18.05.2017

Altarweihe in der Klosterkirche in Groß Ammensleben

Bischof freut sich über Altar

Freude in Groß Ammensleben: Die ehemalige, fast 900 Jahre alte Klosterkirche erstrahlt nach Sanierung und Renovierung in neuer Schönheit. Gefeiert wurde das mit der Altarweihe.


Auf dem neuen Altar wird Weihrauch verbrannt – Symbol dafür, dass das Beten und Opfer Christi auf dem Altar wie lieblicher Wohlgeruch zu Gott aufsteigen möge.  Foto: Matthias Holluba


Vielerorts werden gegenwärtig Kirchen aufgegeben und entwidmet. Nicht so in Groß Ammensleben: Hier wurde am vergangenen Sonntag die fast 900 Jahre alte ehemalige Benediktiner-Klosterkirche neu in Dienst genommen. Nach Sanierung und Renovierung erstrahlt sie in neuer Schönheit. Das feierten die Katholiken aus Groß Ammensleben und der Pfarrei Haldensleben, zu der sie gehören, zusammen mit Bischof Gerhard Feige und Gästen aus Ökumene und öffentlichem Leben. Unter anderem waren Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Bürgermeisterin Erika Tholotowsky gekommen.

Ein transportabler Holztisch genügt nicht
Im Mittelpunkt der Feier stand die Weihe des Altars. Er wurde mit Weihwasser besprengt, mit Chrisam gesalbt und auf ihm wurde Weihrauch verbrannt, ehe zum ersten Mal an ihm die Eucharistie gefeiert wurde. Bischof Feige stellt den Altar auch ins Zentrum seiner Predigt: Er berichtete vom Erlebnis eines brasilianischen Bischofs-Kollegen, der bei der Weihe einer Kirche mitten im Urwald keinen Altar vorfand. Auf seine Verwunderung entgegneten die Verantwortlichen, dass sowieso nur wenige Male im Jahr ein Priester käme, um Eucharistie zu feiern. Dafür genüge dann auch ein transpotabler Holztisch. „Ich bin froh, dass im Zentrum dieser Kirche ein Altar steht“, sagte Bischof Feige. Er symbolisiere das „Zentrum unseres Glaubens: Kirche feiert Eucharistie, und Eucharistie baut Kirche auf.“ Auch wenn es künftig weniger Eucharistiefeiern gäbe, „vergessen wir nicht, woraus die Kirche eigentlich lebt und scheuen wir keine Mühe, uns um den Altar zu versammeln.“ Und wenn kein Priester vor Ort sei, sei es dennoch wichtig, dass sich die Christen um den Altar versammeln, um Gottes Wort zu hören und gemeinsam zu beten.
Der neue Altar ist eigentlich ein alter. Er wurde einst von den evangelischen Christen des Ortes in der Kirche aufgestellt, denn die Groß Ammenslebener Klosterkirche ist so etwas wie eine Simultankirche: Sie wird von beiden Konfessionen genutzt. Das Kloster war nicht wie viele andere in der Reformationszeit untergegangen, so dass Groß Ammensleben katholisch geprägt blieb. Erst 1804 im Zuge der Säkularisierung wurde es aufgehoben. Dennoch spalteten die reformatorischen Ideen die Gemeinde. Der damalige Abt Ludgerus Hüffgen (1580-1608) begegnete dem mit Toleranz und Verständnis und verbannte die protestantischen Christen nicht aus dem Gotteshaus. An diese Geschichte erinnerte Bürgermeisterin Tholotowsky und verband damit den Wunsch, dass die Klosterkirche eine Stätte der Toleranz und Menschenwürde bleibe.

Ein Ort mit Ökumene-Tradition
Die Katholiken feierten ursprünglich am Hochaltar ihre Eucharistie. Die evangelischen Christen stellten einen Volksaltar auf, der nun mit der Weihe auch in katholische Dienste genommen wurde. Der evangelische Pfarrer des Ortes, Thomas Wolter, überbrachte ein symbolträchtiges Geschenk: die für den ursprünglich evangelischen Altar gestickte Altardecke – ein besonderes Zeichen der Ökumene.
Die Klosterkirche von Groß Ammensleben liegt an der Straße der Romanik und sei ein bedeutender Ort deutscher und europäischer Geschichte, unterstrich Ministerpräsident Haseloff im Grußwort. Deshalb fühle sich auch das Land verpflichtet, für diese Kirchen Verantwortung zu übernehmen. Auch Haseloff ging auf die in der Kirche gepflegte Ökumene ein: „Das ist ein Zeichen, dass unser Land im Jahr des Reformationsgedenkens braucht.“ Und den ökumenischen Kirchenchor, der den Gottesdienst mitgestaltete, lobte er begeistert.
Die Arbeiten an der Kirche, die noch nicht ganz abgeschlossen sind, haben nach Angaben von Pfarrer Winfried Runge etwa eine halbe Million Euro gekostet. Fördermittel gab es von der Europäischen Union, von Lotto Sachsen-Anhalt, dem Bonifatiuswerk und dem Bistum Magdeburg. 100 000 Euro muss die Gemeinde selber aufbringen. Hier werden noch Spenden benötigt. Außerdem müssen noch zwei Kapellen auf ihre Sanierung warten, „bis wir einen neuen Anlauf unternehmen können“.

Von Matthias Holluba