10.08.2017

Anstoss 32/2017

„Ich mach‘ dann mal den Pfarrer“

Ab und an spreche ich im Radio das „Augenblick mal“. So heißen beim MDR in Thüringen die „Worte zum Tag“, die von den Kirchen (evangelische, katholische und evangelische Freikirchen) gestaltet werden.


Die Aufnahme der einzelnen Beiträge übernimmt immer ein Techniker des Funkhauses, denn wir von den Kirchen sind darin nicht geschult. Die Aufnahmequalität muss ja stimmen. Also gab ich dem Techniker Bescheid, dass nun der Beitrag aufgenommen werden könne. Er rief schnell seinen Kollegen an, um ihm zu sagen, dass er mit mir zur Aufnahme gehe. Und das hörte sich so an: „Ich mach‘ dann mal den Pfarrer“. Wir mussten beide lachen.
Erstens bin ich ja katholisch und zweitens eine Frau. Also nix mit Pfarrer. Das sei inzwischen so ein geflügeltes Wort, meinte er. Jeder wisse im Funkhaus bei diesem Ausspruch, um was es gehe. Für mich geht das in Ordnung. Menschen, die kirchlich nicht beheimatet sind oder mehr noch, die mit Kirche nichts am Hut haben, müssen die Spitzfindigkeiten nicht kennen, wer in welcher Kirche Pfarrer werden kann oder nicht. Aus verschiedenen Gründen wissen sie auch nur sehr wenig bis hin zu gar nichts darüber, was Christentum und christliches Leben heißt.
Im Osten der Republik ist dies nachgewiesenermaßen besonders stark ausgeprägt. Ganz viele von ihnen, so sagen sie es jedenfalls, sind auch ohne Gott ganz glücklich. Obwohl ich selbst davon überzeugt bin, dass der Gottesglaube ein unschätzbarer Reichtum im Leben ist, den ich jedem nur wünschen kann, glaube ich ihnen.
Der erste Schritt, sie mit unserem Glauben bekannt zu machen, liegt sicherlich darin, sie in ihren Überzeugungen, ihrer Lebenswelt ernst zu nehmen. Doch der Auftrag Jesu steht: Aller Welt das Evangelium zu verkünden. Über den Glauben zu sprechen, ist nicht jedermanns Sache.
Jemand, der nie über seinen Glauben sprach, war Maria, die Mutter Jesu. Und doch wird sie Königin der Apostel genannt. Sie trug das Wort Gottes in sich und brachte es zur Welt. Das Wort Gottes in sich tragen und so den Menschen begegnen – das ist auch ein Weg, das Evangelium zu verkünden.

Andrea Wilke, Erfurt