29.09.2013

Abenteuer Rom

Phillip Fuhrmann ist Priesterkandidat und bereitet sich im Priesterseminar Erfurt auf seinen Beruf vor. An dieser Stelle berichtet er gelegentlich darüber:

Haupteingang der Gregoriana. Foto: Phillip Fuhrmann

Für ein Jahr studiert Phillip Fuhrmann jetzt in Rom: Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Die Zimmersuche oder das Autofahren in der ewigen Stadt. Beides habe ich jedoch gut überstanden. Eine knappe Woche nun wohne ich mit Schlafsack und Isomatte in der WG eines Kommilitonen. Einen Tag noch, dann ziehe ich in meine eigene Wohnung, dann muss ich wieder mit meinem Auto in die Altstadt, um meine Koffer zu holen. Das letzte Mal habe ich das kratzerfrei geschafft – trotz enger Gassen, Massen an Touristen, die laufen, wie ihnen die Nase gewachsen ist, und unberechenbarer Mopedfahrer.
Einen Tag noch, dann bin ich vielleicht auch innerlich etwas mehr angekommen in meinem Abenteuer Rom. Ich werde hier ein Jahr lang an der päpstlichen Universität Gregoriana studieren. Das dritte Studienjahr ist nämlich für Priesterkandidaten das sogenannte „Freijahr“. Das heißt, wir suchen uns selbst für zwei Semester einen Studienort und leben dort in einer privaten Unterkunft – ganz ohne Regens, Tagesordnung und Vollverpflegung.
Wenn ich also die Wahl habe, wo verschlägt es mich hin?! Na klar! Sommer, Sonne, Pizza, Pasta – Rom! Internationalität und den Papst vor der Haustür gibt es noch obendrein. Neben diesem Vorzug der freien Studienortwahl dient uns das Jahr außerhalb des Seminars vor allem zur Überprüfung unserer Berufung. Kann ich ein Jahr lang ohne die Ordnung des Seminarlebens mein bisher eingeübtes geistliches Leben weiterführen und eventuell vertiefen – oder ist das Gegenteil der Fall? Vielleicht stelle ich ja fest, dass ich ohne die ganzen Einschränkungen, die das Seminar und später das Priesteramt mit sich bringen, viel besser leben kann. Wir sollen diese zwei Semester vollkommen frei sein bei unserer Entscheidungsfindung und ich bin unheimlich dankbar dafür. Ich habe zwar schon in der ersten Woche feststellen müssen, wie zeitraubend es ist, plötzlich für sich selbst einzukaufen, aber wie erfüllend kann schon die einfache Tatsache sein, dass ich mir die Zeit meiner Mahlzeiten nun selbst wähle. Ich will ja nicht sagen, dass das Priesterseminar wie ein Zoo war, aber schmunzelnd muss ich doch daran denken, wie sich wohl ein Zuchttier in freier Wildbahn fühlt ...


Zur Person: Phillip Fuhrmann ist 1991 geboren und wohnt in Gablenz, das zur Pfarrei Weißwasser im Bistum Görlitz gehört. Für dieses Bistum ist er Priesterkanditat. 2009 hat Phillip Fuhrmann Abitur gemacht. Im Wintersemester 2011 hat er begonnen, in Erfurt Theologie zu studieren.