber im jetzigen Gotteslob keinen Platz gefunden hatte, etwa Lieder aus dem 18./19. Jahrhundert. Einiges wird wegfallen. Manch Neues Geistliches Liedgut hat sich nicht so durchgesetzt, wie 1975 erhofft, sagt Praßl. Komplett überarbeitet wurden außerdem die Andachten und die Kehrverse. Neu wird sein, dass es neben dem Orgelbuch nun auch ein Klavierbuch geben wird. Viele Gottesdienste werden heute nicht mehr an der großen Orgel begleitet, sondern am Keyboard, erklärt Praßl.

Begonnen wurden die Arbeiten am neuen Gotteslob im Jahr 2001 mit Beschlüssen der beteiligten Bischofskonferenzen. Wann mit der Einführung zu rechnen ist, stehe noch nicht fest, frühestens Ende 2013. Verantwortlich für die Erarbeitung des GGB ist eine Kommission unter Leitung des Würzburger Bischofs Friedhelm Hofmann. Die einzelnen Bistümer arbeiten durch Diözesanbeauftragte mit. Im Tag des Herrn-Verbreitungsgebiet sind das der Riesaer Pfarrer Ludger Kauder, der Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke, der Görlitzer Domkantor Thomas Seyda und der Magdeburger Kathedralmusiker Matthias Mück.

Die äußeren Rahmenbedingungen des neuen Gotteslobs entsprechen nach Angaben von Praßl etwa denen des bisherigen und sind den Möglichkeiten der Buchproduktion geschuldet. Auch das neue GGB wird etwa 900 Seiten Stamm- und 300 Seiten Bistumsteil haben. Die Bistümer im Osten Deutschlands werden keine eigenen Bistums-, sondern einen gemeinsamen Regionalteil haben.

Vor seiner Einführung muss das neue GGB wegen der darin enthaltenen liturgischen und biblischen Texte dem Vatikan vorgelegt werden. Das könnte zu einer weiteren Verzögerung führen, denn eine große deutsche Tageszeitung hat kürzlich berichtet, dass die Aufnahme von Liedern von Huub Oosterhuis nicht unumstritten sei. Oosterhuis war Jesuit und katholischer Priester, hat aber 1970 geheiratet. In einigen niederländischen Diözesen wurden seine Lieder als ungeeignet für die Liturgie befunden. Von Oosterhuis stammen zum Beispiel „Wer leben will wie Gott auf dieser Erde“ oder „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“.

Die Winterakademie ist eine gemeinsame Veranstaltung des Bischof-Benno-Hauses und der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen. Thematisch ging es in diesem Jahr um Musik im Raum der Kirche.

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