03.08.2017

Frau überließ ihr Haus einer Stiftung

Als Hausbesitzerin Gutes tun

„Wer kümmert sich einmal um mein großes Haus, wenn meine Kräfte nachlassen und die Kinder weit entfernt wohnen?“ Mit dieser Sorge ist Adelheid Bäger aus Eisenberg nicht allein. Ihre Lösung: Sie überließ ihr Haus einer Stiftung.


Adelheid Bäger auf dem Balkon ihrer Wohnung im Eisenberger Mehrgenerationenhaus | Foto: Dorothee Wanzek

 

Vor sechs Jahren hat Adelheid Bäger ein Mehrfamilienhaus im Zentrum der thüringischen Kleinstadt Eisenberg der gemeinnützigen Stiftung „PhosZoe – Licht und Leben“ übertragen. Sie hatte das Haus im Zuge einer Rückforderung unmittelbar nach dem Zusammenbruch der DDR geschenkt bekommen.
Mit ihrer Idee, das Haus in ein Mehrgenerationenhaus umzubauen, überzeugte sie zwar das Bundesfamilienministerium, das ihr Konzept mit einem Wettbewerbs-Preisgeld von 100 000 Euro würdigte. Die Banken verweigerten ihr allerdings die notwendigen Kredite  – aus Altersgründe. 
Die Stiftung PhosZoe verwirklichte das Projekt, nachdem  Adelheid Bäger ihr das Haus in einer Zustiftung überlassen hatte: Sechs Wohnungen sollen an Ruheständler und an allein erziehende Mütter vermietet werden, die sich gegenseitig unterstützen können. Die Galerie des Eisenberger Kunstvereins im Erdgeschoss ist nicht nur Ausstellungsraum, sondern steht den Hausbewohnern und anderen Eisenberger Bürgern als Begegnungsort zur Verfügung.
Das Preisgeld in Höhe von 100 000 Euro hat Adelheid Bäger ebenfalls der Stiftung zur Verfügung gestellt, die regionale und weltweite soziale Projekte für Kinder und Jugendliche fördert. PhosZoe ist aus den Vereinen „Wendepunkt“ und „Alternative“ hervorgegangen. Den „Wendepunkt e. V.“ hat Adelheid Bäger selbst mitgegründet, seit mehreren Jahren ist sie die Vorstandsvorsitzende. Beide Vereine haben sich in der Region als Träger diverser Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und der Suchtkrankenhilfe einen Namen gemacht.

Stiftungen profitieren derzeit besonders von Immobilien
„Ihr Haus einer gemeinnützigen Organisation stiften, das könnte vielleicht auch für andere Tag des Herrn-Leser eine Lösung sein, die sich in einer ähnlichen Situation befinden“, schlägt Adelheid Bäger vor. Sie selbst hat ihre Entscheidung bisher nicht bereut. Die Steuerberaterin, die ihre Kanzlei vor einigen Monaten ihrem Nachfolger übergeben hat, muss sich keine Sorgen mehr um die Verwaltung und Instandhaltung ihres Hauses machen. Für sich selbst hat sie sich in einer der altersgerecht umgebauten Wohnungen lebenslanges Wohnrecht vertraglich gesichert.
Mit ihrem Besitz soziale Projekte fördern zu können, die ihr schon lange am Herzen liegen, freut sie. Für eine Stiftung seien angesichts der gegenwärtig äußerst niedrigen Zinssätze Mieteinkünfte zudem einträglicher als Geldanlagen. Wichtig war Adelheid Bäger natürlich auch, dass ihre drei Kinder mit ihrem Schritt einverstanden waren. 
„Ich habe viel bekommen in meinem Leben“, sagt die Jung-Rentnerin. Dabei denkt sie nicht nur an das geschenkte Haus, sondern vor allem die Hilfe und Zuwendung, die sie erfahren hat, nachdem sie mit nur 39 Jahren Witwe wurde.  „Etwas davon zurückzugeben“ ist ihre Motivation, sich auf vielfältige Weise für die Menschen in ihrer Stadt zu engagieren, im Pfarrgemeinde- und Kirchrat der katholischen Eisenberger St.-Marien-Gemeinde und gemeinsam mit Christen und anderen Mitbürgern für Projekte, die das Miteinander in der Region fördern, im örtlichen Kunstverein zum Beispiel oder im Lions Club.

Adelheid Bäger findet Bündnispartner für Nächstenliebe
Selber Gutes tun und das Gute bei anderen zum Vorschein bringen, ist die Devise der 63-Jährigen, die für ihre sozialen Aktivitäten 2011 mit der von der heiligen Elisabeth inspirierten Auszeichnung „Thüringer Rose“ geehrt wurde. Dazu passt auch der Graffiti-Wettbewerb, mit dem junge Eisenberger derzeit aufgerufen sind, den Fahrstuhlschacht des Mehrgenerationenhauses künstlerisch zu gestalten.
Als Thema des Wettbewerbs hat Adelheid Bäger einen berühmten Ausspruch des Philosophen Karl Christian Friedrich Krause (1751–1832) ausgewählt, der aus Eisenberg stammt: „Die Liebe trägt den Sieg davon.“

Von Dorothee Wanzek