Dafür steht mein Zölibat!

Phillip Fuhrmann ist Priesterkandidat und bereitet sich im Priesterseminar Erfurt auf seinen Beruf vor. An dieser Stelle berichtet er gelegentlich darüber:

„Jetzt unter dem neuen Papst wird der Zölibat bestimmt bald abgeschafft. Dann können Sie auch endlich eine Freundin haben.“ – So oder so ähnlich wurde mir oft „Mut zugesprochen“ in den Ferien, als ich zu Hause war und in verschiedenen Gemeinden. Ach ja, die armen Priester und Priesterkandidaten. Was denen doch zugemutet wird durch die Kirche …
Ich weiß immer nicht, wie ich auf so etwas reagieren soll. Es ist bestimmt sehr lieb gemeint, wenn die Gemeinde dem Priester eine Frau wünscht, aber das ist nicht nur sehr unrealistisch, denn auch unter dem neuen Papst wird sich da nichts ändern, es ist überhaupt nicht hilfreich. Als ob uns jemand zwingen würde. Wer sich unbedingt eine Frau an seiner Seite wünscht, soll eben nicht Priester werden. Die Sehnsucht danach löst sich doch nicht mit der Weihe in Luft auf.
Ich kann dem Erfinder des Zölibats nicht immer Blumen vor die Füße streuen, dafür habe ich damit selbst manchmal viel zu sehr zu knabbern. Ich frage mich oft: „Warum in aller Welt?!“ Und über Antworten wie „Das ist viel praktischer“, „Das ist schon immer so“, „Jesus wollte das so“ kann ich nur den Kopf schütteln.
Aber was zeichnet einen Priester aus, wenn nicht gerade sein Zölibat? Wer einfach nur Menschen helfen will, soll Sozialpädagogik oder so studieren, dann hat er wenigstens Ahnung davon. Wer einfach nur den Glauben verkünden will, sollte Religionspädagogik studieren, dann verstehen ihn die Leute vielleicht endlich. Wer als Priester einfach nur schön die Messe zelebrieren will, der soll Kunst- oder Kulturgeschichte studieren und sich als Statist im Museum melden. Wer aber nicht nur all das zusammen tun will, sondern an erster Stelle etwas, was weit darüber hinaus reicht – nämlich lebendiges Zeichen sein für Gottes Allmacht und Liebe – der hat im Zölibat meiner Meinung nach seinen Meister gefunden. Denn genau das ist es: Ein Zeichen, das über uns hinaus zeigt.
Es ist durchaus ein Mangel, mit dem man lebt, eine Herausforderung, die sich jeden Tag neu stellt. Nach menschlichen Maßstäben kann es nicht funktionieren. Und wenn ich mich allein auf meine menschlichen Fähigkeiten verlasse, werde ich scheitern. Aber ich verlasse mich nicht auf mich. Ich verlasse mich auf Gott. Ich glaube daran, dass er das Beste für mich will und dass er sich schon irgendetwas dabei denkt und mich tragen wird. Und wenn es nicht funktioniert, wird er rechtzeitig die Reißleine ziehen. Für dieses gläubige Vertrauen – dafür steht mein Zölibat!


Zur Person: Phillip Fuhrmann ist 1991 geboren und wohnt in Gablenz, das zur Pfarrei Weißwasser im Bistum Görlitz gehört. Für dieses Bistum ist er Priesterkanditat. 2009 hat Phillip Fuhrmann Abitur gemacht. Im Wintersemester 2011 hat er begonnen, in Erfurt Theologie zu studieren.

Kommentare

Lieber Herr Fuhrmann,
so jung und schon so neben der Spur... Sie haben Abitur gemacht, lese ich, Gab es dort auch andere junge Menschen, von dennen Sie profitiert haben, von denen Sie gelernt haben? Oder hatten Sie immer Scheuklappen an den Augen? Warum hat Ihr Gott Ihnen kein sexuelles Gefühl mitgegeben? Oder sagt Ihr Gehirn immer, ich will anders sein als die anderen? Dann aber werden Sie scheitern. Aber denken Sie auch daran, dass es viel gefährlicher werden kann, wenn es Ihnen nicht junge Mädchen und Frauen, sondern Knaben und Männer angetan haben. Flucht ins Zölibat???

Sehr geehrter Fuhrmann,

ich muss schmunzeln angesichts Ihrer mutigen Ausführungen zu den Besonderheiten des Priesterberufs im Vergleich zu anderen Berufen im sozialen, helfenden Umfeld. Wenn nur ein konstitutierendes Merkmal eines katholischen Priesters eine zölibatäre Lebensweise sein soll, so trifft dies auch auf alleinlebende Sozialpädagogen oder verwitwete Kunstkritiker oder auch auf Familientherapeuten(!!!) zu. Und in unserer heutigen Gesellschaft leben in den Grossstädten nahezu 50 Prozent als Singles.

Ich bin leider nicht so bibelfest, da ich mich für einen Berufsweg im technischen Umfeld entschieden habe, aber ich kann etwas praktischerweise zu den "Verlockungen der Frau" beitragen.

Gerade als junger Mann kann man den Stürmen der Liebe in einem Masse ausgesetzt sein, wie man es sich nicht im Vorfeld erträumt hat. Mehr möchte ich hierzu auch gar nicht ausführen.

Im Nachhinein (20 Jahre später) würde ich heute einige Entscheidungen ganz anders treffen. Das hat vielleicht mit der nachlassenden Manneskraft, der Libido, zu tun. Heute sehe ich die Dinge nüchterner und klarer als damals.

Aber ist man als junger Mensch, als den Göttern strotzender Ikarus, schon so altklug?

Ich bin mir sicher, das auch ihr mutiges Commitment, das in der Enklave eines engen und sicheren Studierzimmers abgegeben wurde, bald in der Weite des praktischen Lebens auf die Probe gestellt werden könnte.

Aber selbst wenn Sie die Prüfung nicht beim ersten Mal bestehen sollten, verzweiflen Sie bitte nicht. Auch Petrus wurde dreimal auf die Probe gestellt, und scheiterte. Trotzdem folgte er dem Weg Christi unbeirrt.

Ich kann mich an ein Gleichnis aus der Bibel erinnern, wo man eine Kerze nicht unter dem Tisch entzünden solle, sondern auf einen Leuchter stellen solle, damit das Licht jeden erhelle, der im Raum ist.

Ich wünsche Ihnen auf Ihrem weiteren Weg, das ihre Kerze immer heller brennen wird und auch stärker wird, so dass ein Windstoss ihr nichts anhaben kann.

Michael

Lieber Philipp Fuhrmann. Ich will mich doch noch einmal melden. Der letzte Leserbeitrag war schon ein ziemlicher Schlag unter die Gürtellinie. Aber so sind die Frommen und so waren sie es oft.Ich habe Ihnen jedenfalls in meinem ersten Beitrag "Viel Glück und viel Segen" gewünscht. Dabei soll es bleiben. Wissen Sie, trotz meiner bald 77 Jahre sitze ich noch immer neben jungen Theologen wie Sie auf der Schulbank und finda es ausgesprochen spannend, junge Leute zu erleben. Sie sind es schließlich, die den Glauben weitertragen.Und wie es einmal wird, weiß nur der liebe Gott. Im Christ in der Gegenwart war neulich ein Interview mit Frido Mann, dem Enkel von Thomas Mann. Ich kannte ihn gar nicht, obwohl ich in Weimar das Abitur gemacht habe, aber es war spannend zu lesen. Heute war ich mit meiner frau in Maria Laach zur Vesperhore. Vorher waren wir in der wunderschön gestalteten Buchhandlung. Ich nahm mir das Buch "Das Versagen der Religion" von Frido Mann und setze mich in eine der Leseecken. Ich habe mir dann das Buch gekauft, um es bei mir zu haben.Ich habe es mirangewöhnt, mit einem für mich wichtigen bUCH EINIGE Zeit zu leben. Sie werden dieses Buch in der Bibliothek haben. Ich betrachte es als Pflichtlektüre für jeden jungen Theologos. Frido Mann reflektiert sein Leben und seinen Glauben. Sehr beeindruckend.Ganz in der radition der deutschen Aufklärung.

Nochmals: Alles Gute, einen guten Weg, viel Glück und viel Segen. Sie stehen ja wohl erst am Anfang ihres Weges. Und wenn Sie ohne eine Frau leben wollen, dann tun sie es einfach, Ich habe auch bis 35 Jahre allein gelebt und hatte eine ganz weiße Weste (Sie wissen, was ich damit sagen will).Sie sind nicht der Einzige, der als Single leben will, es gibtsie mittlerweile wie Sand am Meer. Und ich wünsche Ihnen, dass es ihnen wie Paulus gelingt, frei und unabhängig zu werden. IN meinem Alter denkt man manchmal an mögliche Alternativen, das ist halt so. Und dann beschleichen einen die Erinnerungen. Sorry. Es ist alles nicht bös gemeint.

Dieter KITTLAUß

Lieber Phillip Fuhrmann,

es ist beachtlich, dass Sie bereit sind, solche Themen für eine große Öffentlichkeit zu bearbeiten. Sie haben meinen Respekt!

Sie leben nicht im Zölibat!

"Dafür steht mein Zölibat" heißt die vollmundige Überschrift Ihres Artikels. Aber Sie haben doch keinen Zölibat versprochen! Sie sind doch immer noch frei, sich anders zu entscheiden. Leider unterscheiden Sie nicht zwischen Ihrer momentanen Studenten- und Seminarwelt und der Lebenswelt als Priester.

Daher bin ich überrascht, dass Sie urteilen!
Auch die Kunst ist ein Zugang zu Gott, und die "Ars celebrandi" ist für das Leben der Kirche von entscheidender Bedeutung. Es gibt eine hingebungsvolle Liebe an die Liturgie, weil die Messe einfach schön sein muss!

Ich möchte Ihnen ein wenig mehr Zurückhaltung ans Herz legen, was die Frage des Zeichens des Zölibats angeht. Sie leben ihn nicht, weil Sie ihn nicht versprochen haben! Ich glaube, dass haben Sie in Ihren Gedanken vergessen!

Nicht, dass Sie mich falsch verstehen. Ich freue mich, dass sie Priester werden möchten! Aber die Lebenswirklichkeit eines Priester,
und der bin ich seit 25 Jahren, ist Wachsen und Reifen.

Und: die Menschen werden Ihr Leben als Priester und Ihren Zölibat schätzen, wenn sie in Ihnen erleben, dass Sie nicht nur des Wortes mächtig sind sondern auch in Ihren Worten das Ringen und das Vertrauen spüren, dass das Versprechen des Zölibates mit sich bringt!

Sie sind auf dem Weg zum Zölibat!
Vergessen Sie das bitte nicht!

Ein aufmerksamer Mitbruder

Der Dienst des Priesters ist Dienst der Vaterschaft. Wenn man das begreift, versteht man auch den tiefen Sinn des besonderen Bundes mit den Gott, den der Zölibat darstellt. Es handelt sich um einen Bund in der Vaterschaft, der, wenn er im Glauben “voll Hoffnung gegen alle Hoffnung” gelebt wird, sich als außerordentlich fruchtbar erweist: wie Abraham so wird auch der Priester “Vater vieler Völker” (Röm 4, 18) und finden in den Generationen von Christen, die um ihn wachsen, die Belohnung für die Mühen, den Verzicht, die Leiden, von denen sein täglicher Dienst durchwoben ist.(Papst Johannes Paul II. am 24. März 1985 in seiner Predigt bei der Eucharistiefeier in Avezzano während seines Pastoralbesuchs in Fucino und Avezzano.)

Sehr geehrter Herr Kittlaus, ich glaube sie haben nun genug Werbung für ihr Anliegen bzw. ihre Website getan. Reden sie diesem Jungen Mann nicht die Berufung aus!Ich wiederhole mich hier zwar, aber Wer wieder besseren Wissens, einem sich berufen fühlenden jungen Mann, diese Berufung aufgrund des Zölibats ausreden möchte, wird sich eines Tages dafür vor seinem Schöpfer verantworten müssen.
Laudetur Jesus Christus
Michael

Hallo Phillip,

durchaus ein schwieriges Thema. Ich denke das Problem ist das du es zu leichtfüßig angegangen bist. Zölibat ist nicht einfach so... und die Ehe ist nicht einfach so....Beides sind Lebenswege für die man sich entscheidet und zu den man steht oder zumindest stehen sollte. Durch diese Gleichstellung zeigt sich aus das beide Wege gleich leicht und auch gleich schwer zu gehen sind. Beide Formen haben ihre Last zu tragen und ob man es schafft oder nicht hängt nicht alleine an Gott sondern hängt auch sehr stark an mir.

Du sprichst noch verschiedene andere Studiengänge an z.B. Sozialpädagogik in Verbindung mit "einfach nur menschen Helfen". Ganz so leicht ist es leider nicht. Diesen Blickwinkel halte ich für zu arrogant. Theologie ist nicht die all umfassende Weisheit die dich zu einem perfekten Menschen macht. Durch dieses Studium kannst du nicht alles. Außerdem passt das Zusammenspiel von "einfach" und "menschen helfen" gar nicht. Als Sozialpädagoge habe ich eine Form bzw. eine Art Menschen zu helfen, du als Theologe hast dir eine andere Art gesucht Menschen zu helfen. Beide Formen sind gleicher maßen anspruchsvoll und haben ihren Respekt verdient.

Beste Grüße

D.H.

Gottes Segen für ihre Entscheidung und natürlich für ihren weiteren Weg, lieber Phillip Fuhrmann. Wenn ich ihren Beitrag hier lese, preise ich Gott dafür, dass er es möglich macht das es heute noch so junge Burschen gibt die diesen Weg gehen wollen. Lassen sie sich nicht beirren, jede Berufung zum Priester setzt außergewöhnliche Zeichen und wird von mehr Gläubigen positiv aufgenommen, als es manche ahnen wollen. Das Zölibat kann nicht nur eine schwere Aufgabe sein, es kann auch ein Segen für viele Gläubige sein. Wer wieder besseren Wissens, einem sich berufen fühlenden jungen Mann, diese Berufung aufgrund des Zölibats ausreden möchte, wird sich eines Tages dafür vor seinem Schöpfer verantworten müssen. Der Zölibat ist auch ein Segen und Gnadenstron für unsere Katholische Kirche. Lieber Phillip Fuhrmann, wir schließen sie in unser Gebet mit ein und lassen sie es uns Wissen wann ihre Primiz sein wird. Wir kommen!

Heute erscheint in der österreichischen Tageszeitung DIE PRESSE der Beitrag „Papst-Vertraute: Franziskus möchte Zölibat abschaffen“. Die Überschrift lässt den üblichen Sensations-Journalismus vermuten. Doch je länger man den Artikel liest, umso mehr kann man den Eindruck haben, dass hier eine wahre Geschichte erzählt wird. Deshalb will ich diese Geschichte nacherzählen, denn im Internet ist sie ziemlich lang.
Clelia Luro kam aus großbürgerlichem, katholischen Haus, war aber schon frühzeitig von ihrem Mann verlassen worden. Mit ihren sechs Töchtern lebte sie in der brasilianischen Provinz Salta, wo sie die entsetzliche Armut vieler Menschen erlebte und sich ehrenamtlich in den Sozialinitiativen engagierte. In der Hoffnung, eine Anstellung zu finden, zog sie nach Buenos Aires. Sie hatte Glück! Jerónimo Podestá, der Bischof des Industrievorortes Aveillaneda stellte sie als seine Sekretärin ein. Weil sich beide für die Befreiungstheologie und für soziale Reformen einsetzen, kam der Bischof in Konflikt mit der argentinischen Hierarchie und den Generälen. Auf Druck der putschenden argentinischen Generäle und wegen der Beziehung zu einer geschiedenen Frau, erklärte Bischof Podestá 1967 seinen Rücktritt. Nun vertiefte sich seine Beziehung zu Clelia Luro und sie bekannten sich in der Öffentlichkeit als Paar. Erzbischof Helder Camara traute sie. Dies führte 1972 zur Exkommunikation durch den Papst. 1974 wurden die Morddrohungen so massiv, dass sie Argentinien fluchtartig verlassen mussten und in verschiedenen Ländern Lateinamerikas im Exil und in großer Armut lebten. Als 1983 in Argentinien die demokratische Ordnung wieder hergestellt wurde, durften sie nach Argentinien zurückkehren. Aber es kam zu keiner Versöhnung mit der Hierarchie. Weder Papst Johannes Paul II. noch Kardinal Joseph Ratzinger beantworteten einen der vielen Bittbriefe. Doch der Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Mario Bergoglio durchbrach die Isolation. Zum 80. Geburtstag von Jerónimo Podesta empfing er diesen zu einer längeren Audienz; und als dieser 15 Tage später ins Koma fiel, saß er an dessen Bett , hielt dessen Hand und drückte sie. Dann setzte sich der Erzbischof für die Witwe ein, die das frühere Bischofshaus, das allerdings in sehr schlechtem Zustand war, beziehen durfte und per Gerichtsbeschluss die Bischofspension erhielt. Nun wuchs zwischen dem Erzbischof und Clelia Lura eine tiefe Freundschaft. Sie telefonierten regelmäßig und dies auch nach der Papstwahl. Clelia Luro schrieb ihre Autobiographie und veröffentlichte den Großteil ihrer Briefe, darunter auch zwei an Bergoglio. Ihr Lebenstraum, die Abschaffung des Pflichtzölibates für Priester und Bischöfe sprach sie auch weiterhin aus, nachdem Bergoglio Papst geworden war. Aus Angst vor Attentaten und Unruhen hat sie aber den Papst gebeten, die Auflösung des Priesterzölibates nur langsam voranzutreiben. Auf die Bitte Bergoglios hat sie auf den Verband der 100.000 verheirateten Priester Lateinamerika eingewirkt, dass kämpferische Aktionen in der Öffentlichkeit für ein Jahr unterbleiben.
Dieter Kittlauß, Studienabschluss in Erfurt 1961
Bendorf /Rhein Webseite: www.bendorfer-lehrhaus.de
Mail: dieter,kittlauss@online.de

Ich freue mich immer wieder ,wenn junge Priesteramtskandidaten so unverdorben "ran" gehen; mögen sie ihren Optimismus N I E verlieren !
Gerne würde ich mit Herrn Fuhrmann in 10 Jahren über "seinen" Zölibat
sprechen!
Dem Faszinosum Gott tritt das gottgeschaffene Faszinosum Frau an die Seite:intelligent,hilfsbereit,gepflegt,unaufdringlich,duftend,
religiös,liberal!Sie ,diese Frsu,signalisiert Sympathie für den Zölibatär!Der Priester hat erste Erfahrungen mit der kühlen Welt von Bischof&Co erlitten."Mitbrüder"?Invidia clericalis? Alleingelassen in Krankheit und Einsamkeit?"Das Amt" drückt; die Blumen der Primiz sind längst entsorgt!Die Freude,Priester zu sein,wird zur Pflicht,
Schule,Jugend,Messdiener,Frauen, Senioren,Krankenhaus,KAB- und Koplpingpräses, Dienstbesprechungen ,Kommunion- und Firmvorbereitung,
Kindergarten,Verwaltungsräte,Pfarrgemeinderäte,"pastoraler Prozess" ,
etc etc etc.

"Dafür steht mein Zölibat"?
Mal sehen!
Der liebe Gott,der bekannterweise keine Fehler macht ,segne Sie!
W.H.H.

Lieber Theologus Fuhrmann, wenn man so jung ist wie Sie, kann man so einen Beitrag schreiben. Man macht einfach die Augen zu vor den Realitäten und zeigt seine geschwellte Brust. Wissen Sie eigentlich, dass es den Priesterzölibat in der Katholischen Kirche nur für den Lateinischen Rituas gibt und selbst hier nur eingeschränkt, denn es gibt viele Ausnahmen, wie z.B. das eigene Kirchenrecht für anglikanische Gemeinden, Priester und Bischöfe. Aber nichts für ungut, gehen Sie Ihren Single-Weg. Viel Glück und Gottes Segen. Und wenn sich auch bei Ihnen (wie bei zig tausenden Priestern) das "Variatio delectat" in Kopf und Herz ereignet, dann hoffe ich, dass Sie Ihr Leben dennoch gestalten können. Ich habe übrigens 1961 mein Studium in Erfurt beendet. Wenn Sie mehr über mich wissen wollen, schauen Sie auf meine Webseite www.bendorfer-lehrhaus.de
Herzliche Grüße in die wunderschöne Stadt Erfurt
Dieter Kittlauß
Bendorf / Rhein

Sind die römisch-katholischen Priester der unierten Ostkirchen kein lebendiges Zeichen für Gottes Allmacht und Liebe?

"Wer aber nicht nur all das zusammen tun will, sondern an erster Stelle etwas, was weit darüber hinaus reicht – nämlich lebendiges Zeichen sein für Gottes Allmacht und Liebe – der hat im Zölibat meiner Meinung nach seinen Meister gefunden."

1. Nicht der Zölibat ist der Meister, sondern Jesus. Und ihm folge ich auch als verheirateter Mensch nach.

2. Lebendiges Zeichen sein für Gottes Allmacht und Liebe - das versuchen wir gerade als gläubige Christen in unserer Ehe zu leben. Und dazu gehört wenigstens genauso viel Bereitschaft, zu dienen, sich zu engagieren, nicht wegzulaufen, sondern miteinander zu ringen ... Liebe konkret! So wollen wir "Zeichen für Gottes Allmacht und Liebe sein!" Und es schmerzt, wenn Priester meinen, sie leben da mehr!

Bernd Klaasen

Ich selber mache auch diese Erfahrung: als Ordensmann bin ich "mehr-geht-nicht-glücklich", weil ich mir sicher bin, dass es genau das ist, was Gott von mir will. Glücklich ist der Mensch, wenn er Gottes Willen tut. Und wer berufen ist zum gottgeweihten Leben, der ist glücklich im Zölibat. Seine Grundlage hat der Zölibat darin, dass im Priester Christus selber unter den Menschen "zum Anfassen" da sein will. Als anderer Christus ist der Priester schon "vergeben", und zwar an die Kirche, welche die Braut Christi ist. Würde sich der Priester eine Frau nehmen, dann würde er fremdgehen. Ich lebe meinen Zölibat mit großer Erfüllung und darf erfahren, dass ich als Priester in sehr tiefer Weise zur geistlichen Vaterschaft berufen bin, nicht nur für fünf oder sechs Kinder, sondern für hunderte. Diese Selbsthingabe und dieses Dienen als anderer Christus lässt mich Gott jeden Tag danken für das Geschenk meiner Berufung. Br. Leonhard Maier LC

Danke für den schönen und persönlichen Beitrag! Ich verstehe nicht, warum es immer Kritik hagelt, wenn sich jemand zum Zölibat bekennt. Zwar möchte ich widersprechen, wenn der Zölibat als DAS Wesensmerkmal eines Priesters bezeichnet wird. Aber ich bin dankbar für jeden, der sich in dieser außerordentlichen Lebensform mit seiner ganzen Existenz als sichtbares Zeichen vertrauend Gott zur Verfügung stellt! Ein Priester ist nicht durch sein Priesteramt heiliger als andere, aber er ist eine besondere Gabe Gottes an seine Kirche. Und das verdient die volle Unterstützung von uns Laienchristen, denn ich glaube, dass Gott nicht zuletzt durch uns das Vertrauen belohnen will, das ein zölibatär lebender Priester mit der Treue zu seiner Berufung zum Ausdruck bringt. In diesem Sinne: Von Herzen Gottes Segen für Ihren Berufungsweg!

"Wer aber nicht nur all das zusammen tun will, sondern an erster Stelle etwas, was weit darüber hinaus reicht – nämlich lebendiges Zeichen sein für Gottes Allmacht und Liebe – der hat im Zölibat meiner Meinung nach seinen Meister gefunden. Denn genau das ist es: Ein Zeichen, das über uns hinaus zeigt."

Genau das soll doch Jede und Jeder, der Christus nachfolgt. Priestersein ist doch keine Auszeuchnung für etwas "Besonderes"!
Ich denke an die vielen Männer und Frauen, die berufen sind, die die Kirche aber nicht haben will, weil sie nicht auch gleichzeitig den Zölibat leben. Das ist letztlich behinderung des heiligen Geistes.
Ich finde es sehr einseitig, wenn gesagt wird:

"Wer sich unbedingt eine Frau an seiner Seite wünscht, soll eben nicht Priester werden."

Und wenn Gott genau diese menschen möchte?

Freundliche Grüße.

überzeugend! aber woher Wissen wir, dass Gott das Zölibat von seinen priestern erwartet?

Hey,
bei Lesen haben sich mir einige Fragen ergeben, die ich gerne mal dem Autor stellen würde.
lg Tine

Hallo Tine,

dann stellen Sie Ihre Fragen doch hier im Blog. Oder: Schreiben Sie eine E-Mail an tdh@st-benno.de dann leiten wir sie weiter.

Matthias Holluba