14.12.2016

Reise deutscher Bischöfe ins Heilige Land

Aus Tempelbergbesuch lernen

Aus dem Wirbel lernen: Kardinal Reinhard Marx äußert sich zu den Vorwürfen nach dem Besuch auf dem Tempelberg.

Kardinal Reinhard Marx und der evangelische Landesbischof
Heinrich Bedford-Strohm beim Besuch des Tempelbergs. Foto: KNA

Aus dem Wirbel um das Verhalten deutscher Bischöfe auf dem Jerusalemer Tempelberg müssen nach Ansicht von Kardinal Reinhard Marx alle Seiten Lehren ziehen. Evangelische und katholische Bischöfe waren zum Teil heftig kritisiert worden, weil sie dort während einer gemeinsamen Pilgerreise im Oktober ihre Brustkreuze zeitweise abgenommen hatten. Marx sagte im BR-Fernsehen, aus dieser Sache müssten alle lernen: "Denn wir gehen mit diesen hochsensiblen Orten immer noch nicht sehr sorgfältig um."

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz betonte, zur Zeit des Besuches habe auf dem Tempelberg und an der Klagemauer eine "sehr angespannte Situation" geherrscht: "Es ging darum, nicht zu provozieren." Marx fügte hinzu, vielleicht hätte man aufgrund der Brisanz auch darauf verzichten sollen, dort hinzugehen. Heute würde er sagen, das sei nicht gut vorbereitet gewesen.

Das Auftreten ohne sichtbare Brustkreuze hatte zu Kritik an Bischöfen geführt, auch am EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm. Kritiker werteten das Verhalten als Geste der Unterwerfung und der Feigheit. Sie erinnerten daran, dass anderswo Christen für ihren Glauben den Märtyrertod riskierten.

Marx sagte dazu, er sei traurig und bedauere es sehr, dass die Entscheidung, das Kreuz abzulegen, auf diese Weise wahrgenommen worden sei. Den Vorwurf jedoch, die Bischöfe hätten hier Unterwerfung und Verrat begangen, empfinde er als beleidigend. Er würde im Übrigen auch nicht wollen, dass die grüne Fahne des Propheten Mohammed in der Kirche ausgerollt werde.

Nach den Worten des Kardinals lässt sich aus dem Vorgang lernen, wie sensibel der Umgang der Religionen untereinander nach wie vor sei. "Viele von uns wissen vom Islam wenig." Außerdem könne man davon ausgehen, dass besonders im Orient weder Muslime noch Juden eine Vorstellung vom Christentum und der Bedeutung des Kreuzes hätten. Dieses werde in erster Linie als Dominanz der Kreuzfahrer gesehen. Seine Hauptsorge für die Zukunft sei, dass Religion wieder instrumentalisiert werde als Mittel für Auseinandersetzungen, so Marx.

KNA