09.01.2014

Junge Christen laden ein zu Anbetung und Glaubensgesprächen

Auftanken im Ostwind

Junge Christen aus ganz Deutschland waren über den Jahreswechsel zum sechsten Mal auf „Ostwind-Missionstour“ in deutschen Diasporagebieten. Bei Gesprächsrunden und nächtlicher Anbetung wollten sie vor allem Jugendliche ermutigen, eine persönliche Beziehung zu Christus zu suchen.

Eine ungewohnte Ausgestaltung der Bautzner Klosterkirche mit Kerzen, Tüchern und violettem Licht erlebten die Besucher der „Holy Hour“ am 3. Januar. Foto: Dorothee Wanzek

Bautzen. „Ostwind“ heißt die vom Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken unterstützte Missionstour nicht allein, weil sie zumeist in den Osten Deutschland führt, erläutert der Initiator Pater Paulus-Maria Tautz. Der Name des Projekts fiel ihm in der irischen Niederlassung seines Ordens „Franziskaner der Erneuerung“ ein, wo er die letzten Jahre verbracht hat: „Iren warten immer sehnsüchtig auf Ostwind, denn er vertreibt Wolken und Dauerfeuchtigkeit und gibt den Blick auf die Sonne frei“, erzählt der aus Pirna stammende Ordensmann. 

Bis zu 20 junge Erwachsene trafen sich vom 28. Dezember bis zum 5. Januar im Pfarrhaus von Radibor: Mitglieder der von den Weltjugendtagen inspirierten Jugendbewegung „Jugend 2000“ stellten die größte Gruppe, mit dabei waren aber auch Ordensmänner aus verschiedenen Gemeinschaften und Katholiken aus ostdeutschen Gemeinden, in denen die „Ostwind-Mission“ in den vergangenen Jahren zu Gast war.
„Auch heute ist es möglich, eine lebendige Beziehung zu Christus zu pflegen. Ich möchte meine Erfahrung dazu gerne weitergeben“, sagt Johannes Erbenich aus Mainz über seine Motivation, bereits zum vierten Mal im „Ostwind“-Team mitzumachen. Die meisten Teamkollegen waren dieses Jahr zum ersten Mal dabei, erzählt der  junge Mann, der sich in der „Jugend 2000“ engagiert und sich bei der diesjährigen Missionstour um die Technik kümmert.

Länger als bei den vorausgegangenen Touren nahmen sich die Akteure deshalb Zeit, die Gemeinschaft untereinander zu stärken, sich über die eigenen Wege zum Glauben auszutauschen und neue Lobpreis-Lieder einzuüben, die zwei Bandmitglieder aus Irland mitbrachten. Auch mit der Lebensgeschichte des Seligen Alojs Andritzki machten sich die „Ostwind“-Bewegten vertraut, denn die Missionstour bildete den Auftakt des Jubiläumsjahres zum 100. Geburtstag des sorbischen Priesters, der am 2. Juli 1914 in Radibor auf die Welt kam. An den letzten Tagen ihres Zusammenseins wagte die Gruppe dann den Schritt in die Öffentlichkeit. Vor allem junge Firmbewerber waren  zu Jugendtreffen und anschließenden „Holy Hours“ (Heilige Stunden) nach Sebnitz, Bautzen und Radebeul eingeladen.

Jugendliche sollen sich geliebt fühlen
„Ich kenne in Irland und Deutschland viele Jugendliche, die unter großem Leistungsdruck  stehen“, sagt Pater Paulus-Maria, während sich am Nachmittag des 3. Januar eine kleine Schar  von Zuhörern im „Engelsaal“ des Bautzner Klarissenklosters einfindet. „Sie haben das Gefühl, in dieser Gesellschaft nicht gebraucht zu werden, zu unfähig, zu dick, zu dünn, zu schwach, zu uncool zu sein.“ Manche, die zum diesjährigen „Ostwind“-Team gehören, kennen dieses Lebensgefühl nur zu gut aus ihrer eigenen Jugend.

Der 26-jährige Bernhard aus Heidelberg berichtet offen über seine Teenagerjahre. Damals habe er fast seine komplette Freizeit mit Freunden aus der Kifferszene vergammelt und sich dabei innerlich immer leerer gefühlt. Ein Gebetsfestival für Jugendliche habe dann vor zehn Jahren eine Wende in sein Leben gebracht. Er habe das Gebet als große Kraftquelle entdeckt und versuche seither, seine Talente nicht mehr verkümmern zu lassen, sondern mit ihnen Gutes zu bewirken.
„Anbetung kann für die Jugendlichen zu einer Tankstelle werden, bei der sie ihren Liebestank wieder auffüllen können“, meint Paulus-Maria Tautz. „Sie hören dabei von Gott: Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter, an dir habe ich Gefallen.“

Mit abwechslungsreicher, alterstypischer Musik und einer vom Gewohnten abweichenden Ausgestaltung des Gebetsraums will er jungen Christen, die mit der Gebetsform der eucharistischen Anbetung bisher noch keine positiven Erfahrungen gesammelt haben, über die Hürden helfen. Die Kirche des Klarissenklosters ist gut gefüllt mit Betern und Neugierigen jeden Alters, als um 19 Uhr die „Heilige Stunde“ beginnt. Violette Scheinwerfer und viele Kerzen tauchen den Altarraum in gedämpftes Licht. Kurze Denkanstöße des Franziskanerpaters wechseln mit Momenten der Stille, Glaubenszeugnissen und englischsprachigen Lobpreisliedern ab, deren übersetzter Text auf die Rückwand des Altarraums projiziert wird. Zum Abschluss sind die Teilnehmer eingeladen, sich einzeln segnen zu lassen.

„Mir wird warm ums Herz, auch wenn es kalt ist“
„Diese besondere Gebetsatmosphäre beeindruckt mich sehr“, sagt Sara Rötschke aus Wittichenau. „Ich fühle mich dabei jedesmal so geborgen, und es wird mir ganz warm ums Herz, selbst wenn es eigentlich ganz kalt ist.“ Nachdem sie Pater Paulus-Maria vor einiger Zeit bei Wanderexerzitien kennengelernt hat, ist sie in diesem Jahr zum ersten Mal bei der „Ostwind“-Tour dabei.
In Dresden gehört die Sorbin zu einem Team, das gerade nach dem Vorbild anderer deutscher Großstadtgemeinden die erste Nightfever-Gebetsveranstaltung in der Herz-Jesu-Kirche vorbereitet. Der 29-Jährigen tut es gut, dort und bei „Ostwind“ zu erleben, dass sie keinesfalls die einzige in ihrem Alter ist, die betet.

Pater Paulus freut sich darüber, dass die Tour mehr als in den Jahren zuvor von jungen Leuten mitgetragen wird, die aus der Region stammen. Dies könnte dazu beitragen, dass die Veranstaltung immer mehr als hilfreiche Ergänzung zu bestehenden kirchlichen Angeboten an- und wahrgenommen wird, hofft er. Dorothee Wanzek

Kontakt: brotherpaulus@hotmail.com

Kommentare

Sehr interessant. Leider sind keine Kontaktdaten oder eine website angegeben. Da ist die Suche mühsam...

<p>Danke für den Hinweis. Wir haben am Ende des Artikels eine E-Mail-Adresse ergänzt, über die Sie Kontakt aufnehmen können.</p>

Super Artikel mit den richtigen Namen, Fakten und Daten! Das ist eine journalisitische Glanzleistung! Frau Dorothee Wanzek hat sich den ganzen Nachmittag und Abend Zeit genommen, die Ostwind-Mission Atmosphäre einzusaugen, um dann die richtige Note zu treffen. Das machen nicht mehr viele Journalisten- leider. Gottes Segen der ganzen Redaktion +++ Ihr P. Paulus-Maria Tautz cfr.

<p>Danke. Ein solches Lob freut die Redaktion natürlich sehr!</p>