24.05.2017

Bibelgarten Oberlichtenau mit neuer Dauerausstellung

Anschauliche Bibel

Vor zwölf Jahren wurde in Oberlichtenau Deutschlands erster Bibelgarten seiner Art eröffnet. Seit wenigen Tagen gibt es hier eine neue Dauerausstellung. Sie zeigt Herkunft, Historie und Verbreitung der Bibel.


2005 wurde der Bibelgarten eröffnet. Herzstück ist ein Freilichtmuseum mit Nachbauten biblischer Szenarien.


„Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen ...“ Die ersten Worte des Psalms 23 sind nicht nur auf Deutsch zu lesen, sondern auch in Hebräisch, Englisch, Russisch, Zuli (Südafrika), Gujarati (Nordwestindien) und einer Reihe weiterer Sprachen. In fast 2300 Sprachen gibt es die Bibel, erfährt der Besucher der neuen Dauerausstellung in der Nähe von Kamenz. Noch einmal so viele Übersetzungen wären nötig, um sämtliche Stammessprachen zu erfassen.

Dauerhafte Bleibe für Bibelausstellung 
„Von Kanaan nach Sachsen. Expo testamente“ ist die Schau in der Bibellandscheune Oberlichtenau überschrieben, die am 20. September eröffnet wurde. Sie ist das Lebenswerk des Bonner Theologen und Publizisten Francois Traudisch (85), der dafür schon seit längerem nach einer dauerhaften Bleibe ausschaute. Neben Anschauungstafeln enthält seine Sammlung eine Fülle an Nachbildungen antiker Fundstücke, originaler Handschriften und Modelle.
„Diese Sammlung ist einzigartig. Sie war die Grundlage für viele Bibel-Ausstellungen in ganz Deutschland. Jetzt verbleibt das Original hier bei uns“, freut sich Maik Förster, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Christlichen Vereins Oberlichtenau. Die Ausstellung sei eine gute Ergänzung des bisherigen Angebots. Mit Hilfe von Maik Försters Reisebüro Evangtours konnte sie für die Bibellandscheune in Oberlichtenau erworben werden.
Zur Ausstellungseröffnung gab Maik Förster, der vor über zwölf Jahren einer der Initiatoren des Bibelgartens gewesen war, Hinweise zu vielen Exponaten. Ein 3000 Jahre altes Salb-Horn ist beispielsweise zu bewundern, wie es einst Könige in Gebrauch hatten. Zu sehen ist auch ein nachgestalteter Topf mit Schriftrolle, wie er in der Siedlung von Qumran gefunden wurde. „Unser ältestes Stück in der Ausstellung ist eine Handschrift von 1350“, meint Maik Förster stolz.
Es gebe einen inhaltlichen Zusammenhang mit dem Neuen Tesament. Den exakten Inhalt müsse man aber erst noch herausfinden. Seit der Entstehungszeit dieser Handschrift bis zur Erfindung des Buchdrucks in der Mitte des 15. Jahrhunderts war es üblich, mit Holzrohlingen Bilderbibeln zu drucken. Einige Seiten einer solchen so genannten „Armenbibel“ sind in der Ausstellung zu sehen.

Steinalt und hochaktuell: die Bibel
Schulklassen, Gemeindegruppen und Einzelbesucher sollen durch die neue Ausstellung zum Bibel-Lesen ermuntert werden. Maria Grüner, evangelische Pfarrerin von Oberlichtenau, sieht die Ausstellung als „anschaulichen, lebensnahen Religionsunterricht.“ Die Ausstellung zeige, wie alt und dennoch hochaktuell die Bibel sei.
Gleichzeitig mit der neuen Dauerausstellung wurden auch zwei zeitlich befristete Sonderausstellungen eröffnet. Eine widmet sich unter dem Motto „Brauchtum Tracht – Heimat auf der Haut“  den Trachten, die bis zur Vertreibung der Deutschen 1945 in Ostpreußen, Schlesien, Pommern und Böhmen getragen wurden.

Maik Förster erklärt die neue Dauerausstellung.  Fotos: Kirschke, epd

Zusatz-Ausstellungen für Heimatfreunde
„Integration durch Leistung – Vertriebene, Spätaussiedler und Zuwanderer als Unternehmer in Sachsen“ heißt die zweite Ausstellung, in der es um Zuwanderung nach Sachsen von 1945 bis heute geht.
„Sie spannt den Bogen von den Flüchtlingen und Vertriebenen am Ende des Zweiten Weltkrieges über die ausländischen Facharbeiter in der DDR und die Spätaussiedler nach 1989 bis heute“, erläutert Friedemann Scholz, der Landesverbands-Vorsitzende der Landsmannschaft Schlesien, die beide Sonderausstellungen veranstaltet hat.

Von Andreas Kirschke