Anstoss 49/2011

Barbara und andere starke Frauen

Am zweiten Adventssonntag ist der Gedenktag der heiligen Barbara.

Die Legende, die von von der heiligen Barbara erzählt, ist alt und relativ sicher nicht historisch wahr. Sie schmückt aus, wie ein Frauenleben aussehen kann - und präsentiert Barbara als Modell einer autarken, klaren und selbstwertbewussten Frau. Dies sind alles Eigenschaften, die heutige Frauen dringend suchen.  
Der Name Barbara stammt aus dem griechischen und bedeutet: die Fremde. Die junge Frau wächst im 4. Jahrhundert in einer nichtchristlichen Familie auf, lernt das Christentum kennen und lässt sich daraufhin taufen. Damit erregt sie den Ärger ihres Vaters und dieser sperrt seine Tochter in einen Turm ein.
Nun könnte man denken, dies sei eine Geschichte aus vergangenen Zeiten, doch die Legende spricht damit einen zentralen Konflikt im Leben vieler Frauen auch heute an: wie viel Eigenständigkeit im Denken und Handeln wird Frauen zugestanden?
Viele Frauen klagen, sie seien keine eigenständigen Menschen, sondern Tochter des A, Frau des B, Mutter des C, manchmal auch Geliebte des D... Meist sind diese Männer mächtig und einflussreich. Für ihre Macht und ihren Einfluss, an dem die Frauen teilhaben dürfen, verlangen die Männer in der Regel, dass die Frauen ihnen zu Diensten sind: sexuell, als Köchin, als Putzhilfe, als Haushälterin, als ...
Nicht nur in der Gesellschaft, auch in der Kirche gab und gibt es solche Modelle der  Geschlechterbeziehung: der Mann bestimmt und die Frau passt sich an.
Die Legende spitzt den Konflikt zu: Barbara wird vom Vater in einen Turm gesperrt. Dieser geht auf Reisen und in dieser Zeit lässt die Tochter zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit ein drittes Fenster im Turm anbringen. Der Vater, der sich mit dem Schiff der Stadt nähert, sieht das Fenster schon aus der Ferne. Er erkennt, dass Barbara bei ihrem Glauben geblieben ist und stuft ihr Handeln als Akt des Ungehorsams ein. Er schäumt vor Wut und die Legende erzählt, dass er eigenhändig seine Tochter umbringt.
Nun muss nicht jede Geschichte von einer starken Frau mit ihrem Tod enden. Doch andererseits wäre es blauäugig, zu denken, den eigenen Weg zu gehen sei einfach und risikolos. Damals wie heute gibt es genug Menschen, die dies verhindern wollen.
Wenn die Kirche uns Barbara als Heilige präsentiert, dann kommt in der Verehrung dieser Frau eine Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Eigenständigkeit und Freiheit zutage. Auch im Mittelalter war Barbara hoch verehrt. So ist sie zum Modell geworden und kann heutige Frauen ermutigen und inspirieren.
Schwester Susanne Schneider, Missionarinnen Christi, Kontaktstelle Orientierung Leipzig