25.02.2016

Serie zur Fastenzeit: Die Spiritualität des Säkularinstitutes Ancillae

Abenteuer der Liebe

In der diesjährigen Serie zur Fastenzeit kommen Ordensleute und Mitglieder geistlicher Gemeinschaften zu Wort, die über Grundlagen ihrer Spiritualität sprechen. Die Autorin ist Regionalleiterin des Säkularinstitutes Ancillae der Region Ost.

Ancillae treffen sich zu Schriftlesungen, auf dem Foto kürzlich in Cottbus.Foto:Aniela Lichy

Die Mitglieder des Säkularinstitutes Ancillae sind, wie alle Christen, aufgerufen, die Ernsthaftigkeit der Fastenzeit wahrzunehmen, indem sie zum Beispiel auf Essen, Trinken, Fernsehen… verzichten oder entsprechende Vorsätze fassen und achtgeben auf die Weisungen des Bischofs, beispielsweise auf das Fastenhirtenwort.
Es ist ihnen wichtig, sich in der geistlichen Tagesordnung wieder neu zu straffen und eingeschliffene Nachlässigkeiten zu korrigieren. Die Gründerin, Maria Perpetua Radlmair, hat empfohlen, mindestens einmal in der Fastenzeit persönlich die gesamte Satzung (Regel der Gemeinschaft) zu lesen. Erneuerung geschieht immer durch Rückkehr zum Charisma des Ursprungs.

Jede Liebe ist gefährdet durch die Gewohnheit
Der Herr mahnt uns:  „Ich werfe Dir aber vor, dass du deine erste Liebe verlassen hast“ Offb 2,4. Denn jede große Liebe ist gefährdet durch die Gewohnheit. Die besondere Aufmerksamkeit ist dem Sendungsauftrag zu widmen, den Willen Gottes im Alltag zu erfüllen, seine Liebe durch Beispiel, Wort und Werk zu vergegenwärtigen und seine Fügungen anzunehmen. Dem Willen Gottes zu dienen, ist eine sehr verborgene missionarische Lebensweise. Wer sich dem Willen Gottes zur Verfügung stellt, dient als Werkzeug zur Verkündigung des Evangeliums und ist beteiligt, wie ein Sauerteig die Welt zu verwandeln und damit an der Erlösung der Welt teilzuhaben. So ist die Fastenzeit eine große Gewissenserforschung in der Beziehung jeder Ancilla zu Gott und den Menschen. Dem schließt sich der Empfang des Bußsakramentes an. Dieses Sakrament kann wieder Heilung bewirken und die Wachsamkeit fördern.
Die gemeinsame Schriftlesung ist den Ancillae eine liebgewordene Hilfe, den Willen Gottes zu erkennen. „Gottes Wille klingt für viele Ohren sehr streng, auch aus der Erfahrung der Gottesfurcht. In der Offenbarung Kap 3,19f heißt es: ,Wen ich liebe, den weise ich zurecht und nehme ich in Zucht. Mach also Ernst und kehr um! Ich stehe vor der Tür und klopfe an‘. Gottes Wille ist immer Leben und Glück für uns, weil er uns persönlich unendlich liebt. Für die Fastenzeit gilt, dass ich höre, was der Herr speziell von mir will“, so fasst es die Ancilla Christa Wieg zusammen.
Benedikt von Nursia sagt: „Was gibt es Schöneres, als die Stimme des Herrn, der uns einlädt. Seht, in seiner Güte zeigt uns der Herr den Weg zum Leben. Öffne das Ohr deines Herzens! Hören wir mit aufgeweckten Ohren!“. Um in dieser Welt die Stimme Gottes heraus zu filtrieren gelte es, sich an seine Gegenwart oft zu erinnern und in dieser zu leben. Die Erfahrung lehrt, dass jede Fastenzeit ein Angebot der Gnade ist, vom Herrn in die engere Nachfolge geführt zu werden und wachsam auf seine Stimme zu hören.

Menschen nahe sein und von der Liebe Gottes künden
Christus will uns – seine Kirche, die Menschen – an sich ziehen durch Besinnung und Umkehr. Die Ancillae lassen sich auf dieses Abenteuer der Liebe ein. So bleibt das Leben spannend und kennt keine Langeweile. Unsere Wohlstandsgesellschaft weiß nicht mehr um die Wahrheit, dass Kreuz, Leid und Schmerz zur eigentlichen Freude führen. Das Leben in einem Säkularinstitut erlaubt es, den Menschen nahe zu sein und von der Liebe Gottes zu künden. Der ehemalige Dom.propst Erich Puzik, der die Ancillae viele Jahre geistlich geführt hat, legte ihnen den Spruch eines unbekannten Verfassers ans Herz: „Kummerlos steht die im Hoffen unerschrockene Rose offen“.
Aniela Lichy


Übungen zur Spiritualität

Die Beziehung zu Christus soll gepflegt und der Führung des Heiligen Geistes gefolgt werden. Wie in einer guten Ehe sollen sich die Partner nicht entfremden, sondern mit dem Geschenk der Liebe verantwortlich umgehen. Die geistliche Tagesordnung hilft, die Beziehung zu Gott zu erhalten und neu zu ordnen. Im Mittelpunkt des Lebens der Ancillae steht die tägliche Feier der heiligen Messe. Es ist ihnen wertvoll, am Stundengebet der Kirche teilzunehmen. Die Welt wird ständig durch die Feier der Eucharistie und das Stundengebet umbetet. Da sie berufstätig sind, beteiligen sie sich durch das Gebet einer Tagzeit (Laudes, Vesper oder Komplet). In diesem liturgischen Gebet bekommen sie geistliche Nahrung, beten mit der Kirche und empfangen dabei das Wort Gottes, so durch die Psalmen und Lesungen.
Das Leben aus dem Glauben lässt sie aufmerksam und wach werden für den Dienst am Reich Gottes und hilft ihnen, Gottes Willen zu erkennen und zu gehorchen. Nachrichten fordern sie heraus zu fürbittendem Gebet.
Wie Maria, die Magd des Herrn, üben sie sich ein, dem Willen Gottes zur Verfügung zu stehen.


Hintergrund

Das Säkularinstitut (Weltgemeinschaft) der Ancillae ist eine geistliche Berufung zur engeren Nachfolge Christi. Weltweit sind sie im 20. Jahrhundert innerhalb der katholischen Kirche entstanden. Die Mitglieder leben allein oder in Gruppen. Papst Benedikt nannte sie Laboratorien für den Dialog mit der Welt. Papst Pius XII. hat 1947 in seiner Apostolischen Konstitution Provida Mater Ecclesiae diese neue Lebensform kirchlich anerkannt.
Das Säkularinstitut Ancillae wurde 1946 von Maria Perpetua Radlmair in Kempten gegründet. Entsprechend Satzung Kapitel 1 wollen die Mitglieder „dem Heilswillen des Dreifaltigen Gottes vorbehaltlos … dienen und diese Übereignung an Gott im weltlichen Lebensraum vollziehen.“
Aus dem Jawort Mariens „Siehe ich bin die Magd des Herrn. Lk 1,38“ wählte das Institut seinen Namen. Nach dem Beispiel Jesu richten die Mitglieder ihr Leben aus und wollen wie Christus arm, ehelos um des Himmelreiches Willen und gehorsam leben. „Durch das Charisma dieser Räte wissen sie sich berufen, den christlichen Weltauftrag total und ständig zu erfüllen und zwar in einem Leben inmitten der Welt im jeweiligen Beruf und in jeglicher Gesellschaftsschicht (Satzung Kap III, Nr.9)“. Die Gelübde, die sie ablegen, weisen auf das Ziel des Lebens- die Erfüllung bei Gott hin. Mit dieser Hoffnung verstehen sich die Ancillae als Pilger auf dieser Erde.

Kommentare

Das Gedicht "Kummerlos steht die im Hoffen unerschrockene Rose offen" stammt von dem Dichter Konrad Weiß, München, 1880-1940. Er war im katholischen verwurzelt und hat mehrere Werke in Lyrik und Prosa herausgebracht, ist aber heute fast vergessen. MfG ... M. Vinnemeier