17.03.2016

Gemeindemission in Wittichenau: Neuer Schwung für’s Christ-Sein

Auftanken statt auf Reserve

Wittichenau. Bei einer Gemeinde-Mission in Bernsdorf und Wittichenau luden Oblaten-Missionare Christen ein, ihren Glauben aufzufrischen.

Pater Jens Watteroth segnet im Rahmen der Wittichenauer Gemeindemission eine Familie. Momente der persönlichen Zuwendung, das sind auch für den Pater die schönsten Erlebnisse der Mission. Foto: Martin Kliemank

Dass werktags 300 bis 400 Christen zum Gottesdienst kommen, das ist selbst im katholischen Wittichenau eine Ausnahme. Doch zuletzt waren die Messen jeden Tag so gut besucht. Hunderte strömten in die Pfarrkirche. Denn für zehn Tage waren Missionare aus der Ordensgemeinschaft „Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria“ (OMI) zu Gast. In Bernsdorf und Wittichenau gestalteten sie zahlreiche Angebote, die helfen sollten, den Glauben aufzufrischen.
„Wir freuen uns hier sein zu dürfen“, sagte Pater Jens Watteroth im Eröffnungsgottesdienst. „Das ist für uns, wie nach Hause zu kommen, so oft haben Mitbrüder in der Region schon Missionen gestaltet.“ Watteroth hatte den Leiter der Missionsprokur der Oblaten, Pater Aloys Terliesner, zwei junge Fratres und einen Kaplan aus dem Spessart mitgebracht. Die fünf erwartete ein straffes Programm: täglich mindestens zwei Gottesdienste mit Predigten, Hausbesuche, Katechesen, Gesprächskreise, Begegnungsabende. 24 Seiten zählte das Programmheft, das die Pfarrgemeinde an alle Mitglieder verteilt hatte.

Nur noch zwei Gemeinde-Missionen pro Jahr
Schon vor drei Jahren hatte die Wittichenauer Pfarrgemeinde bei den Hünfelder Oblaten um eine neue Mission gebeten. Denn mittlerweile führt die Ordensgemeinschaft in Deutschland jährlich nur noch zwei Gemeinde-Missionen durch. Noch vor wenigen Jahren habe es für diese Aufgabe mehrere feste Missions-Teams gegeben, erzählen die Patres. Heute sucht der Orden Mitarbeiter dafür aus einem Pool von etwa einem Dutzend Geistlichen immer wieder neu zusammen. Die Volksmission, die zum Gründungscharisma der weltweit tätigen Ordensgemeinschaft gehört, gerate aus Priestermangel – zumindest in Deutschland – immer mehr ins Hintertreffen.
Die Wittichenauer jedoch durften die Patres 2006 schon einmal erleben. Die Missions-Tage hätten damals Begeisterung in der Pfarrgemeinde ausgelöst, erinnert sich Gabriela Piatza, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates. Da habe schnell festgestanden, dass in zehn Jahren wieder eine Mission stattfinden solle.
Im November vorigen Jahres waren Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat dann zur Vorbereitung im Kloster Hünfeld. „Wir waren davon ausgegangen, dass uns die Patres für das Programm schon etwas vorgeben würden“, berichtet Piatza. Doch die Gemeindevertreter haben den Veranstaltungsplan mit Hilfe der Missionare an jenem Wochenende selbst zusammengesetzt. Diese Arbeit empfand Piatza als Bereicherung: „Wir waren hinterher richtig stolz. Denn wir haben eine gemeinsame Vorstellung davon entwickelt, wie sich die ganze Gemeinde ansprechen lässt.“ „Auftanken und gemeinsam glauben“, mit diesem Motto überschrieben die Gemeindevertreter die Missionstage. „Bei uns ist vieles da, was zu einer lebendigen Gemeinde gehört. Aber manches läuft auf Reserve“, begründet Gabriela Piatza die Formulierung.

Gemeinde ist nicht nur da, wo der Pfarrer ist
Dass nun so viele Menschen an den Veranstaltungen der Mission teilnahmen, ist für Pater Jens Watteroth ein Zeichen dafür, dass es in der Gemeinde viele Christen gibt, die „auftanken“ wollen. „Uns wird heute so viel präsentiert, womit wir glücklich werden sollen. Du sollst besitzen, dich verwirklichen. Doch wo bleibt dabei der Glaube?“, fragt Watteroth. Er beobachtet, dass im Alltag kaum jemand offen über seinen Glauben spricht. Deshalb wirbt er für ein unverkrampfteres Verhältnis zum Glauben und sagt: „Gemeinde ist nicht nur da, wo der Pfarrer ist.“
Den Wittichenauern versuchte der Pater das mit einer kleinen Übung nahe zu bringen. Bei der ökumenischen Tauferneuerungsfeier am ersten Missionssonntag forderte er die Christen auf, sich ihr Gesangbuch auf den Kopf zu legen. Zaghaft folgten die Kirchenbesucher dem Beispiel des Paters. Bald balancierte die ganze Gemeinde das „Gotteslob“ freihändig auf dem Kopf. „Haben Sie das bemerkt?“, fragte Watteroth. „Das ist wie mit einer Krone. Die lässt uns aufrechter sitzen.“ In der Taufe sei jedem Christen eine Würde geschenkt, erklärte der Pater. „Sie lässt uns erhobenen Hauptes für den Glauben einstehen.“ Für Watteroth steht fest: „In Glaubensfragen ist jeder kompetent, jeder der christlich lebt.“
Gabriela Piatza ist gespannt, was aus den ermutigenden Worten der Patres erwächst, muss für sich selbst aber auch erst einmal verarbeiten, was sie dieser Tage alles gehört hat. „Das waren so viele gute Dinge, das muss ich erst einmal sortieren.“ Sie wünscht sich, dass die Gemeinde neuen Mut fasst, den Glauben zu leben. „Wenn die Mission den Impuls gibt, dass in unseren Familien wieder öfter über den Glauben gesprochen wird, wäre das ein Erfolg“, sagt die Gemeindevertreterin.
Anfang Oktober werden die Missionare noch einmal nach Wittichenau kommen. Zur Nachmission am Rosenkranzsonntag wird Gelegenheit sein, Bilanz zu ziehen, was sie mit ihrem Wirken bewegt haben.

Von Martin Kliemank