09.06.2017

Pfingstaktion des Osteuropa-Hilfswerkes Renovabis

Abschluss mit Firmung

Die diesjährige Pfingstaktion des Osteuropa-Hilfswerkes Renovabis wurde in Görlitz mit einem vielfältigen Programm beendet. Höhepunkt war ein Gottesdienst, in dem Jugendliche gefirmt wurden.


 Die Bischöfe eröffnen die Ausstellung über Versöhnung, brechen und teilen Brot. | Foto: Raphael Schmidt


Etwa 70 Euro verdient in der Ukraine eine Krankenschwester im Monat. Damit ist Überleben möglicherweise möglich, mehr nicht. Was tun? Bleiben oder gehen? Dorthin, wo es gut bezahlte Arbeit gibt? Viele Menschen aus Osteuropa tun dies, so erfahren die knapp 40 Anwesenden am Abend des 2. Juni im Klemens-Neumann-Heim in Görlitz. Wenn die Mutter über den Sommer in der Schweiz als Krankenschwester arbeitet, kümmert sich der Vater um die Kinder, dann wird getauscht. Und fast immer bleibt ein Platz frei in der Familie. Das stellt Renovabis auf Plakaten dar. Das jüngste Bischöfliche Hilfswerk, das im nächsten Jahr 25 Jahre alt wird, hatte zu diesem Abend in Görlitz und einen Tag später in Cottbus eingeladen.
Der Hauptgeschäftsführer, Pfarrer Christian Hartl, bezeichnet die Migration als größte Herausforderung. Das Flüchtlingsproblem sei nur ein Teil der Ost-West-Bewegung von Menschen, die sonst keine Perspektiven sehen. Das soll nicht so bleiben. Pfarrer Hartl führt gemeinsam mit Geschäftsführer Burkhard Haneke durch den Abend, der musikalisch untermalt wird durch Moritz Kaiser (Cello) und Chrisoph Starre (Klavier).
Und sie haben Gäste mitgebracht, die aus dem Osten Europas berichten: Jesuitenpater Stephan Lipke lebt seit 2011 in Russland, ist Pfarrer im sibirischen Tomsk und arbeitet dort als Schulseelsorger und Lehrer. Schwester Teodora Shulak, Provinzoberin der Missionsschwestern vom Heiligen Erlöser in der Ukraine und ihre Mitschwester Natalia Korometz, die wie Schwester Teodora unter anderem Psychologie studiert hat, leben in Lemberg/Lviv. Den Orden gibt es dort seit 1998. Das Durchschnittsalter der 28 Schwestern  in der Ukraine liegt bei nur 30 Jahren! Etwa 250 Euro im Monat kosten Gas, Strom und Wasser für den Konvent in Lemberg. Neun Schwestern gehören dazu, müssen diese Kosten aufbringen. Das wenige, das nicht für Lebensmittel und Kleidung draufgeht, bleibt als Lohn für die Schwestern. Die Not ist groß in diesem großen Land, die Probleme sind breit gefächert, die Tätigkeitsfelder der Schwestern vielfältig. Sie kümmern sich beispielsweise um traumatisierte Kriegsrückkehrer aus der Ost-Ukraine und ihre Angehörigen, die mit ihren Ängsten nicht zurechtkommen. Oder um Alkoholiker. Davon gibt es besonders auf dem Land reichlich. Einer von ihnen sagt nach einem Kurs, den die Schwestern anbieten: „Ich fühle mich so zerstört, aber auch so würdig, Ikonen schreiben zu dürfen.“ Eine Ikone übergibt Pfarrer Hartl an den Pfarrer der Pfarrei Heiliger Wenzel, Norbert Joklitschke.

Die Schwestern bringen eine Ikone zum Altar
Ein großes Bild einer Ikone trugen die beiden Ordensschwestern während des Einzugs beim Pontifikalamt in der Kathedrale zum Abschluss der 25. Renovabis- Pfingstaktion zum Altar. In dieser Eucharistiefeier wurden 42 deutsche und polnische Jugendliche gefirmt. Das Besondere: Neben Bischof Wolfgang Ipolt spendete der Erzbischof von Breslau/Wrocláw, Józef Kupny, den Jugendlichen dieses Sakrament.
Bischof Ipolt sprach in seiner Predigt von Mutlosigkeiten und wie sie zu überwinden sind: „Da kann man nichts machen oder ändern!“ ein solcher Satz solle nicht zur „Maxime eines Christenlebens“ werden. Nicht mehr wachsen zu wollen „ist tödlich für das Christsein. Das führt letztlich von Gott weg, eine solche Einstellung lässt den Glauben auf Dauer vertrocknen“, sagte Bischof Ipolt unter anderem. Im Anschluss an diese Predigt sprach der Erzbischof die polnischen Firmlinge in ihrer Muttersprache an. Er erinnerte an die Jünger, die sich aus Angst hinter verschlossenen Türen versteckt hatten, jedoch, nachdem der Geist Gottes zu ihnen kam, die Kraft bekamen, mutig ihren Glauben zu bekennen.
Nach dem Gottesdienst eröffneten die Bischöfe auf der Altstadtbrücke eine Ausstellung zum Thema Versöhnung. Als ein Zeichen dafür, auch des Teilens, brachen sie ein Brot und verteilten die Stücke ringsum.

Von Raphael Schmidt