02.02.2017

Tipps für eine haltbare Partnerschaft

„Fahrtraining“ für die Ehe

Führerscheine für Verkehrsteilnehmer, Gebrauchsanweisungen für Tischleuchten sind üblich – aber was gibt es für die lebenslange Partnerschaft Ehe? Das erfahrene Ehepaar Roswitha und Andreas Gumprecht gibt Tipps.

„Brunnen der Begegnung“ in Haslach | Foto: Andreas Gumprecht

„Bei Sach- oder Personenschäden, die durch unsachgemäße Handhabung oder Nichtbeachtung der Sicherheitshinweise verursacht werden, wird keine Haftung übernommen“, so heißt es in einer Gebrauchsanweisung für eine Tischleuchte. Auf 28 Seiten informiert der Hersteller über dieses Produkt, über „Leuchte ein- und ausschalten“ oder „Reflektor /Spot ausrichten“. Wenngleich der Vergleich zwischen einer Tischleuchte und einer Ehe nicht möglich ist, muss die Frage gestattet sein, wieso es für die Ehe keine Gebrauchsanweisungen gibt – zumal dieses „Produkt“ lebenslang halten soll.
Eine Möglichkeit der Gebrauchsanweisung liefern erfahrene Ehepaare in dem Kurs „Mut zur Liebe“, der vom 17. bis 19. März im St. Wenzeslaus-Stift in Jauernick stattfindet. Veranstaltet wird er durch die Bistümer Görlitz und Dresden-Meißen, sowie die Marriage Encounter Gemeinschaft (ME) mit ihrem  weltweit anerkannten Konzept zur Belebung und Vertiefung der Liebe.

Jüngeres Ehepaar – näher an der Lebenswirklichkeit
Roswitha und Andreas Gumprecht ist eines der Ehepaare, die gemeinsam mit einem Priester solche Wochenenden leiteten. Sie gaben ihre Erfahrungen in Sachen Partnerschaft und Ehe an junge Paare weiter. Nun steigen sie aus dem Leitungsteam aus und dürfen nach Jahren der Verantwortung den Platz für ein jüngeres Paar freimachen. „Wir sind darüber sehr froh, zumal das jüngere Ehepaar viel näher an der Lebenswirklichkeit der Teilnehmenden ist“, so die gemeinsame Überzeugung der beiden.
Pfarrer Andreas Ginzel aus Bitterfeld wird erstmals in Jauernick dabei sein. Er hatte einen Kurs der ME-Gemeinschaft für Priester „Die Berufung neu erleben – mit ganzem Herzen Priester sein“, besucht, fand dort Antworten für sein Leben. Letztes Jahr „schnupperte“ er in einem Kurs, hat sich von den jungen Paaren begeistern lassen und ist begeistert, sodass er in Jauernick an Bord sein wird“, sagt Roswitha Gumprecht.
Ihr Mann Andreas nennt einen Grund, solch einen Ehevorbereitungs-Kurs zu besuchen: „Wer ein Kraftfahrzeug führen will, muss dafür zur Fahrschule und einen Führerschein vorweisen, um später keine Unfälle – vor allem keine Personenschäden zu verursachen. Bei der Ehe ist ein ,Führerschein‘ oder ähnliches nicht gefordert. Dieser Kurs ist eine Art Fahrtraining.“ Seine Frau ergänzt: „Miteinander gut ins Gespräch zu kommen – sich mitzuteilen und zuzuhören – gehört dazu, ist ein wesentlicher Punkt. Aus dem letzten Kurs schrieben uns Paare beispielsweise: ,Wir haben uns gegenseitig noch besser kennengelernt und sind uns näher gekommen.‘ Ein anderes Paar schrieb: ,Wir haben gelernt über Dinge zu sprechen, die wir sonst nicht oder viel weniger intensiv besprochen haben.‘ Auch folgende Rückmeldung gab es: ,Wir hatten ein ganzes Wochenende intensiv für uns und fanden es daher auch gut, hier zu übernachten, ohne Fernsehen und äußere Einflüsse / Alltag‘. Zeit füreinander haben, dies ist in den Kursen von den Paaren immer wieder positiv erwähnt worden“, sagt Roswitha Gumprecht.  „Nicht, dass sie die Zeit vorher nicht gehabt hätten – nur sie haben sie sich nicht genommen, um intensiv an ihrer Beziehung zu bauen. Zeit für die Liebe“ sei darum auch eine neue Überschrift für dieses Wochenende. Ein solches zu besuchen, „ist nur der Anfang eines gemeinsamen Weges, der möglichst offen, liebevoll und vertrauensvoll gestaltet werden sollte“, sagt Roswitha Gumprecht. Als Tipp gibt sie an: „Sich möglichst täglich 20 Minuten Zeit nehmen für ein Gespräch zu zweit über Organisatorisches hinaus.“
Eingeladen sind alle, die als Mann und Frau miteinander unterwegs und entschlossen sind, ihren Weg gemeinsam zu gestalten. Das Wochenende wird für Paare mit Hochzeitstermin als kirchliche Ehevorbereitung anerkannt. Es beginnt Freitag 19 Uhr und endet Sonntagnachmittag. Jeder Teilnehmer schaut auf sich selbst, auf die Beziehung und tauscht sich darüber ausschließlich mit dem Partner/der Partnerin aus. Es sind keine Gruppengespräche und Diskussionen geplant. Das Team spricht auch über seinen Glauben und darüber, wie die katholische Kirche die Ehe versteht. Eine bestimmte Konfessionszugehörigkeit oder Glaubenshaltung der Teilnehmer wird nicht vorausgesetzt.
Eine Mutter übernimmt für dieses Paar die Kosten
Nicht immer seien es die Paare selbst, die den Anstoß für die Teilnahme an diesen Kursen geben. „Eine Mutter hat ihre Tochter mit Partner nach Zwochau eingeladen und übernimmt für dieses Paar die Kosten“, sagt Roswitha Gumprecht erfreut. Über den Kurs für junge Paare hinaus gibt es solche für länger verheiratete. Der „Spruch ,Wir sind unterschiedlich. Und das ist gut so‘, verliert mit der Eheschließung oder nach einigen Jahren Ehe nicht die Gültigkeit“, sagt Andreas Gumprecht. Unter dem Thema „Die Liebe neu erleben“ findet vom 10. bis 12. Februar im Haus Dresden-Hoheneichen ein „Wochenende für die Beziehung“ statt. Dieser Kurs zeigt Wege auf, wie das gelingen kann. „Man kann ihn mit einem Verkehrssicherheits-Training vergleichen“, sagt Andreas Gumprecht.
Das, was für die Tischleuchte gilt, sollte im übertragenen Sinne um ein Vielfaches für die Ehe gelten, denn: Geht die Lampe kaputt, kann meist problemlos eine neue angeschafft werden. Für die Ehe gilt weder dieser Spruch, noch gibt es Garantieansprüche.
Details zu ME und zu den zwei Kursen: www.me-deutschland.de/kursangebote/

Von Raphael Schmidt