07.09.2017

25 Jahre Bischof-Benno-Haus Schmochtitz

„Hier schlägt das Leben auf!“

Seit 25 Jahren ist das Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz katholische Bildungsstätte und Rückzugsoase, vor allem aber Ort der Begegnung, an dem Menschen einander für die Mitgestaltung der Gesellschaft inspirieren.


Abreise vom Bischof-Benno-Haus nach erfüllten Tagen in Gemeinschaft: Die Ruhestandspriester Alfred Bock und Günter Hanisch. | Fotos: Dorothee Wanzek

 

Die Ruhestandspriester des Bistums Dresden-Meißen beenden ihre Werkwoche, die 55plus-Gruppe aus der Weimarer Herz-Jesu-Pfarrei hat Halbzeit in ihrer Via-Sacra-Erkundungswoche, Bereitschaftspolizisten aus Bad Düben rüsten sich für eine neue Aufgabe. Im Frühstücksraum des Bischof-Benno-Hauses in der Nähe von Bautzen treffen sie am Morgen des 30. August alle zusammen. Jede Gruppe sitze für sich, doch man ist in Sichtweite miteinande verbunden.

„Zu vornehm, zu teuer?“ - Anfangs-Skepsis wurde von der Realität überholt
Pfarrer Dietmar Brosig kennt und schätzt das Haus seit der Eröffnung. Der Ruheständler aus Gera genießt jedesmal von Neuem die Gastfreundschaft und das Entgegenkommen der Mitarbeiter. Er kann sich noch gut an die skeptischen Stimmen aus der Planungszeit der Bildungsstätte erinnern. „Zu vornehm, zu teuer. Brauchen wir so etwas im Bistum  Dresden-Meißen wirklich?...“ Vor einigen Tagen hat er den damaligen Bischof Joachim Reinelt für seine Entschlusskraft gelobt: „Gott sei Dank, dass du die Kraft gehabt hast, das anzufangen und zu vollenden!“ Bischof Reinelt habe Weitsicht bewiesen, findet auch Pfarrer Günter Hanisch. Er selbst hat hier bereits mit Jugendgruppen übernachtet, als das Haus noch kirchlicher Landwirtschaftsbetrieb war, auf Doppelstockbetten und Strohsäcken: „Diese Zeiten sind vorbei“, sind sich die Priester einig.
Während sie ihre Koffer in die Autos packen, um zur Meißener Benno-Ausstellung oder direkt nach Hause zu fahren, bricht die Gruppe aus Weimar zu einer Bautzen-Stadtführung auf. Die Bereitschafspolizisten haben sich mit Polizei-Oberpfarrer Pater Andreas Bröckling zu einem Morgenimpuls in die Hauskapelle zurückgezogen. „Liebe eierlegende Wollmilchsäue“ spricht er die Polizisten an. Von ihnen werde erwartet, in unterschiedlichsten Situationen kompetent zu handeln, von Unfällen über Fußballspiele bis hin zu Großdemonstrationen. Demnächst muss das Team aus Bad Düben auch noch einen Teil der Nachwuchs-Ausbildung übernehmen. Gemeinsame dreieinhalb Tage im Bischof-Benno-Haus sollen die Polizisten stärken und ihnen das nötige Rüstzeug für die zusätzliche Aufgabe geben. Der Pfarrer hat heute morgen ein Paulus-Wort aus dem Korintherbrief für sie ausgesucht: „Wenn ich schwach bin, bin ich stark.“

Schmochtitz als Ausgangspunkt für Erkundungen in der Lausitz: Weimarer Reisegruppe kehrt von einem Ausflug zurück.

Seit er beim Leipziger Katholikentag auf das Bennohaus aufmerksam wurde, kommt er immer wieder mit Gruppen hierher, erzählt Andreas Bröckling, während sich die Polizisten zur Gruppenarbeit mit verschiedenen Referenten auf dem Gelände verteilen, egal ob es um berufsethische oder eher um religiöse Themen geht. Vier Stunden Fahrtzeit von seinem Standort in der Nähe von Kassel nimmt er gerne im Kauf, weil er die Bedingungen des Hauses ideal findet. Besonders gefällt ihm die offene Atmosphäre: „Menschen, die der Kirche sonst eher kritisch-ablehnend gegenüber stehen, treffen hier auf Christen, die ihren Glauben nicht verstecken, ihn aber in einer sehr sympathischen und unaufdringlichen Weise leben.“ Wichtig ist für ihn auch, dass man hier Verständnis für die besondere Situation der Polizei aufbringt. Dass Polizisten wegen eines dringenden Einsatzes von heute auf morgen absagen müssen, passiere relativ häufig. In Anbetracht seines kleinen Budgets sei er dankbar für das Entgegenkommen des Bischof-Benno-Hauses bei den Ausfallgebühren. Anders als in anderen kirchlichen Häusern habe er hier bei seinen Buchungsanfragen nie zu spüren bekommen, dass er als „unsicherer Kandidat“ unwillkommen sei.
„Das Haus profitiert sehr von der Vielfalt seiner Gäste“, findetPfarrer Michael Kleiner, der hier mit 70 Jahren noch einmal eine neue Aufgabe als Hausgeistlicher übernommen hat. Die Mitarbeiter nähmen hier mit sehr feinen Antennen auf, was die Gesellschaft gerade bewegt und wo es neuer Impulse bedürfe. Vieles davon finde sich dann im Programm des Hauses wieder.

Ein Team von Mitarbeitern aus  Verwaltung, Hauswirtschaft und Erwachsenenbildung steht für die Gäste bereit. Insgesamt hat das Bischof-Benno-Haus 24 Beschäftigte.

Katholisches Bildungshaus will nicht nur „im Kirchensüppchen rühren“
„Hier schlägt das Leben auf“, bestätigt Ansgar Hoffmann, pädagogischer Mitarbeiter im Benno-Haus. Er findet es wichtig, als katholisches Bildungshaus nicht nur „vor sich hin im Kirchensüppchen zu rühren“.
Selbstverständlich wolle man ein Zuhause bieten für kirchliche Familienkreise, bewährte Bistumskurse für Großeltern mit Enkeln, Bibel-Interessierte oder Singles. Ebenso willkommen sind aber Gäste aus dem Landes-Justizministerium, vom Kommunalen Sozialverband oder aus den Bautzner Netzwerken zur Demokratieförderung. Wenn Ansgar Hoffmann neu ankommenden Gästegruppen das Haus vorstellt, dann macht er deutlich, dass Religion mit der Deutung des Lebens zu tun hat und eng verknüpft ist mit Politik, Familie und allem, was zum Leben dazugehört.
Wenn seine Kollegin Maria Wenk die Gäste durch die hauseigene St.-Benno-Kirche führt, lenkt sie ihre Blicke auf die Mauern dieser Kirche, die für sie wie ein Sinnbild des Lebens im Bischof-Benno-Haus sind: Kleine und große unbehauene Feldsteine wurden hier zusammengefügt, sie tragen das Gebäude und machen es einzigartig.

Von Dorothee Wanzek