04.03.2015

"Ein lebendiges Bauwerk"

Diskussion zum Umbau der St.-Hedwigs-Kathedrale

Berlin. Der Entwurf für die Sanierung und Umgestaltung der St.Hedwigs-Kathedrale löst verschiedenste Reaktionen aus. Hier können Sie dieses Thema kommentieren.

So sieht der Entwurf für die Umgestaltung der Kathedrale aus. Foto: kna

Bereits Dompropst Prälat Ronald Rother sprach in einem Interview über den Umbau der St.-Hedwigs-Kathedrale. (Das vollständige Interview finden Sie hier.) Auch die Neue Züricher Zeitung bildete sich ein Urteil. Außerdem können auf der Homepage des Erzbistums die Fortschritte beobachtet werden. Doch hier können Sie Ihre persönliche Meinung kundtun und sich an der laufenden Diskussion beteiligen.

Nutzen Sie dafür bitte die Kommentarfunktion.

Kommentare

Ungereimtheiten in den Antworten von Dompropst Ronald Rother im Tag-des-Herrn-Interview vom 21. Dezember "Ein lebendiges Bauwerk" 1. Rother sagt: "Eine komplette Sanierung stoppen kann er nicht." Damit unterstellt er fälschlicherweise, dass Weihbischof Matthias Heinrich dies in Erwägung gezogen hätte. Heinrich hat hingegen nur öffentlich geäußert, dass "die umstrittene Neugestaltung ungewiss sei". 2. Rother sagt: "Wir haben einen sehr offenen Wettbewerb ohne große Vorgaben ausgeschrieben." Richtig ist, dass die Schließung des "Lochs" oberste Priorität für Entwürfe war. 3. Rother sagt: "Eine architektonische Einmaligkeit wird weiterentwickelt und verbessert." Richtig ist das Gegenteil. 4. Rother sagt: "Der neue Zugang zur Unterkirche kann benutzt werden, ohne das Geschehen in der Oberkirche zu stören." Aber: Ist das wirklich ein Problem, dessen Lösung einen radikalen Umbau und enorme Kosten rechtfertigt? 5. Rother sagt: Es gebe "genügend Orte ..., in denen die Kirchen seit dem II. Vatikanum bereits zum zweiten Mal umgebaut wurden (... Münster ... - um nur einige Bischofsstädte zu nennen)." Ich weiß von Münster, dass dies nicht der Fall ist. 6. Rother sagt: "Der Kirchenvorstand hat zunächst mich als Dompropst beauftragt. Eine Einbindung gab es also." Aber: Genügt eine einmalige "Beauftragung", die Interessen der Domgemeinde zu vertreten? Walter Plümpe Eschengraben 20 13189 Berlin

Antwort auf den Kommentar von W. Plümpe:

Wegen des Stopps von Leserbriefen im „Tag des Herrn“, hatte ich das Interesse an der Lektüre zeitweise verloren. Deshalb fiel mir erst verspätet das Interview und der klare Kommentar von Herrn Plümpe ins Auge.
Gut, dass es Gläubige gibt, die sich aktiv für das Wohl der Kirche und unseres Erzbistums einsetzen und mit Ihrem Namen für ihren Standpunkt einstehen. Was befürchten diejenigen, die sich trotz Bedenken nur intern äußern und ansonsten schweigen?
Herr Plümpe deckt mit erfrischender Klarheit und knappem Ausdruck die Ausweichmanöver auf, die der Dompropst Prälat Rother in diesem Interview unternimmt. In den Antworten des Dompropsts wird mit Fachausdrücken operiert, die weder zu den Fragen noch zu den Tatsachen passen. So entsteht bei den Laien nur Verwirrung und sie nehmen irrig an, dass die für sie unverständlichen Äußerungen von Kompetenz zeugen. Nur Fachleute durchschauen diesen Irrtum.
Im Interview gibt es viele Worthülsen, wo man Aussagen erwartete. Doch der Kommentar von Herrn Plümpe gibt dem Leser Hoffnung, dass es noch mehr Gläubige mit Selbstbewusstsein geben könnte, die sich mit derartigen Auslassungen von Verantwortlichen nicht abspeisen lassen.

M. Helge, Domgemeinde St. Hedwig, E-Mail: bewahren@online.de)

Erfreulich, dass der „Tag des Herrn“ nach der zwischenzeitlichen Aufgabe journalistischer Tätigkeit zum Thema „Kathedrale“ (Mitteilung vom 2. 11. 2014) nun wieder tätig wird und Lesern die Gelegenheit zur Teilhabe an der Meinungsbildung eröffnet. Die Fragen der Autorin Alexandra Wolff zeugen von sorgfältiger Recherche und engagierter Vorbereitung. Das Anliegen des Artikels, dem Leser aktuelle Informationen zu unterbreiten, war zu loben. Das Ergebnis eines Interviews kann aber auch eine gute Journalistin nicht beeinflussen. Denn die Antworten von Dompropst Prälat Rother offenbaren, dass ihm eher an der Darstellung seiner verantwortungsvollen Aufgabe, seines jovialen Umgangs mit Detailfragen und der Bedeutung seines Amtes gelegen ist, wie es die Art seines Porträts unterstreicht. Von dieser erhobenen Position aus ruft Prälat Rother übrigens seit Weihnachten auf Informationstafeln in der Kathedrale zu „Fragen, Anregungen und Kritik“ sogar per E-Mail auf. Nach eigenen Erfahrungen sind nette Floskeln, aber keine Informationen zu erwarten. Konkrete Fragen werden einfach übergangen. Zum Artikel: Das eine Sanierung erforderlich ist, steht außer Zweifel. Der Dompropst stellt aber die Weiterführung der Planungsarbeiten am Umbauentwurf als Entscheidungsvorbereitung für den künftigen Erzbischof dar. Es werden also 1,5 Mio. Euro einseitig in die planerische Vorbereitung des Umbaus investiert. Wie kann sich der neue Erzbischof dann noch für eine sparsame respektvolle Sanierung und gegen einen kostspieligen kompletten Umbau mit Teilabriss der Innenausstattung entscheiden? Das voreilig für Umbauplanung ausgegebene Geld wäre nutzlos verloren. Damit wird also der künftige Erzbischof nicht unterstützt, sondern unter Druck gesetzt, nur zu bestätigen, was die zwischenzeitliche Leitung bereits vorab selbst entschieden hat. Das Ergebnis eines Realisierungswettbewerbs, der das Erzbistum 800.000 Euro gekostet hat, muss die Qualität aufweisen, als Entscheidungsgrundlage zu dienen, wie es die erwähnten Richtlinie RPW 2013 auch vorsieht. Der Verweis Prälat Rothers auf nun erst zu beauftragende Baugrundgutachten ist ein plakativer Vorwand und eine Irreführung – Bereits vor 15 Monaten hätte das Baugrundgutachten in Vorbereitung des Realisierungswettbewerbs für die Planer des Wettbewerbs vorliegen müssen. Dieses Versäumnis ist angesichts des lange bekannten Fiaskos der benachbarten Staatsopernbaustelle dem Erzbistum schwer anzulasten, da es zu hohen Folgekosten und der Bestandsgefährdung der Kathedrale führen kann. Jeder vorausschauende Bauherr kann und wird bei Unsicherheiten bezüglich des Baugrunds, ohne Planer beauftragt haben zu müssen, Geologen oder Tiefbauingenieure im Vorfeld von Baumaßnahmen konsultieren und ggf. mit Gutachten oder Voruntersuchungen beauftragen. Das eigene Versäumnis des Erzbistums, nun auch noch zur Rechtfertigung weiterer Geldausgaben zu instrumentalisieren, ist skrupellos und irreführend. Es besteht keine Abhängigkeit zwischen Fortsetzung der Umbauplanung und Einholung von Baugrundgutachten. Wenn dies jedoch, wie in diesem Artikel vom Dompropst getan, auch gegenüber dem Diözesanvermögensverwaltungsrat (DVR) anders dargestellt worden war, musste der DVR die Freigabe zusätzlicher Mittel beschließen. Bei Offenlegung der fachlichen Tatsachen werden sich deren Mitglieder getäuscht sehen. Die Leser sollten nach der Lektüre dieses Interviews auf anderweitig recherchierte Informationen aus dem „Tag des Herrn“ drängen. Wenn unabhängige Fachleute, Kunstexperten, Theologen und Liturgiewissenschaftler (s. dazu „offener Brief an …Kardinal Marx“ vom 31. 10. 2014; sowie Informationen der Internetseite: st-hedwig-berlin.blogspot.de) mit kompetenten Analysen und Kommentaren zu Wort kämen, könnten sich die Katholiken im Erzbistum Berlin eine Meinung bilden, was das Beste für ihre Bischofskirche wäre. Schließlich sind es die Gläubigen, die zu Spenden aufgerufen werden und mit Dutzenden Millionen das bezahlen sollen, was mit ihrer Kathedrale geplant wird. M. Helge, Domgemeinde St. Hedwig, E-Mail: bewahren@online.de)

Ich finde man sollte das Geld für den aus meiner Sicht mehr als fragwürdigen Umbau in die Basisarbeit stecken. Denn was nützt mir ein frisch umgebautes Kirchengebäude, wenn es keine Gläubigen mehr gibt! Für 50 Millionen Euro kann man 10 Jahre lang 100 Gemeindereferenten bei einem geschätzten Finanzbedarf von 50 000 €/Jahr anstellen.

Ich habe mich sehr gefreut, ausgerechnet aus der fernen Schweiz einen so fundierten und wertschätzenden, aber auch - und vor allem - so gelassenen Artikel über unsere Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale lesen zu können.
Vielleicht ist der größere Abstand auch hilfreich für eine Debatte, die im Erzbistum Berlin nicht erst unter Kardinal Woelki intensiv geführt wurde.
Schon dessen Vorgänger, Kardinal Sterzinsky, hatte die anstehenden Probleme erkannt, seine schwere Erkrankung verhinderten jedoch eine frühere Beschäftigung mit dem wichtigen Projekt.
Als einfacher Gläubiger und regelmäßiger Besucher der St.-Hedwigs-Kathedrale - zum Gebet, zu Gottesdiensten, aber auch mit Gästen aus aller Welt - erlebe ich die Dringlichkeit einer Sanierung unserer Bischofskirche immer wieder neu. Und ich bin dankbar,dass Kardinal Woelki diese Dringlichkeit zum Anlass genommen hat, über eine behutsame Umgestaltung nachzudenken und sie in Angriff zu nehmen, auch weil die St.-Hedwigs-Kathedrale im Herzen der deutschen Hauptstadt eine bedeutende Strahlkraft bewirkt.
Mein Eindruck: Leo Zogmayer und Peter Sichau haben das Pantheon verstanden, sie haben den alten Fritz verstanden; sie werden aber auch Hans Schippert und dem Wiederaufbau nach dem Krieg gerecht.
Und - was vielleicht noch wichtiger ist: Sie verstecken sich nicht mit ihrem preisgekrönten Entwurf, sie sind offen für eine breite Diskussion und Auseinandersetzung, um die beste Lösung für St. Hedwig zu realisieren.

Hermann Gerbaulet, Honorarkonsul von Jamaica

Zunächst Dank der Redaktion dafür, daß sie eine offene Diskussion über den Kathedralumbau ermöglicht. Das ist im Erzbistum Berlin durchaus nicht selbstverständlich.
Ich möchte mich zu einem Aspekt des Umbauverfahrens äußern, der bisher kaum jemanden - am wenigsten die Bistumsleitung, wie das Interview mit dem Dompropst eindrucksvoll belegt - zu interessieren scheint. Er betrifft die Frage, wie die durch den Umbau Hauptbetroffenen zu dem Umbau stehen. Hauptbetroffene sind die Gläubigen aus allen Teilen des Bistums, die in den vergangenen Jahrzehnten in St. Hedwig mit ihren Bischöfen ungeachtet der Bodenöffnung festliche Gottesdienste feiern konnten und nun bei einer Realisierung des prämierten Entwurfs auf unabsehbare Dauer ihren kirchlichen Mittelpunkt verlieren werden (was die zeitliche Dimension anbelangt, läßt die benachbarte Staatsoper grüßen). Und zu einer Zeit, in der ihr bisheriger Erzbischof mehrfach öffentlich erklärt hat, das Bistum könne den Religionsunterricht nicht mehr im bisherigen Umfang finanzieren, werden sie für Umbaukosten in zweistelliger Millionenhöhe herangezogen, ohne daß irgendjemand es für angezeigt hält, sie zu fragen, ob ihnen die Seelsorge für ihre Kinder und Jugendlichen nicht doch wichtiger als ein Kirchenumbau ist und obgleich es doch um ihr Geld geht, über das die Bistumsleitung nur treuhänderisch verfügt.
Der Papst hat, sicher aus gutem Grund, die Bischöfe mehrfach ermahnt, sich nicht länger wie absolutistische Kirchenfürsten aufzuführen, sondern auch bei der Wahrnehmung ihrer kirchenrechtlichen Befugnisse mit den ihnen anvertrauten Gläubigen geschwisterlich zusammenzuarbeiten. Wie ernst ihm diese Mahnung ist, hat sich darin gezeigt, daß er selbst sogar zum Bereich der Ehe- und Sexualmoral, für den anders als für Baumaßnahmen allein das Lehramt zuständig ist, das Kirchenvolk angehört hat. Nichts wäre leichter, als bei einem für das Bistumsvolk so bedeutsamen Projekt wie dem Umbau der Kathedrale diesem Beispiel zu folgen, an ein oder zwei Wochenenden die Gottesdienstbesucher zu dem Umbauvorhaben zu befragen und die Ergebnisse der Befragung in die endgültige Entscheidung einzubeziehen. Daß zahlreiche Gläubige sich sehr gern äußern würden, können Sie in wirklich jedem Gespräch feststellen.
Geschehen wird dennoch aller Voraussicht nach nichts, zum einen, weil die Kirchenleitung selbst weiß, wie gering bei den Gläubigen die Begeisterung für dieses Vorhaben ist, wohl aber auch aufgrund einer fortbestehenden grundsätzlichen Geringschätzung der Laien durch den Klerus. Nur sollte sich unter diese Umständen niemand wundern, wenn die Kirchenaustrittszahlen gerade bei der jüngeren Generation weiter ansteigen.

Sehr viele Ihrer Ansichten sprechen mit voll aus dem Herzen. Nur das meiste Geld werden Sponsoren geben, um sich ein Denkmal zu setzen. Für die Leitung des Erzbistums gilt: "Es ist sündhaft um Gelder für diesen Zweck zu betteln!" Die Kathedrale muss dringend saniert, aber nicht umgebaut werden, denn sie ist voll funktionsfähig.

Zwei Fragen:
Wäre dieser Umbau mit seine hohen Kosten im Sinne des Papstes?
Was würde Jesus zu diesem Vorhaben sagen?

Die Kathedrale ist voll funktionstüchtig und hohe Kosten sind gewiss nicht im Sinne des Papstes. Was Jesus sagen würde, will ich mir jetzt nicht anmaßen hinzuzufügen. Eine Sanierung ist offiziell notwendig, dann sollte es aber auch eine Sanierung sein! Am besten sollte man das Gebäude unter Denkmalschutz stellen!

Muss man eigentlich noch den "Tag des Herrn" kaufen, wenn die interessanten Diskussionen ohnehin in das Internet verbannt werden?

Selbst, wenn wir im Geld schwimmen würden, halte ich es nicht für sinnvoll, Millionen dafür auzugeben. Es ist schade für meine bisherigen Spenden, wenn die Not der Welt nicht mehr gesehen wird. Sollte das Geld für gerechte Bezahlung für alle Mitarbeiter der Caritas Verwendung finden. Nicht, dass die einen nach der AVR und die anderen nach Pseudotarifen ihr Gehalt bekommen.
Norbert Mann, Stralsund

Nachdem uns im Tag des Herrn vom 2. November 2014 ein Schreib- und Denkverbot bezüglich der architektonischen Misshandlung der Kathedrale des Erzbistums verordnet worden war, meinen sich die Entscheider Ermutigung zu erhoffen, durch eine so ferne provinzielle Neue Züricher Zeitung: "Eine Kathedrale des 21. Jahrhunderts"
Im Entwurf ist aber keine Kathedra zu sehen, der Ort, wo in apostolischer Verantwortung das Wort Christi zu verkündigen ist; dem neuheidnischen Journalisten ist das vermutlich nicht bekannt. Ein Ort für den Tabernakel scheint auch nicht vorgesehen zu sein oder er ist verschämt versteckt im Sinne des 21. Jahrhunderts.
In einer Kathedrale des 21. Jahrhunderts könnten dann im Sinne des ersten Gönners, des Preußenkönigs Friedrichs II., die Konchen der Kirche als Treff für multikulti wie "pro asyl", "amnesty", "green peace", "pro lesben", pro bischöfin", ... und alles, was sich auf Katholikentagen inzwischen fest etabliert hat, genutzt werden.
Die diffamierte "Tiefgarage" würde dann der Ort – wenn auch schwer zugänglich – wo "die wahren Beter den Vater anbeten werden" (Joh 4, 23). Dann werden die Christen dorthin zurückkehren, woher sie einmal gekommen sind: in die Katakomben.
Pfarrer i. R. Norbert Illmann

Vielen Dank für Ihre Ermutigung im Tag des Herrn (Nr. 10/2015; S. 1), Stellung zum geplanten Umbau von St. Hedwig zu nehemn.
Schade, dass Erzbischof Woelki nicht mit einer Pastoral der kleinen Herde begann (bei einer so bedrohlichen Situation der Gemeinden), sondern mit dem Umbau von St. Hedwig, der dazu noch unnötig ist. Mit vollendeten Tatsachen sollten Kirchenvolk und Denkmalpflege überrumpelt werden.
Nun mögen Dompropst Rother und Bischof Woelki bereits riesige Kosten aus eigener Tasche bezahlt haben, doch wie will man weiterhin Spendensammlungen rechtfertigen?

Außerdem habe ich folgende konstruktive Vorschläge:
Der Bischof sollte nicht als Single irgendwo zur Miete wohnen, sondern sollte eher als Hausvater auch Hausherr sein, offen für alle. Dafür wäre meines Erachtens St. Pius gut geeignet. Kirche und Pfarrhaus mit Garten sind mitten in der Stadt und stehen souverän und frei. Das Haus kann angepasst und erweitert werden. Es könnte ein Bischofssitz für die Zukunft sein.
Und die Kathedrale sollte bleiben, wie sie ist.
Wer mag den Umbau von St. Hedwig auf dem Gewissen haben? Er bedeutet neue Zerstörung und das ohne Krieg. Und wenn das vor Gott ein Ärgernis wäre und gegen den Geist von Papst Franziskus ist, wie soll dann die Pastoral gelingen?
Die bibel-theologische Konzeption in St. Hedwig dürfte weltweit einmalig sein, auch zeitlos. Auf der Säule mit dem Allerheiligsten ruht oben der Altar, der Bischofssitz symbolisiert den Stuhl Petri und rings herum ist das ganze Volk Gottes. Das heißt, dass die Kirche vom fortlebenden Christus in der Eucharistie getragen wird.
Der neue Entwurf ist dagegen wie leer.
Also Hände weg von St. Hedwig.
Und möge der neue Bischof nicht mit Sorgen und Altlasten unnötig belastet werden. Dem Dompropst möge eine Pfarre auf dem Lande gegeben werden.

In Sorge, Gerhard Zwerschke

Der Wettbewerb zur Umgestaltung der St.-Hedwigs-Kathedrale ist abgeschlossen. Ein Siegerentwurf wurde gekürt und honoriert. Erzbischof Woelki, der mit unserer Kathedrale nicht klar kam, ist wieder in Köln. Es ist also an der Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen und die dringend nötige Sanierung der Kirche in Angriff zu nehmen. Danach, mit einigen dabei vorgenommenen behutsamen Änderungen/ Ergänzungen (Belüftungsanlage/ Fahrstuhl zur Unterkirche/ Installation einer Videoleinwand in der Unterkirche und von Kameras im oberen Raum, damit die Gemeinde in der Unterkirche während Pontifikalämtern nicht nur akustisch teilnehmen kann ...), könnten wir uns dann wieder in einem würdigen, zeitgemäßen Gotteshaus, das weiterhin „unsere“ Kathedrale ist, zum Gottesdienst versammeln.
Warum soll ein hypermoderner, kahler, kalter Raum (weiße Wände, weißer Fußboden – an Krankenhaus oder Fleischerei erinnernd – dazu bei Matschwetter höchst unpraktisch), ohne Atmosphäre, gebaut werden, mit einem Altar in der Mitte, der ab der 2. Stuhlreihe, auch bei versetzt angeordneten Sitzgelegenheiten, nicht mehr gesehen werden kann?
Warum wird erklärt, dass die jetzige Orgel erhalten bleibt, wenn bekannt ist, dass dies bei Realisierung des Siegermodells unmöglich ist? Warum wird verschwiegen, dass der „Alltagsbetrieb“ (Früh- und Abendmessen in der Woche) wegen Fehlens geeigneter Räumlichkeiten nicht wie bisher möglich sein wird? In der Unterkirche soll zukünftig in der Mitte des Raumes ein großes Taufbecken im Fußboden eingelassen sein, um das einige Stühle angeordnet sind. Ein kleiner Altar steht an der Seite. Auch die in der jetzigen Sakristei geplante Sakramentskapelle ist zu klein (zudem fehlt ein Altar). Die Funktionsräume (Sakristei, Probenräume für den Chor …) sollen unterirdisch zwischen Kirche und Lichtenberghaus liegen.
Warum scheut man keine Kosten (viele Millionen Euro), keine Zeit (sehr lange Bauzeit ist zu veranschlagen) und keine Mühen (z.B. Schwierigkeiten durch das Grundwasser – siehe U-Bahn und Staatsoper), um das von Vielen abgelehnte Projekt gegen eine immer noch recht teure, aber guten Gewissens vertretbare Lösung durchzudrücken?

Ob man Schwipperts Raumkonzept mag oder nicht, ist für den vorliegenden Siegerentwurf vollkommen unerheblich. Auch die Artikel zur Kunsthistorie sind zwar informativ, bringen für das Raumkonzept aber kaum Zählbares. Lange kann man über die Unterkirche (das Loch) diskutieren und denkmalpflegerische Einwände vorbringen, wenn ein herausragender Entwurf vorliegen würde, würde sich jegliche Kritik in Luftblasen auflösen! Bei den über 1000 eingereichten Entwürfen gab es durchaus gute und überzeugende Lösungen, diese wurden jedoch rausjuriert. Alles sollte auf Sichau und Zogmeyer hinauslaufen, dafür sorgten Kraemer und sein Duzfreund Kulka, beide gehörten der Jury an. Und: Der Sieger war bis vor kurzen noch in Peter Kulkas Büro angestellt, na sowas? Wenn das Ergebnis wirklich stimmen würde, wenn ein Sakralraum entstehen würde, also ein Ort der zum Gebet einlädt, dann könnte man sagen: "Gut, Augen zu und durch." Dem ist aber nicht so: Weiße Wände, Milchglasscheiben, Kreisaltar, Stuhlkreis und mehr. Der Entwurf ist so schwach, besonders gestalterisch, dass ich nicht glauben mag, dass Zogmeyer sich Künstler nennt. Um es abzukürzen: Dieser Raum soll der heutigen Pastoral genügen: Eine Pastoral, die nur noch um sich selber kreist und ihre Stuhlkreise in den Mittelpunkt des Handelns stellt, ist wertlos.
Theo Gutzeit, München

Am letzten Sonntag war ich mal wieder in St.Hedwig zum Hochamt. Angesichts drohender Zerstörung schaut man wehmütig und empört, aber auch deutlicher auf diesen herrlichen, seit Jahrzehnten vertrauten Raum, der es bei seiner modernen Liturgiefähigkeit und Ästhetik, in seiner künstlerischen Gestaltung mit wertvollsten Materialien nicht verdient, so billig geschändet und verschandelt zu werden. Vor allem frage ich mich: Warum, weshalb diese angedrohte Aktion? Ich vermag es nicht zu verstehen! Und selbst das Domkapitel als verantwortlicher Betreiber dieses unbegreiflichen Vorhabens vermag es nicht, wenn überhaupt zu antworten, dieses mit belastbaren Argumenten zu tun. Kann man es ja ehrlichen Herzens auch gar nicht. Wer oder was steckt eigentlich hinter diesem raffiniert eingefädelten Projekt, für das es sogar schon anonyme Großspender mit zweckgebundenen Zuwendungen geben soll? Kardinal Woelki und dem Berliner Domkapitel allein traue ich einen solchen unsinnigen Kraftakt nicht zu. Erzbischof Woelki kam ja wohl bereits ausgestattet mit dem Wissen künftiger, großer Baumaßnahmen nach Berlin, vor dessen persönlichen Belastungen er sich basisnah zum Wedding rettete. Spekulationen....?? Ich möchte an dieser Stelle entschieden meine Meinung kundtun,dass ich gegen einen Umbau von St. Hedwig bin. Und ich kenne viele Gleichdenkende, die sich wünschten, es gäbe eine das Vertrauen der Amtskirche genießende Stelle, die bereit wäre, Unerschriften in diesem Sinne zu sammeln. Als Entscheidungshilfe für den kommenden Erzbischof.
Bernhard Schymalla, Berlin

Sehr geehrter Herr Schymalla, sehr geehrtes Domkapitel, und wenn die Preßlufthämmer mit dem Abriß beginnen würden, dann hätten wir wieder einen neuen Skandal in der Katholischen Kirche, den die deutsche Presse dann richtig ausschlachten würde... Dies aber können die katholischen Laien noch verhindern, wenn der zukünftige neue Erzbischof auf die echten kritischen Stimmen hört und das Vorhaben stoppt. Ich frage mich auch, warum keine Unterschriftensammlung in unseren Kirchen gegen den Umbau unserer Kathedrale stattfindet? Die gesamte Kathedrale steht auch unter Denkmalschutz! Frage: Darf man sich darüber hinwegsetzen? Und das viele Geld? Ist es im Sinne Jesu für einen Abriß einer funktionierenden und der Liturgiereform entsprechenden Kirche, sowie deren Umbau, Geld zu sammeln? Wir sollten konkret eine Kirche für Bedrängte und für Arme sein! Wenn die Preßlufthämmer mit den Abrißarbeiten beginnen, würde wohl wieder ein Anstieg der Kirchenaustritte zu verzeichnen sein. Will das der neue Erzbischof verantworten?

Nun gibt es einen Untersuchungsausschuss zu den Problemen der Berliner Staatsoper. Einen innerkirchlichen Untersuchungsausschuss zu den Problemen mit der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale sollte es ebenfalls geben, bevor er von außen, weil nötig, gefordert wird. Bis jetzt sind über 2 Millionen Euro freigegeben und große Teile davon schon verbraucht worden. Woher kam das Geld? Wer hat es bewilligt? Welche Begründungen gab es von wem und warum, dass sogar nach Abschluss des Realisierungswettbewerbes im Dezember 2014 1,5 Mio. Euro (Pressemitteilung des Erzbistums Berlin) zur Fortführung der Arbeiten zum Kathedralumbau freigegeben wurden? Auch könnte hier, an dieser Stelle, die Leitung des Erzbistums Berlin zu all den Kommentaren Antworten geben.

Mir ist nicht ganz klar, was JETZT eine Diskussion zum Umbau soll. Wem soll sie nützen, wozu soll sie dienen?
Wichtig ist: Die Kathedrale in ihrer jetzigen Form ist für Gottesdienste mit Kindern und Familien NICHT geeignet. Das Loch muss zu, die Menschen müssen näher beieinander sein können. Liturgie mit Kindern ist das, was auf Dauer unsere Kirche am Leben hält. Also müssen wir dringend auch in diese Richtung sehen.
Ob der derzeitige Siegerentwurf dafür das Nonplusultra ist, weiß ich nicht. Vielleicht darf da jemand noch mal ran.

JETZT, nachdem der Realisierungswettbewerb beendet ist, sind weitere 1,5 Mio. € zur Fortführung der Planungsarbeiten, damit der Siegerentwurf umgesetzt werden kann, freigegeben worden. Zurzeit hat des Erzbistum Berlin keinen Bischof der die Genehmigung zur Einreichung der Unterlagen, um die Baugenehmigung zu erhalten, erteilen könnte. Die Kathedrale wurde seit 1963 für Gottesdienste, auch mit Kindern, genutzt und NIE gab es Klagen, dass der Kirchenraum für Familien mit Kindern nicht geeignet sei. Warum JETZT? Wieso muss das "Loch" zu? Das diffamierende Wort "Loch" benutzte Kardinal Woelki erstmals selbst und keine "Berliner Schnauze" hat es jemals für die Öffnung zur Unterkirche verwendet, wie Kardinal Woelki zu seiner Entschuldigung behauptete. Kennen Sie das liturgische Konzept der Öffnung? Übrigens entspricht der Altarraum von 1963 ganz den Beschlüssen des II. Vat. Konzils von 1965. Deshalb steht auch der Innenraum der Kathedrale unter Denkmalschutz, den man mit fadenscheinigen Begründungen umgehen will.
J. Manderla, Berlin

Natürlich muss man, um eine Entscheidung treffen, kalkulieren zu können, planmäßig Bauuntersuchungen durchführen, um etwas über Aufwand, "böse Fallen", Kosten etc. sagen zu können. Genauso wird es vermutlich einen Kostenvoranschlag geben, der NUR die Sanierung beziffert. Auf den bin ich übrigens neugierig. Für 200 EUR mit einem Ehrenamtlichen, den man mit einem Farbtopf bewaffnet von der Decke abseilt und schwingend streichen lässt, während unten der Betrieb läuft, wird das wohl kaum zu machen sein... Es gab übrigens nach meinem Kenntnisstand im Erzbistum immer Leute, die vom "Loch" sprachen.
Noch ein Wort zum Denkmalschutz: Der muss immer nach Erhalt rufen, was denn sonst. Das ist seine ureigenste Aufgabe. Nach dem, was ich gelesen habe, hat der auch aufgeschrien, als Schwippert auf die Idee kam, eine große Öffnung in den von Anfang an geschlossenen Boden zu sägen, den selbst der Krieg verschont hatte. Bringen wir´s doch auf den Punkt: Es gibt Befürworter und Gegner des Umbaus, und jeder hat seine Argumente und darf sie auch haben. Ich finde es nur unterirdisch, handelnde Personen zu diskreditieren und daraus einen Glaubenskrieg zu machen. In der Tat: Genau so entstehen Kriege.
Herzlichst - U. Beuth aus dem Land Brandenburg

Sehr geehrter Herr Beuth, nach Berechnungen des Bauamts des Erzbischöflichen Ordinariats wird eine umfassende Sanierung der Kathedrale ca. 5 - 7 Mio. Euro kosten. Der Umbau dürfte 60 - 80 Mio. Euro kosten, wenn keinerlei Probleme mit dem Baugrund auftreten, die bei der benachbarten Staatsoper die Kosten voraussichtlich um bis zu 100 Mio. Euro werden ansteigen lassen (s. Untersuchungsausschuss zur Staatsoper). Da die vorliegende Kostenschätzung des Realisierungswettbewerbs von den Verantwortlichen nicht bekanntgegeben wird, müssen wir uns vorerst mit dieser Schätzung begnügen, der von den Verantwortlichen jedoch nicht widersprochen wurde. Damit wird die Kostenannahme wohl noch am unteren Rand liegen. Hinzu kämen dann noch die Ausgaben für den Um- und Neubau des Bernhard-Lichtenberg-Hauses, der zur Stärkung der Hauptstadtpräsenz vorgesehen ist, aber noch nicht so konkret, wie der Kathedralumbau, planerisch vorbereitet wird. Offenbar trügt Ihr Kenntnisstand, denn der Begriff „das Loch“ wurde vor Kardinal Woelkis Amtsantritt in Berlin nicht im Zusammenhang mit der Kathedrale verwendet. Er wurde erstmals 2012 von der Kölner Dombaumeisterin, Frau Prof. Schock-Werner, in einem Artikel des Kölner Stadt-Anzeigers für die St.-Hedwigs-Kathedrale geprägt ("Abschied einer Meisterin"). Wie dieser diffamierende Ausdruck den Weg von Köln nach Berlin fand, kann man nur mutmaßen. Schade, dass es so wenig Informationen zur bestehenden Kathedrale und den neuerdings forcierten Umbauplanungen von offizieller Seite gibt, wie sich in den Überlegungen der Gläubigen auf dieser verdienstvollen Gesprächsplattform zeigt.
M. Helge, Domgemeinde St. Hedwig, E-Mail: bewahren@online.de

Normalerweise läßt ein Bauherr vor der Auslobung eines Realisierungswettbewerbes den Baugrund untersuchen, damit die Architekten wissen, worauf sie sich einlassen müssen. Auch gehört zu jedem eingereichten Entwurf der Architekten eine differenzierte Kostenschätzung.
Da aber der Bauherr keine maximal einzuhaltende Obergrenze für die Kosten vorgegeben hat, scheinen die Kosten sehr, sehr hoch zu sein, denn das Erzbistum will die geschätzte Bausumme nicht bekannt geben, da sie nicht "belastbar" ist. Jeder weiß, dass meist die Kosten weiter steigen, wenn der Bau erst einmal begonnen wurde. Auch ich bin neugierig, wie hoch die geschätzten Kosten des Siegerentwurfs sind.
Welche "Leute" kennen Sie, die schon vor 2012 vom "Loch" sprachen? Das Wort "Loch" hat der ehemalige Berliner und jetzige Kölner Erzbischof mit Absicht benutzt, um so den von ihm gewollten Umbau der Kathedrale besser begründen und die Architektur der Kathedrale weiter ins Negative ziehen zu können. Für die Öffnung zur Unterkirche gibt es eine klare und gute theologische Begründung!

Sie wollen es auf den Punkt bringen und meinen, dass handelnde Personen diskreditiert wurden und so ein Glaubenskrieg begonnen wird.
Welche Personen wurden denn mit unwahren Begründungen diskreditiert? Wenn man eine ehrliche und offene Diskussion auf Augenhöhe über unterschiedliche Ansichten führt, kann auch kein "Krieg" entstehen! Wer sich aber einer solchen Diskussion verweigert , wird wahrscheinlich irgendwann zur "Keule" greifen. Nur so entstehen "Kriege"!

Herzliche Grüße aus Berlin

"Mir ist nicht ganz klar, was JETZT eine Diskussion zum Umbau soll. Wem soll sie nützen, wozu soll sie dienen?" - Naja, entschieden ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nichts. Die Entscheidung Umbau oder nur Anstrich kann und wird nur ein neuer Erzbischof treffen können. Der Entscheid gehört nun vorbereitet, alle relevanten Aspekte und Daten rund um die Kathedrale erhoben. Der Architektenwettbewerb war sozusagen das Ausschreibungsverfahren. Ich denke nicht, dass es Sinn macht, über die Farbe der Lampen und die Größe des Altars jedesmal eine Volksbefragung abzuhalten. Wäre die Diskussion vor dem Verfahren gekommen, wem hätte sie damals genutzt? Es wäre ein Diskutieren über ungelegte Eier gewesen.
Beste Grüße. U. Mai

Erstmal, Kirchen können und sollten nur von außen Denkmäler sein, ihr Gebäudeinneres, ist wie ein Wohnzimmer, das ja auch kein Denkmal ist, sondern immer wieder neu, an die sich verändernden Bedürfnisse angepasst wird!
Bei der Hedwigskathedrale finde ich in der Tat die Größe des Loches von Nachteil, dazu der fehlende Mittelgang vom Hauptportal zur Mitte, dem Altar! Bei dem vorliegenden Entwurf fehlt mir hier aber auch eine Antwort! Außerdem fehlt mir eine richtige Chor- und Orgelempore! Auch für Weihehandlungen ist der jetzige Altarraum/ Kirchenraum ungeeignet!
Ich hoffe, dass mit einem neuen Erzbischof, den es hoffentlich nach den Osterfeiertagen gibt, eine gute Lösung gefunden wird!
Gruß aus dem Erzbistum Hamburg!
Philipp Anz (einfaches Gemeindeglied ohne Funktionen)

Das Problem am Siegerentwurf ist, dass er die Schwächen der Schwippertschen Schnapsidee fortführt. Auch dieser Entwurf klebt an der geometrischen Mitte des Zentralraums, die hinsichtlich des wahrzunehmenden Raumbilds wie auch der Funktionen, die ein Kirchenraum zu erfüllen hat, völlig irrelevant ist. Ein Gottesdienstraum, in dem gehört, gesehen, gesungen, gesessen, gekniet, gestanden und geschritten wird, muss nun mal ein gerichteter Raum sein. Es geht hier um nach Außen gerichtete Kommunikationsakte, nicht um kollektive Einkrümmungen in die eigene Mitte. Das gilt auch für einen Zentralraum. Ein Stuhlkreis funktioniert da nicht. Er wirkt auf Außenstehende zudem hermetisch, ausschließend, nichtöffentlich - so als träfe sich hier ein Club oder eine Loge oder ein Parlament oder ein ganz obskurer Haufen. Holzmeister, der im Detail sicher viel Abgeschmacktes in die Kathedrale hineingebracht hat, war sehr viel geschickter im Umgang mit dem Zentralraumproblem, als er dem Rundraum durch den exzentrischen Altarort einen Pol gab und trotzdem eine Art zentralisierende Raumfigur zuließ. Es zeigt sich am Ergebnis dieses Wettbewerbs wieder mal, dass der größte Feind liturgischer Raumgestaltung oberflächliches Symboldenken ist. Darin sind manche Architekten und Theologen leider gleichermaßen gut...

Holger Brülls (Halle)

Exellenz Erzbischof Koch,
seien Sie barmherzig mit der St.-Hedwigs-Kathedrale und stoppen Sie die Umbaupläne!
 
Grüß Gott, Eure Exellenz Erzbischof Koch!
Seien Sie herzlich im Bistum Berlin willkommen. Es ist ein Bistum voller Charme und Schwierigkeiten, welche den ganzen Mann erfordern. Als Laie bin ich weniger mit den kirchlichen Interna vertraut, jedoch bin ich gegen die Realisierung des sogenannten "Siegerentwurfes" zum Umbau der St.-Hedwigs-Kathedrale. Dieses Gotteshaus bedarf dringend einer Sanierung und Reinigung, jedoch keines Umbaus und keiner Zerstörung des Denkmals.
Richtig ist, dass dieser "Arbeitsplatz" des Priesters schon gewöhnungsbedürftig ist – aber er ist an seinem Standort einmalig auf der Welt! Sollen wirklich mind. 60 bis 80 Mio Euro überwiegend für Beton (nach dem jetzigen Kenntnisstand ohne erforderliche Aufwendungen für den Baugrund) zur Veränderung des "Arbeitsplatzes" ausgegeben werden, obwohl das Bistum mit ca. 7 Mio Euro überschuldet ist?
Bitte veranlassen Sie unverzüglich einen "Planungsstop". Lassen Sie sich nicht von möglicherweise erforderlichen ca. 5 Mio Euro Abfindung für die Künstler schrecken, dies ist allemal billiger als später eine schlechte Presse und Kritik für Umbaukosten von rund 100 Mio Euro nach Fertigstellung (Limburg ist dagegen ein Schnäppchen).
 
Gottes reichen Segen und viel Gesundheit wünscht,
 
Jörg-Michael Susa

Guten Tag, der Blick auf den Entwurf erscheint interessant und volksnah. Allerdings, den Altar in die Mitte des Raumes zu stellen, der Rotunde gerecht zu werden, ist theoretisch schön, stößt aber in der Realität auf Probleme. Ich möchte den Priester bei der Zelebration der Messe nicht von hinten sehen. Oder läuft er permanent um den Altar??? Wohl kaum. Auch die Reduzierung der Bestuhlung auf Einzelstühle finde ich störend. Kniend kann man sich besser sammeln und konzentrieren. Das voraussehbare Gescharre mit den Stühlen empfinde ich als störend. In der St.-Canisius-Kirche, dort wurden aus bekannten Gründen Stühle gewählt, kann man sich das bereits anhören. Will man sich der Ökumene annähern? Auch Protestanten könnten knien, da sie sich in einer "anderen " Umgebung aufhalten. Hinzukommt, dass die alten Kirchenbänke angenehm zum Sitzen sind und eine Ablage fürs Gebetbuch bereit halten. Ich kann, als nicht so regelmäßiger Kirchgänger, nicht alle Lieder auswendig. Meine Mutter ist 90 und kann sich schlecht auf die losen Stühlen setzen bzw. an ihnen festhalten. Auch ich bin fast 60 und durch einen Hüftschaden eingeschränkt in der Bewegung. Bänke sind für uns ideal. Ich würde mich freuen, wenn Sie das Konzept der Bestuhlung noch einmal überdenken würden. Auch die jungen Familien, sehr beliebt in der Kirche, werden alt. Vielleicht gehen die dann aber nicht mehr in die Kirche....
Herzliche Grüße, Marianne Schmitz

Das Wichtigste steht in der Mitte. Der Altar als Zeichen und Symbol Christi, unseres Herrn. Diese großartige Wirkung dürfte bei einer Umsetzung des Entwurfs nicht verfehlt werden... Auch heute gibt es Plätze, von denen aus man aus einer Position von Halbhinten auf das Altargeschehen blickt. Ferner gibt es Kniemöglichkeiten am vorstehenden Stuhl wie heute auch, die übrigens im Boden fixiert werden sollen. Die jetzigen Rutschbänke sind eine Katastrophe. Ich finde es auch nicht so schrecklich, beim Singen aus dem Gotteslob die Nieren des Nachbarn vor den eigenen Ellenbogen zu verschonen, weil ausreichend Platz bleibt. Kuschelrunden in den Bänken sind auch nicht jedermanns Sache. Ich finde den Entwurf rundum gelungen. Wenn jetzt das Baumaterial noch hell und freundlich wirkt, etwa sandsteinfarben... Bloß nicht wieder Grau.
Gruß, Wilhelm Runge

Als ich das erste Mal den Entwurf sah, da dachte ich: Sieht aus, wie der Plenarsaal im Dt. Bundestag. Vor allem, wenn man sich die Anordnung der Stühle anschaut ... ist halt Hauptstadtbistum.

Die Kirche im theologischen Sinne ist kein Gebäude aus Steinen, sondern der fortlebende Leib Christi, sie ist das durch die Geschichte wandernde Volk Gottes. Die Erneuerungsbedürftigkeit der Kirche bezieht sich somit auch nicht auf dieses oder jenes Haus Gottes aus Steinen, sondern auf uns Menschen, die wir die Kirche bilden, angefangen bei den "Kirchenfürsten" im Vatikan bis hin zu mir als kleinem Mitglied im Fußvolk Gottes.
Eingegliedert in die Gegebenheiten dieser Welt gilt es aber auch, Rücksicht zu nehmen auf die staatlichen Gesetze und Vorschriften, denen sich auch eine Religion nicht entziehen darf. Konkret geht es im hier diskutierten Fall um die Beachtung von Denkmalschutz und Urheberrechten. Die architektonische Gestalt unserer St.-Hedwigs-Kathedrale ist einmalig mit ihrer Öffnung in die Krypta, die die fortwährende Verbindung zu den früheren Bischöfen unseres Bistums herstellt und die mit der tragenden aus dem unteren Altar herauswachsenden fundamentalen Säule des heiligen Petrus die Einheit von Kirche in dieser Welt und der Kirche der Vollendung darstellt. Die Verbindung von "unten" und "oben" ist architektonisch grandios gelungen und bedarf unbedingt der Erhaltung. Auch in der unveränderten Struktur des Kirchenraumes bildet der Altar den Mittelpunkt; die neue Version ist lediglich ein Abklatsch vieler anderer Kirchenräume, bringt nicht wirklich Neues oder Besseres - nur Anderes - und das reicht keineswegs!
Mein Befremden gilt den "zerstörerischen" Bemühungen unseres ehemaligen Erzbischofs, der sich ja für die Umsetzung seiner Ideen im Kölner Dom einsetzen kann. Diese Ironie begründet sich aus meinem Berliner Herzen heraus, ich spreche allerdings vornehmlich als katholischer Christ der Hauptstadt Deutschlands, die sich gerade im ehemaligen politischen Ostteil der Stadt auch der Geschichte verpflichtet fühlen muss, was mich auf den entschiedenen Widerspruch der verantwortlichen Politiker den Umbauplänen gegenüber hoffen lässt!
Konrad Bütow, Berlin

Die jetzige Altarlösung ist nicht nur ein bedeutendes (und originelles) Stück Nachkriegsmoderne, sondern eine über Jahrzehnte bewährte Anordnung. Was meiner Ansicht nach geändert werden müsste, ist die Bestuhlung. Runde Bänke, in konzentrischen Kreisen um die kleine runde Altarinsel gruppiert, würden das "Gegenüber" der beiden Kirchenhälften in ein "Miteinander" verwandeln. Auch die (provisorische) Bestuhlung in der Unterkirche sollte überdacht werden.
Ein Problem stellt die Treppe in die Krypta dar; zu spät kommende Gottesdienstteilnehmer stören den Gottesdienstverlauf. Lohnen würde sich eine Diskussion über die grüne Wand- und graue Kuppelfarbe. Wer einmal in St. Ludwig (Darmstadt) zu Gast war, weiß, was ein neues Farbkonzept zu leisten vermag. Derartige (Klein-)Maßnahmen würden - meiner Ansicht nach - den Raum bereits entscheidend verbessern, ganz ohne millionenschwere Umbauten.
Liebe Grüße von einem Exil-Berliner aus Fulda

Auf der Interseite des Erzbistums Berlin, unter dem Artikel "Schlaglicht aus dem Erzbistum" wird ein Interview mit der derzeitigen Kulturstaatsministerin Frau Monika Grütters vom 15.05.2015 abgedruckt.
Dort äußert sie sich unter anderem auch zur Umgestaltung der St. Hedwigs-Kathedrale, die sie nachdrücklich befürwortet auch gegen die Vorbehalte des Denkmalschutzes."...die Kathedrale ist kein Museum, sondern ein lebendiger Kulturort. So muss das Gotteshaus architektonisch den Wandel durch das 2.Vatikanische Konzil nachvollziehen. Aus der Sicht eines Kirchenmitgliedes wiegt dieses"liturgische Argument" sicherlich schwerer als denkmalspflegerische Aspekte und der berechtigte Wunsch nach einem repräsentativem Ort für den Katholizismus in der Weltstadt Berlin." Frau Grütters sagt in diesem Zusammenhang auch die Prüfung zu finanziellen Zuwendungen aus Bundesmitteln zu.
Natürlich kann eine gefragte Bundesministerin nicht über alles Bescheid wissen, wozu man sie zu reden auffordert. Und die offen gezeigte Begeisterung für Kardinal Woelki trübt sicherlich den kritischen Blick, um sich auch anderen Darstellungen des Sachverhaltes zu öffnen. Das sollte sie auf jeden Fall nachholen. Es gibt einen " Offnen Brief an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofs-Konferenz, Kardinal Marx" vom 31. August 2014. Im Namen des Landesdenkmalsrat unterzeichnet von Frau Prof.Dr. Wittman-Englert. MIt einer stattlichen Anzahl elitärer Mitunterstützer,wie Prof.Andreas Odenthal, Prof. Wolfgang Wolter u.a.
Noch einfacher wäre eine Rücksprache mit den beiden Weihbischöfen des Erzbistums Berlin. Es ergäbe sich, dass St Hedwig ohne jeden Abstrich liturgisch mit den Vorschriften des Vaticanum II in Einklang steht und in ihrer liturgischen und künstlerischen Einzigartigkeit und Sinnhaftigkeit so wertvoll ist, daß eine -nun mit Sachkenntnis ausgerüstete- Kultur-Staatsministerin den Denkmalschutz vehement unterstützen müsste. Schon um eventuellen finanziellen Schaden vom Deutschen Volk abzuwenden. Besser noch, um nicht als mündige und kluge, engagierte katholische Polikerin unredlichem Geschwätz ihre Stimme zu leihen.
B.Schymalla, Berlin

Hier geht es zu dem Interview mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters: Bitte klicken!

Matthias Holluba

Gut, dass man so das Interview gleich lesen kann. Danke. Nur meine ich, dass besonders Mitglieder der Bundesregierung sogenannte Argumente prüfen sollten, bevor sie diese für Presseinterviews, bzw. für die Öffentlichkeit benutzen. Sie sollten diese Argumente nicht ungeprüft wiedergeben, oder einfach wiederholen. Es gibt doch jede Menge Mitarbeiter, sicher auch im Haus von Frau Grütters (CDU), die sogenannten Argumente (z.B., dass die St.-Hedwigs-Kathedrale umgebaut werden muss, weil die Forderungen des 2. Vatikanischen Konzils nicht erfüllt seien) auf ihre Richtigkeit überprüfen würden, wenn man ihnen den Auftrag dazu erteilt. Aber das kann ja Frau Grütters noch nachholen lassen, z.B. bei den zwei Weihbischöfen des Erzbistums Berlins. Herr Schymalla hat ebenfalls darauf hingewiesen. Oder war es gar Absicht dieses Falschargument zu verbreiten, damit die Bundesregierung die Millionen Euro bereitstellen wird?
Ein Berliner Christ, zurzeit in Fulda

Beten oder Simsen?
Während einer heiligen Messe in der St.-Hedwigs-Kathedrale fiel mir (in der Nähe des Standbilds der heiligen Gottesmutter) eine große Vitrine auf, die von Werbepostern gerahmt wird. Ist das durch Plexiglas geschützte Holzmodell deshalb im Kirchenraum aufgestellt worden, damit es von den Gläubigen verehrt werden kann? Der große Opferstock zum Geldeinwurf drängt sich jedenfalls den zum Gebet eintretenden Besuchern auf – aber die Kerzen fehlen. Als Katholik fragt man sich, wo eigentlich das geweihte Gotteshaus endet und der Werbebereich beginnt, in dem obendrein noch zur Nutzung des Smartphones aufgerufen wird.
Übrigens: Für die Zerstörung des vorhandenen Innenraums, um die im Modell gezeigten banalen Stuhlkreise auf den plattgemachten Boden zu stellen, habe ich natürlich nichts gespendet, weder in bar noch per SMS.
Maria Kreuzer

Wenn das so umgesetzt wird, was GOTT verhüten möge, kann man über die Berliner Bistumsleitung nur den Kopf schütteln – und beten. Ich habe 10 Jahre in Berlin gelebt und die Kathedrale als eine wunderschöne Kirche erlebt. Gerade die Öffnung zur Unterkirche hat mich einfach fasziniert. Hoffentlich kommt der Heilige Geist zusammen mit dem neuen Erzbischof und noch rechtzeitig in Berlin an.

Wie der neue Erzbischof in seinem Hirtenbrief verlesen ließ, ist die Reparatur und der Umbau der St.-Hedwigs-Kathedrale dringend notwendig. Ich finde den hier vorgestellten Entwurf sehr gelungen. Endlich ist dann mehr Platz für die Gottesdienstbesucher.
Gerhard Schmidt-Grillmeier

Nur eine Sanierung ist nötig, ein Umbau reduziert Sitzplätze:
Weniger Besucher werden Platz finden, doch die Wenigen werden mehr Platz für sich selbst haben. Wenn die Möglichkeit zum Knien nicht eliminiert wird, gäbe es wegen der einzeln stehenden Stühle weniger Sitzplätze in der Kathedrale. Bei jedem Festgottesdienst muss zudem ein kompletter Stuhlblock für Chor und Orchester demontiert werden, um den Musikern den nötigen Raum zu lassen. Dann blieben für Gottesdienstbesucher exakt 364 Sitzplätze – nach dem präsentierten Modell (jederzeit nachzählbar). Da keine anderen Zeichnungen veröffentlicht wurden, wäre es unseriös, mit Phantasiezahlen für eine mögliche größere Platzkapazität zu operieren. Falls die Gläubigen sich nicht in die freie Mitte am Altar auf den neubetonierten Boden setzen sollen, wird es nach dem jahrelangen, teuren Umbau demnach weniger Sitzmöglichkeiten als in der jetzt bestehenden Kathedrale geben. Das finden wir nicht gelungen.
Werner J. Kohl, für die „Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale“, E-Mail: bewahren@online.de

Sehr geehrter Herr Schmidt-Grillmeier,
fragen Sie sich, warum man viele Jahre verstreichen ließ und die Kathedrale NICHT grundgereinigt hat, z.B. die Fenster gereinigt und den Staub von den Wänden entfernt? Mit Kosten hat dies wohl nichts zu tun. Man tapeziert doch auch seine Wohnung, wenn nötig, obwohl man weiß, dass man evtl. in einigen Jahren ausziehen wird!
Wissen Sie, dass es viele Änderungen am ausgestellten Siegerentwurf des Realisierungswettbewerbes gibt, da man ihn so nicht realisieren kann? Wieso meinen Sie, dass "dann mehr Platz für die Gottesdienst" entsteht? Dies ist nicht der Fall! Prüfen Sie es nach.
Und Sie finden Milchglasfenster besser als die jetzt Vorhandenen? Welche Farbe soll der Fußboden des Siegerentwurfes haben? Denken Sie dabei auch an den matschigen Winter. Der Siegerentwurf hat so viele Mängel, dass man weitere 1,5 Mio € für weitere Planungsunterlagen freigegeben hat, um den Umbau realisieren zu können. Über deren konkrete Verwendung werden die Laien nicht informiert.
Ist es Ihnen egal, dass eine sehr hohe Geldsumme für einen Umbau einer den Richtlinien des II. Vat. Konzils entsprechenden und voll funktionierenden Kathedrale seites der Bistumsleitung verschwendet wird? Werden nach einem evtl. Umbau mehr Beter in der Kathedrale sein? Es gibt noch weit mehr Gründe, um den radikalen Abriss der jetzigen Innenraumgestaltung der St.-Hedwigs-Kathedrale zu verhindern. Über Ihre öffentliche Antwort würde ich mich freuen.
J. Manderla, Berlin

Sehr geehrter Herr Manderla, Ihre Zuschrift habe ich erst jetzt entdeckt.
Eine Entscheidung ist ja jetzt gefallen. Über die Innenraumgestaltung wird man sicher noch diskutieren - aber ich bin froh, dass an Stelle der Öffnung (ich empfand sie immer als "Loch") jetzt der Altar der Mittelpunkt der Kathedrale sein soll.
Von Verschwendung würde ich nicht sprechen - die Kathedrale muss ja ohnehin saniert werden. Ich erinnere mich noch an die Worte eines ehemaligen Botschafters eines EU-Staates, der regelmäßig den Abendgottesdienst besuchte. Er fand die Kathedrale als häßlich. Viele meiner (internationalen) Besucher waren auch enttäuscht. Man merkte halt, dass die Wiederherstellung doch unter sehr prekären Umständen erfolgte.
Mit freundlichen Grüßen, G. Schmidt-Grillmeier

Schein oder Sein?
In Gesprächen mit Gläubigen des Ezbistums ist oft, wenn auch manchmal hinter vorgehaltener Hand, eine Ablehnung der Millionenausgaben für den unnötigen Umbau der intakten Kathedrale zu hören. Für einen Bruchteil der immensen Umbaukosten könnte unsere einzigartige Bischofskirche hervorragend saniert werden. Beim Pastoralen wird gekürzt und für ein modisches Image des Erzbistums scheint kein Preis zu hoch zu sein. Die Planer werben mit dem Schlagwort „Radikale Reduktion“. Doch was bedeutet dies: Wie mache ich für sehr viel Geld aus etwas Großartigem etwas ganz Minimalistisches? (vergl. „Des Kaisers neue Kleider“)
Warum machen die Verantwortlichen der Kirchenleitung so ein Geheimnis um die zu erwartenden Kosten und zeigen keine Zeichnungen des Umbauplans. Seit mehr als 11 Monaten wird den Kirchenmitgliedern das alte Modell vorgeführt, obwohl schon 6 Monate lang für zusätzliche 1,5 Millionen Euro (laut Pressemeldung des Erzbistums vom 10. Dezember 2014) weiter am Umbau geplant wurde. Doch die Kirchensteuerzahler, die den Umbau finanzieren sollen, dürfen keine Zeichnungen sehen und erfahren immer noch nichts zu den Kosten.
Möge unser neuer Erzbischof unbedrängt Gelegenheit haben, sich zunächst umfassend zu informieren …
M. Helge, Domgemeinde St. Hedwig, E-Mail: bewahren@online.de

Ich bekomme den "Tag des Herrn" im gesammelten Pack mit etwas Verspätung von meinem Vater ins Kloster gesandt, nachdem er ihn eifrig studiert hat. Über den Artikel "Zeitgeist oder Konzil? " habe ich mich sehr gefreut. Besonders hat mir das Foto mit Frau Sauer gefallen, da ich eine entsprechende Anfrage bereits an die Berliner Bistumsseite im Internet gestellt habe.
Auch, wenn ich inzwischen nicht mehr im Bistum Berlin lebe, auf die Kathedrale, wie ich sie aus Kindertagen kannte, war ich immer ein wenig stolz. Hier habe ich erlebt, was das Konzil wollte: Die Ortskirche versammelt sich um den Altar, der Bischof ist nicht fernab und weit von den Mitfeiernden entfernt. Durch die ehemals rund gestellten Bänke war auch der Blick auf die Mitte gerichtet. Einzig die Petrus-Figur, die sich später zwischen Tabernakel und Altar geschoben hat, fand ich störend.
Eine Renovierung ist sicher nötig, das habe ich bei meinem letzten Besuch vor einigen Jahren auch so empfunden, doch eine "Modernisierung einer Bischofskirche", wie sie heute meines Wissens in keinem deutschen Bistum konzilsmäßiger zu finden ist ... da habe ich in mir ein riesiges Fragezeichen.
Sr. Katharina Sommer OCD

Die FAZ druckt übrigens noch Leserbriefe zur Hedwigskathedrale: https://twitter.com/wollschmolz/status/614339808916336640

Liebe Redaktion "Tag des Herrn", hören Sie doch endlich auf mit dieser Schein-Diskussion und schließen dieses Forum.
Es sind immer wieder die selben Leute, die sich mit immer den gleichen Argumenten beteiligen, allen voran diese bewahren@t-online.de-Leute, wahrscheinlich fast die einzigen hier. Wahrscheinlich auch die Gleichen, die danach rufen, dass sich die Kirche endlich dem Fortschritt öffnen und sich ändern müsse.
Es gibt nur zwei Positionen:
1. Position für einen Umbau
2. Position dagegen.
Dabei geht es schon an die Grenze zur persönlichen Diffamierung gegenüber Kardinal Woelki, dem Dompropst und anderen Feindbildern. Dann werden Leute zitiert, die ihr halbes Leben mit der jetzigen Kathedralform verbracht haben. Für viele ist es das einzige, was von ihrer Kindheit und Jugend geblieben ist – die sichere Bank im Tosen des Wandels der Zeit. Natürlich kann ich das verstehen. Das wird jeder verstehen.
Ich persönlich unterstütze einen Umbau und finde das Konzept, die geometrische Figur dieser Kirche zu nutzen, das wichtigste in die Mitte zu stellen, großartig – ohne Schnörkelei. Mich regen die tausend Ebenen vom Keller bis zur Decke auf. Der Gläubige steht rollstuhlgerecht und schaut in den Abgrund, in dem er auch landet, wenn er nicht achtgibt, ebenso der Kantor, wenn er ein Orchester dirigiert. Ich warte darauf, dass der irgendwann mit Platzwunde vor dem Tabernakel liegt.
Der Altar hat sein Inselchen, der Pfarrer steht höher, der Bischof noch höher und alles bewegt sich um diese unsinnige Öffnung, die einen riesigen Raum verschluckt. Dazu dieses depressiv machende Grau überall. Da gibt es tatsächlich das hirnrissige Argument mit dem Matsch auf der Straße. Ziehen wir doch den Gläubigen Filzlatschen an oder die Schuhe aus, wie die Muslime. Dann können wir uns das teure Saubermachen ganz sparen und für den nächsten Fensterputzer sparen.
Mit anderen Worten: Eine ganze Reihe von Argumenten gegen einen Umbau sind schlicht an den Haaren herbeigezogen. Der absolute Brüller: Dass man Geld für die Gemeinden spare, wenn man nicht umbaue. Nur mal so nebenbei: Es gäbe keinen einzigen Euro, weder von der DBK, dem Bund, noch Sponsoren, wenn nicht umgebaut würde – nicht mal Geld für eine reine Sanierung gäbe es. Das würde das Bistum unter Umständen noch mehr kosten, weil es das selbst bezahlen müsste. Denn malern muss jeder selbst.
Gruß, Ernst Kupfer

Eine kleine technische Richtigstellung zu den Mutmaßungen von Herrn Kupfer über „diese … Leute“: Die Mailadresse, die zwischen den vielen Bezichtigungen auftaucht, soll wohl korrekt so lauten: bewahren@online.de
Es ist die zentrale E-Mail-Adresse der „Freunde der St.-Hedwigs-Kathedrale“. Gern werden dort Anfragen zur Kathedrale aufgenommen und beantwortet. Deshalb liegt uns daran, dass die Adresse richtig angegeben ist, sei es auch inmitten von Schmähungen.
Jürgen Manderla für die Freunde der St.-Hedwigs-Kathedrale

Sehr geehrter Herr Kupfer,
Ihre Forderung, die Diskussion abzuwürgen, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Bloß weil Ihnen die Richtung nicht passt? Ich kenne die Leute von "bewahren@online.de" (noch) nicht, aber dass ausgerechnet die nach einer Änderung der Kirche rufen sollten, erscheint mir auch etwas unlogisch. Paradox. Ich freue mich, dass der neue Bischof die Brisanz des Themas so schnell erkannt hat und hoffe, dass er die Kraft hat, den Umbau zu stoppen.
Christine Springborn

Sehr geehrter Herr Kupfer,
aus dem Ostseebad Zinnowitz zurück, habe ich nochmals Ihren Beitrag gelesen. Im dortigen St.-Otto-Heim, in der kl. Kapelle, kann man die Stühle, die nach dem Umbau auch für die St.-Hedwigs-Kathedrale bestimmt sind, mit ihren vielen Mängeln besichtigen und ausprobieren.
Sie schreiben und behaupten in Ihrem Diskussionsbeitrag: "Dabei geht es schon an die Grenze zur persönlichen Diffamierung gegenüber Kardinal Woelki, dem Dompropst und anderen Feindbildern. Dann werden Leute zitiert, (...)."
Ich gehöre zur katholischen Laieninitiative „Freunde der St.-Hedwigs-Kathedrale“, die Sie "Leute von bewahren@online.de“ nennen. Wir setzen uns für eine Sanierung und gegen den radikalen Umbau des noch denkmalgeschützten Inneren der Kathedrale ein.
Sie behaupten, ohne Quellenangabe, dass wir persönlich diffamieren. Das ist das Niveau einer groß bebilderten Zeitung! Es wird schon bei den Lesern etwas hängen bleiben, meinen Sie wohl, wenn Sie diese Lügen online stellen! Woher haben Sie diese Kenntnisse? Gehören Sie zum persönlichen Umfeld von Kardinal Woelki, vom Dompropst oder zu den "anderen Feindbildern"? Wenn Sie aber zu diesem Umfeld gehören, dann versteht man Ihren Beitrag besser. Wenn in Ihrem Artikel keine Lügen genannt werden, die Sie online verbreiten, dann geben Sie bitte für die Leser die Quellen an, die es aber nicht gibt.
Auf eine Antwort freue ich mich, denn wer schweigt, stimmt zu. Ich kann Ihnen aber mit Quellenangabe belegen, dass die „Freunde der St.-Hedwigs-Kathedrale“ öffentlich diffarmiert werden.
Sie wünschen sich wohl, dass der neue Erzbischof mit uns keinen Kontakt aufnehmen soll, damit er nur Ihre Sichtweise FÜR den Umbau der Kathedrale erfährt.
Mit freundlichen Grüßen, J. Manderla

Werter Herr Kupfer!
Wieviele Menschen sind denn eigentlich schon in den "Abgrund" gestürzt? Grade dieses sogenannte Loch – früher wurde es nie so genannt – ist doch etwas Besonderes und Schönes. Es ist keine unsinnige Öffnung, sondern eine Einladung in die Unterkirche.
Bisher ist außer Ihnen sicher auch noch niemand von dem Grau depressiv geworden. Wenn Sie die Farbe so sehr bedrückt, schauen Sie doch die wunderschönen Fenster oder den jeweiligen wunderbaren Vorhang an.
Es wäre sehr schade, wenn man unsere schöne Kathedrale in etwas Langweiliges verwandeln würde.
Gruß, N. Romberg

Umbau von St. Hedwig – Alles muss raus?
Wussten Sie, dass bereits am 13. Mai 2015, als der Name unseres neuen Erzbischofs noch gar nicht bekannt war, der künstlerische Leiter für den Umbau der Kathedrale schon beauftragt war? Es ist Herr Zogmayer, der seit 20 Jahren Stuhlhocker in Kirchen stellt und dessen Stuhlkreise für Berlin als Siegerentwurf gelten. Bisher glaubten wir, der Erzbischof würde über Sanierung oder Umbau entscheiden.
Wie begründet der vom Erzbistum beauftragte Umbau-Leiter, die Notwendigkeit der von ihm geplanten Umgestaltung? Zogmayer meint: "Die Welt sei heute so laut, so bunt, so hektisch. Dazu müsse der Kirchenraum einen Gegenpol bilden. Nichts dürfe von der Meditation ablenken. Radikale Reduktion!"
Das ist die Meinung des künstlerischen Leiters des Umbaus. (Manch einer hat schon mal geträumt, Unbequemes einfach wegzuzaubern. Mir geht es so, wenn ich das plumpe Umbaumodell in der schönen Kathedrale sehe, doch im Leben stellt man sich der „bösen“ Welt und konzentriert sich auf das, was zählt.)
Die bisherige Leitung unseres Erzbistums will nun dem Reduktions-Künstler sehr viele Millionen Euro geben, damit er die Kathedrale ausräumen und alles hinauswerfen kann, was ihn stört. Am Ende der Umgestaltung wäre dann die Kathedrale für alle Gläubigen – kahl, dröge, blass – steril gegen alle Infektionen der Welt da draußen.
Herr Zogmayer kehrt danach stolz zurück in sein liebliches Österreich. Wir aber schauen ins Leere, verlieren uns in der Betrachtung von Frisuren und Kleidern, der vor uns Sitzenden, die den Blick zum Altar hemmen, und wünschen uns so sehr, wieder eine richtige Kirche zu haben. Wann werden wir dann beginnen, Geld zu sammeln, um die triste, leergeräumte Mehrzweckhalle zurück in eine Kathedrale zu verwandeln?
Werner J. Kohl für die Freunde der St.-Hedwigs-Kathedrale

Sehr geehrter Herr Kupfer, am 07.07.2015 habe ich ausführlich auf Ihren Kommentar geantwortet.
Nach den Fragen habe ich geschrieben: “Auf eine Antwort freue ich mich, denn wer schweigt, stimmt zu.“
Inzwischen sind acht Tage vergangen und Sie schweigen weiter.
J.Manderla

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