„Good morning, Mother!“

Luise Binder (18) aus Leipzig ist seit September Freiwillige der Kolpingjugend-Gemeinschaftsdienste in Tansania. Was sie dort erlebt, darüber berichtet sie hier regelmäßig – heute über Erfolg und Misserfolg der Arbeit als Lehrerin.

Luise Binder beim Unterricht. Foto: Maximilian Riedel

Nachmittags. Die afrikanische Sonne steht fast noch im Zenit. Schweißperlen auf der Stirn. Unter diesen Bedingungen tanzen? Meine Schüler und ich machens vor. So wird die Wartezeit überbrückt, bis das neue Klassenfoto gemacht werden kann. Ein mit knapp hundert Kindern besetzter Kreis tanzt sich durch den Staub, begleitet von Lachen und Albernheiten. Ein Spaß, den sich die anderen Lehrer leider entgehen lassen. Zwischen mir und meinen Schülern entstehen immer mehr heitere Momente, alles sagende Blicke werden sich zugeworfen und dies auch im Unterrichtsalltag.
Ich unterrichte seit Schuljahresbeginn meine beiden Klassen 6 und 7 und bin immer noch begeistert. Jeden Tag überraschen wir uns im Unterricht gegenseitig. Auch auf Grund meiner zunehmenden Swahili-Kenntnisse sind am Rande bemerkte Witze möglich geworden und ich bemerke, wie nicht nur ich von der freundschaftlichen Grundstimmung profitiere. Ich bemühe mich trotz Zeitnot in der siebten Klasse meine Englischstunden so vielfältig wie möglich zu gestalten und die Kinder mit neuen Lehrmethoden vertraut zu machen. Nun hängen auch endlich die zahlreichen Lernplakate im Klassenraum, die meinem Unterricht als Grundlage dienen und den Raum ein wenig bunter machen. Ich habe immer häufiger das Gefühl vorwärts zu kommen und jedes Mal ein Kind mehr anzusprechen.
Ich verfolge das Ziel, über das hier so häufige Auswendiglernen hinwegzukommen und den Schülern die englische Sprache verständlich und nutzbar zu machen. Das gelingt immer mehr. Wenn ich jedoch die Klasse zum Unterrichtsanfang begrüße mit „Good morning boys and girls!“ (deutsch: Guten Morgen, Jungs und Mädchen!) und sie antworten „We are fine thank you mother!“ (deutsch: Uns gehts gut, danke, Mutter!), dann bemerke ich mit einem Schmunzeln, dass ich die Gewohnheiten noch nicht ganz durchbrechen konnte.


Luise Binder hat auch einen Internet-Blog: www.luise-in-tansania.blogspot.com