10.08.2017

Berliner Diözesanratsvorsitzender Bernd Streich im Interview

Bilanz nach einem Jahr

2016 hat sich der Diözesanrat neu konstituiert und Bernd Streich zum Vorsitzenden gewählt. Im Interview spricht er über Höhepunkte und Herausforderungen, über christliches Leben und Lebensschutz.


Bernd Streich bei der konstituierenden Sitzung des Diözesanrats am 9. Juli 2016. | Foto: Cornelia Klaebe

 

Herr Streich, vor einem Jahr hat sich der Diözesanrat neu konstituiert. Was waren die größten Herausforderungen?

Die Konstituierung des Diözesanrates war diesmal sehr intensiv. Es sind viele neue Mitglieder im Diözesanrat und seinen Gremien. Im Vorstand sind sechs von neun Mitgliedern neu. In den Sachausschüssen wurden neue Vorsitzende gesucht. Das war eine große innere Herausforderung: Wie stelllen wir uns neu auf und welche Themen gehen wir an? Eine wichtige Herausforderung in dieser Wahlperiode ist der Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“ und die damit zusammenhängende Unruhe in den Gemeinden: Wie gehen wir damit um?

Wenn Sie von der inneren Herausforderung sprechen: Gab es auch äußere?

Der Diözesanrat als Vertretung der katholischen Laien hat zwei Aufgabenrichtungen: die innerkirchliche und eine äußere in die Gesellschaft hinein. Er ist die Stimme der katholischen Laien und vertritt deren Anliegen in der Öffentlichkeit. So muss man die Herausforderungen in beiden Richtungen sehen. Wichtig ist es, dass wir den Kontakt in und zur Zivilgesellschaft suchen und pflegen. Eine große Herausforderung ist, dass unser Erzbistum in drei Bundesländern besteht und wir dadurch mit einzelnen Institutionen in den drei Bundesländern Kontakt suchen, um ins Gespräch zu kommen, damit katholische Kirche gehört wird. Das Erzbistum Berlin ist ein besonderes Bistum, weil hier die Hauptstadt unseres Landes ist. Deshalb haben wir viele Kontakte zu Personen und Institutionen auf der Bundesebene. Dies führt zu Begegnungen und Höhepunkten in diesem Bereich.

Was für Höhepunkte gab es?

Ein Höhepunkt war der Evangelische Kirchentag in Berlin und Potsdam. An den Angeboten rund um die St. Hedwigs-Kathedrale war der Diözesanrat sehr aktiv beteiligt. Darüber hinaus ist er auch in die Strukturen des Deutschen Evangelischen Kirchentags eingebunden: im Landesausschuss, in Projektleitungen, zum Beispiel für den Abend der Begegnung, im Regionalen Lenkungsausschuss der Evangelischen Landeskirche.

Was haben die Sachausschüsse im ersten Jahr erreicht?

Aufgabe der Sachausschüsse ist es, in ihrem Themenbereich die Vielfalt der Themen zu beobachten, zu bearbeiten und in die Arbeit des Diözesanrats einzubringen. Der Sachausschuss „Politik und Gesellschaft“ befasst sich mit dem Thema „Populismus“ und hat mit sich dem Sachausschuss „Migration und Integration“  stark in die Vollversammlung eingebracht und die Beschlussvorlage zur Frage „Wie gehen wir mit den Fremden um?“ erarbeitet. Der Sachausschuss „Ökumene und interreligiöser Dialog“ hat an „500 Jahre Reformation“ mitgearbeitet. Wir waren beteiligt an einer Vortragsreihe, die wir im Februar in Berlin durchgeführt haben. Die gemeinsamen Besinnungstage für den Diözesanrat und die Landessynode hat er vorbereitet.
Der Sachausschuss „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ bereitet die Tagung „Energieeinsparung in Kirchengemeinden“ vor und tritt für die Wiedereinführung der Stelle des Umweltbeauftragten ein. Darüber hinaus laufen Vorbereitungen für den Katholikentag 2018 in Münster.

Was ist im Bereich Kinder und Familie passiert?

In diesem Bereich arbeitet der Sachausschuss „Kinder, Jugend, Familie“ an mehreren Themen: das Thema „Familie“ ist aktuell. Was können wir von der Enzyklika „Amoris Laetitia“ umsetzen? Wie können wir eine Hilfestellung für die Gemeinden geben?  Thema sind auch Fragen des Religionsunterrichts.

Kürzlich konnte in einer Gemeinde in Vorpommern keine Sonntagsmesse gefeiert werden, da der Pfarrer noch die Nachbargemeinde versorgt. Wie sieht der Diözesanrat die pastorale Situation in Brandenburg und Vorpommern?

Die Sonntagsmesse behält weiterhin ihre zentrale Bedeutung in den Pfarreien. Wir werden im pastoralen Prozess viele neue oder alte Wege gehen. In unserem Bistum werden seit Jahrzehnten Gottesdienste ohne Priester gefeiert. Das war schon zu Zeiten von Kardinal Bengsch so. Wir haben gerade auch in den ländlichen Bereichen, egal ob Vorpommern oder Brandenburg, sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Sonderregelung, die damals in Übereinstimmung mit Rom auf den Weg gebracht wurde, ist ein sehr positives Beispiel, wie wir mit dieser Frage umgehen können. Wir werden schauen, wie wir als Christen christlich leben können. Es kann ja nicht darum gehen, einen Mangel zu verwalten, und sei es ein Priestermangel. Wir werden uns weiter am Evangelium orientieren.

Überregionale Aufmerksamkeit fand die Ablehnung eines Antrags, den „Marsch für das Leben“ zu unterstützen. Wie hält es der Diözesanrat mit dem Lebensschutz?

Dass sich der Diözesanrat für den Lebensschutz vom Anfang bis zum Ende einsetzt, ist nichts Neues. Das kann man an vielen Dingen aufzeigen. Wir sind zum Beispiel als Diözesanrat vertreten im Netzwerk Kinderschutz im Erzbistum Berlin. Wir werden uns wieder an der „Woche für das Leben“ beteiligen.

Interview: Cornelia Klaebe