09.11.2017

Bonifatiuswerk eröffnete in Erfurt bundesweite Diaspora-Aktion

„Unsere Identität: Segen sein“

Das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken eröffnete in Erfurt seine bundesweite Diaspora-Aktion. Die Hilfe erreicht Christen in Deutschland, in Nordeuropa und im Baltikum.


Segenswünsche zum Schluss des Festgottesdienstes. | Foto: Holger Jakobi


Alle getauften und gefirmten Christen sind eingeladen, zum Segen für andere Menschen zu werden, so Erfurts Bischof Ulrich Neymeyr beim Festgottesdienst zum Beginn der aktuellen bundesweiten Aktion des Bonifatiuswerkes im Mariendom zu Erfurt. Aus seiner Erfahrung als Diasporabischof heraus ist der Segen eine Möglichkeit, den Glauben in die Gesellschaft zu tragen.  Neben Bischof Neymeyr standen  Bischof David Tencer aus Reykjavik (Island), Bischof Victor Stulpins aus Liepaja (Lettland), Weihbischof Reinhard Hauke und der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen dem Gottesdienst vor. Die Aktion steht unter dem Thema „Keiner soll alleine glauben. Unsere Identität: Segen sein.“
Bischof Neymeyr würdigte in seiner Predigt weiter die Hilfe des Bonifatiuswerkes als Segen, Ausdruck der Solidarität und als Ermutigung. Generalsekretär Georg Austen sagte: „Als Christen leben wir durch die Zusage von Gottes Segen und wissen uns durch diesen gestärkt. Daher machen wir mit unserer Aktion auf diese Zusage aufmerksam. Menschen, die Glaubensgeschwistern in der Diaspora in Gebet, Wort und Tat zur Seite stehen, sind ein Segen. Durch sie werden Glauben und Glaubensgemeinschaft lebendig.“ Die Christen in der Diaspora geben der Kirche ein Gesicht und ermutigen, Zeugnis vom Glauben zu geben, so Austen weiter.

Beitrag zur Orientierung in der Gesellschaft
In der Feierstunde im Coelicum sprach  Thüringens Innenminster Georg Maier ein Grußwort. Maier würdigte das vielfältige Engagement der Christen und die vielen kirchlichen Initiativen als Segen für das Land. Die Kirchen, so Maier, leisten einen grundlegenden Beitrag für die Orientierung.
In seiner Festrede stellte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Prof. Dr. Thomas Sternberg, die Frage, wie wir in einer pluralen und säkularen Gesellschaft, konfessionelle Identität entwickeln können. Bei dem konkreten Priestermangel brauche es eine erneuerte Subsidiarität und mehr Priester in diesem Land. Daran sollten wir alle mitarbeiten. Das Kennzeichen einer neuen Diaspora sei, einer ungläubigen Mehrheit gegenüber zu stehen. Dennoch sieht Sternberg positiv in die Zukunft, denn „vor dem Ende stehen die Kirchen – steht die Kirche – in Deutschland nicht“. Vielmehr sei es so, dass besonders bei dem Thema Segen und Segen empfangen, die Menschen dies als etwas Gutes empfinden, auch religiös Fernstehende. Eine weitere Herausforderung sieht Sternberg in der Begegnung mit dem Islam. Denn „bei allen Ängsten die berechtigt sind, stehen wir vor dem Problem der Islamphobie“. Er ist überzeugt, dass ein Dialog von einem Gläubigen zum nächsten Gläubigen – ob christlich oder islamisch – am besten unter frommen Gläubigen funktioniere. Die aktuelle Aufgabe sei es daher, auch islamische Theologie an den Universitäten zu fördern.
Am Diaspora-Sonntag, den 19. November, sammeln bundesweit alle Katholiken für die Belange der katholischen Christen, die in Nord- und Ostdeutschland, in Nordeuropa und im Baltikum ihren Glauben als Minderheit leben. „Dieser Tag ist im Jahr ein wichtiger Tag der Solidarität. Was wir an diesem Tag in den Kollekten in den Gemeinden erhalten, hilft uns im Sinne unseres Jahresmottos ein Segen zu sein, Aufbrüche in den Diasporagemeinden zu ermöglichen und den Glauben in einer entchristlichten Gesellschaft zur Sprache zu bringen“, sagte der Präsident des Bonifatiuswerkes, Heinz Paus. Das Bonifatiuswerk unterstützt jährlich etwa 900 Projekte und setzt sich solidarisch dafür ein, Katholiken – die in der Diaspora leben – in ihrem Glauben zu stärken und das Erleben von Glaubensgemeinschaft zu ermöglichen.
Vorgestellt wurde neben Projeten in Island und Lettland unter anderem der Kinder- und Jugendchor am Erfurter Dom, der vom Bonifatiuswerk gefördert wird.  (jak, klei)