11.01.2018

Brief zur Ökumene in Sachsen-Anhalt und Thüringen

Bleiben Sie auf diesem Weg!

Die Leitenden Geistlichen der beiden großen Kirchen in Sachsen-Anhalt und Thüringen rufen ihre Gemeindemitglieder in einem gemeinsamen Brief auf, den im Reformationsjahr 2017 eingeschlagenen Weg der Ökumene fortzusetzen.


Ökumene wird in Sachsen-Anhalt und Thüringen seit jeher groß geschrieben. Auf Katholiken- und Kirchentagen präsentieren sich die beiden Bistümer und die beiden Landeskirchen mit einem gemeinsamen Stand – hier 2016 in Leipzig unter dem Motto „Wir reformieren gerade“. | Foto: Eckhard Pohl


Die Leitenden Geistlichen der beiden großen Kirchen in Sachsen-Anhalt und Thüringen rufen ihre Gemeinden auf, den im Reformationsjahr 2017 eingeschlagenen Weg der Ökumene weiter zu gehen. In einem gemeinsamen Brief anlässlich der Gebetswoche für die Einheit der Christen (18. bis 25. Januar) heißt es: „Wir sind mit den ökumenischen Erfahrungen dieses Jahres reich beschenkt worden und wollen den begonnenen Weg weitergehen.“ Mit ihrem Schreiben wollen die Bischöfe die ökumenischen Initiativen vor Ort stärken. Gleichzeitig betonen sie, dass dieser Ökumenische Weg auch von ihnen weitergegangen wird und die Haupt- und Ehrenamtlichen in den Gemeinden mit entsprechender Unterstützung rechnen können. Der Brief ist unterzeichnet von den katholischen Bischöfen Gerhard Feige (Magdeburg) und Ulrich Neymeyr (Erfurt) sowie von Landesbischöfin Ilse Junkermann (Evangelische Kirche in Mitteldeutschland) und Kirchenpräsident Joachim Liebig (Evangelische Landeskirche Anhalts). Der Brief soll an diesem Sonntag in allen Gemeinden verlesen werden.

„Neue Qualität der Ökumene“ nach 2017
Den Leitenden Geistlichen „ist es ein großes Herzensanliegen“, dass die Erfahrungen des Reformationsjahres Wirkung zeigen. „Wir wollen uns dafür einsetzen, dass die ,neue Qualität der Ökumene‘, die 2017 an vielen Orten zu erleben war, in unseren Kirchen weiter und vertieft erfahren wird.“
Die Verfasser des Briefes erinnern an die Kirchentage auf dem Weg und an die miteinander gefeierten Gottesdienste. „Wir haben theologisch gearbeitet und sind auf verschiedenen Ebenen ins Gespräch gekommen. Wir danken allen, die haupt- und ehrenamtlich zum Gelingen dieser vielfältigen Veranstaltungen beigetragen haben.“
Besonders danken die Briefeschreiber den konfessionsverbindenden Paaren und Familien, „die durch ihr alltägliches Leben, Gebet und Zeugnis Wegbereiter für diese ökumenische Gemeinsamkeit sind. Wir versprechen Ihnen, Sie nach Kräften zu unterstützen und zu begleiten.“
Die Leitenden Geistlichen zählen in ihrem Brief eine Vielzahl von ökumenischen Initiativen in den Gemeinden auf: „An vielen Orten gibt es regelmäßige ökumenische Treffen und Gottesdienste. Gemeinsam machen sich Christinnen und Christen in Diakonie und Caritas und anderen Zusammenschlüssen für soziale Projekte in unserem Land und der ganzen Welt stark. Ökumenische Bibelwochen und Kanzeltausch, aber auch gegenseitige Gastfreundschaft und wechselseitige Nutzung von Räumen gehören für viele zum Alltag. In der Kirchenmusik werden konfessionelle Trennungen überwunden und weiterhin finden ökumenische Friedensgebete statt (wir alle wissen, welch großartige Wirkung diese 1989 hatten). Wir glauben, dass diese und die vielen hier nicht genannten ökumenischen Initiativen wirksame Schritte auf dem Weg zur Einheit der Christen sind. Deshalb bitten wir Sie: Bleiben Sie auf diesem Weg!“
Die zurzeit laufenden Strukturveränderungen in den Kirchen machten Ökumene nicht einfacher, heißt es in dem Brief. „Aber wir brauchen in Zeiten abnehmender Ressourcen die Gemeinsamkeit der Christen besonders.“ Die Gemeinden werden aufgefordert, bei der Planung ihres Gemeindelebens den jeweiligen Partner im Blick zu haben. „Suchen Sie bitte nach kreativen Wegen, sich auszutauschen und voneinander zu wissen. So kann gelingen, dass wir regelmäßig füreinander in unseren Anliegen beten.“

An die positiven Erfahrungen anknüpfen
Der Brief erinnert an eine besondere Erfahrung des Reformationsjahres: „Wo auf den Plätzen zum gemeinsamen Mahl eingeladen wurde, ließen sich die Menschen ansprechen. Sie haben ein freundliches Gesicht von Kirche erlebt und so vielleicht eine Ahnung von unserem menschenfreundlichen Gott bekommen. Suchen Sie bitte nach Möglichkeiten, daran anzuknüpfen.“ Dabei sollen auch andere christliche Kirchen einbezogen werden.
Die Leitenden Geistlichen selbst wollen auf der Ebene der Bistümer und Landeskirchen die Aufbrüche des Reformationsjahres fortsetzen. „Wir ... haben uns vorgenommen, vor wichtigen Entscheidungen in gesellschaftlichen und ethischen Fragen das Gespräch mit den Partnern zu suchen. So wollen wir, so oft es geht, mit einer Stimme sprechen.“ Als weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit werden genannt: Weiterbildungen für Haupt- und Ehrenamtliche und Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien. „Wir werden regelmäßig gemeinsam überlegen, wo neue Impulse für das ökumenische Gespräch nötig sind.“

Der Brief im Wortlaut im Internet zum Beispiel unter: www.bistum-erfurt.de