Da bleibt die Luft weg ...

Luise Binder (18) aus Leipzig ist seit September Freiwillige der Kolpingjugend-Gemeinschaftsdienste in Tansania. Was sie dort erlebt, darüber berichtet sie hier regelmäßig – heute über die Sorgen in einer Krankenstation.

Kein Geld für weitere Schwestern: Der als Fahrer eingestellte Mathias muss bei den Schluckimpfungen mithelfen.

„How is life?“ Mit dieser Frage nach meinem Wohlbefinden werde ich fast jeden Tag bei einem Besuch in der Krankenstation von Schwester Anjelika begrüßt. Die kleine, dicke Frau in ihrem fliederfarbenen Habit strahlt mich an und ehrliche Freude dringt in mein Herz. Sie leitet die Krankenstation und ist selbst ausgebildete Krankenschwester. Jeden Tag werden von ihr und den Mitarbeitern rund 30 Patienten behandelt.

Schwester Anjelika hat nicht nur mit dem täglichen Kampf gegen HIV und Malaria alle Hände voll zu tun, wie sie mir anvertraut. Die Krankenstation plagen immer stärker finanzielle Probleme. „Unsere Patienten sind sehr arm. Extrem arm“, meint sie und ihr sonst so fröhliches Gesicht nimmt unberuhigend ernste Züge an. „Viele Patienten können die Medikamente nicht bezahlen, also geben wir sie ihnen.“ Als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt, erzählt sie weiter, wie sie von ihrem Gehalt versucht, die nötige Medizin zu bezahlen, doch es reicht nicht.

Im Monat erreichen zwischen 400 und 430 Patienten die Station, davon können 150 nicht die Kosten der Tests, geschweige denn die Medizin bezahlen. Jeden Tag sehe ich die Bemühungen der kleinen Nonne. Im Gegensatz zu vielen Tansaniern achtet sie auf Ordnung in Unterlagen und während der Arbeit. Neben ihrer freundlichen Art mimt sie auch die strenge Chefin und achtet auf Sauberkeit und Pünktlichkeit. Doch trotz ihrer Strenge kann sie die Anforderungen der Regierung nicht voll erfüllen. Diese riefen die Station zu erheblichen Änderungen in der Ausstattung auf. Andere Betten sollen her, es sei zu wenig Luft in den Behandlungszimmern und in der kleinen Apotheke.

Fassungslos versuche ich die mir ans Herz gewachsene Frau zu ermuntern und meine, beim nächsten Kontrollbesuch solle sie die Patienten draußen behandeln, da gibt es genug Luft. Sie lacht herzhaft auf. Die Freude hat sie nicht verloren. Nun habe ich mich entschlossen, Schwester Anjelika und der Krankenstation auch praktisch zu helfen – mit dem Sammeln von Geldspenden. Schon heute bitte ich Sie: Helfen Sie mit, bevor der Station die Luft ausgeht. Genauere Informationen gibt es demnächst an dieser Stelle.  

Luise Binder

Luise Binder hat auch einen Internet-Blog: www.luise-in-tansania.blogspot.com