06.10.2016

Mauritiustage in Halle

Ausstellung und Redewettstreit zum Thema Barmherzigkeit

Sophie Ławniczak aus Berlin ist Siegerin des Mauritius-Kunstwettbewerbs zum Thema Barmherzigkeit. Ihre Installation ist mit den Werken von elf weiteren jungen Künstlern jetzt in der Moritzkirche in Halle zu sehen.

Acht der zwölf mit ihrem Werk ausgestellten jungen Künstler waren zur Preisverleihung in die Hallesche Moritzkirche gekommen. Rechts Kunsthistorikerin Wandt-Ptasczynski,  Akademie-Direktor Grütz. Foto: Eckhard Pohl

Halle. Zum von Papst Franziskus ausgerufenen Jahr der Barmherzigkeit lobten die Bürgergesellschaft St. Mauritius Halle und die Katholische Akademie 2015 einen Wettbewerb für junge Künstler zum Thema Barmherzigkeit aus. Bei den Mauritiustagen 2016 vom 22. bis 24. September nun wurde der mit 1500 Euro dotierte Preis verliehen: Aus insgesamt 35 Einsendungen wählte die vierköpfige Jury zwölf Werke aus. Siegerin wurde Sophie Lawniczak aus Berlin mit ihrer Installation „Bacchus“. Mit ihrem mehrfach bearbeiteten und weiterentwickelten Werk will sie ein Signal gegen das Wegschauen angesichts von Menschen in Not und gesellschaftlicher Missstände überhaupt setzen. Die 27-jährige Absolventin der Warschauer Kunstakademie hatte in ihrer Studienstadt immer wieder Alkoholiker auf Parkbänken und deren Ignoranz durch die Gesellschaft erlebt. Auf künstlerische Weise versuchte sie, mit ihrer Installation über Bänken in einem Warschauer Park das Wegsehen zum Thema zu machen. Sie verarbeitete „ihre gesellschaftliche Wahrnehmung in einem Werk, das den Begriff von Barmherzigkeit gerade deshalb plastisch macht, weil es von seinem Gegenteil ausgeht, von der Leerstelle, ja der zerstörenden Kraft, die ein Mangel an Zuwendung anrichtet“, hieß es nun in der Laudatio der Jury zu ihrer Arbeit.
Andere Werke, die ebenfalls ausgestellt sind und die von der Installation über die Collage und die Kunstfotografie bis zum Gemälde reichen, beschäftigen sich etwa mit der Frage, ob Heilige, wie sie in alter Zeit sehr verehrt wurden, mit ihrer Barmherzigkeit heute noch einen Platz in der Gesellschaft haben. Zwei Gemälde eines Künstlers machen zum Beispiel einerseits auf die durch Barmherzigkeit entstehende mögliche Abhängigkeit aufmerksam und verweisen andererseits auf die etwaige Zusammenhang zwischen Andersartigkeit von Menschen und Barmherzigkeit.
Vielschichtig näherten sich auch die Teilnehmer des mit der Preisverleihung verbundenen Poetry Slam dem Thema Barmherzigkeit. Dabei traten fünf Poeten in den Wettstreit miteinander und ließen ihre vorgetragenen Texte vom Publikum bewerten. Sieger wurde Bo Wimmer aus Marburg.
Musik von Saxophon und Orgel ergänzten die abendliche Veranstaltung.

Eckhard Pohl

Hinweis: Die Ausstellung in der Moritzkirche ist 23. Oktober zu sehen. Di bis Fr: 11-12/15-17 Uhr, Sa/ So: 13-17 Uhr oder nach Vereinbarung: Tel. 03 45/2 90 00 87.